«Ich habe einen langen Atem» - Waffensammler will Kanone im Garten – Anwohner wehren sich
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«Ich habe einen langen Atem»Waffensammler will Kanone im Garten – Anwohner wehren sich

Sechs Einsprachen gingen gegen das aussergewöhnliche Baugesuch eines Waffensammlers. Er möchte sich eine funktionsfähige Kanone in den Garten stellen. Das Vorhaben sorgt in Günsberg SO für heftige Diskussionen.

von
Lara Hofer
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Diese Haubitze will sich Sandro Affolter, Waffenhändler und Präsident der Baukommission in Günsberg, in seinen Garten stellen. 

Diese Haubitze will sich Sandro Affolter, Waffenhändler und Präsident der Baukommission in Günsberg, in seinen Garten stellen.

ZVG
Mit dem Vorhaben sind jedoch längst nicht alle einverstanden. Sechs Einsprachen wurden gegen das Baugesuch erhoben.

Mit dem Vorhaben sind jedoch längst nicht alle einverstanden. Sechs Einsprachen wurden gegen das Baugesuch erhoben.

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Eine davon kommt von Mitbürgerin Mirella De Filippi. «Eine Kanone mitten im Dorf finde ich äusserst unpassend und provokativ», sagt sie. 

Eine davon kommt von Mitbürgerin Mirella De Filippi. «Eine Kanone mitten im Dorf finde ich äusserst unpassend und provokativ», sagt sie.

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Darum gehts

  • Der Waffensammler Sandro Affolter möchte eine militarisierte Kanone in seinen Garten stellen.

  • Im Februar reichte er, Präsident der Baukommission, deshalb ein Baugesuch ein.

  • Gegen das Vorhaben sind jedoch sechs Einsprachen eingegangen. Die Kanone wirke bedrohlich, provokativ und ruiniere das Dorfbild.

  • Nun hat die Baukommission alle Einsprachen abgelehnt. Der Kampf ist jedoch noch nicht zu Ende.

Der Waffensammler Sandro Affolter aus Günsberg SO steht derzeit unter Beschuss – unter Einsprachenbeschuss. Im Februar reichte er bei der Baukommission Günsberg ein Gesuch ein. Er möchte auf seinem Grundstück eine Militärkanone platzieren. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger stören sich jedoch an dieser Vorstellung. Sechs Einsprachen wurden erhoben – darunter auch die von Mirella De Filippi.

«Eine Kanone mitten im Dorf wirkt sehr bedrohlich. Besonders, weil auch Schulkinder täglich daran vorbeigehen müssten», so De Filippi. Auch sie fahre regelmässig an besagtem Standort vorbei, etwa um die Post zu holen oder einkaufen zu gehen. Dass die Kanone vollständig militarisiert und funktionsfähig ist, löse zusätzliche Verunsicherung aus. «Es wäre leicht, passende Munition zu beschaffen und die Kanone abzufeuern.»

Kirche gegen Kanone

Die Kanone soll gleich neben der örtlichen Kirche stehen. «Ich finde das äusserst unpassend und provokativ», sagt De Filippi. Der Anblick der Kanone verhindere einen friedlichen Kirchenbesuch – etwa an Hochzeiten und Beerdigungen. Tatsächlich erhob die katholische Kirchgemeinde Günsberg-Niederwil-Balm ebenfalls Einsprache gegen das Baugesuch. «Wir möchten nicht, dass sich bei uns jemand unwohl fühlt», so L.S.*, Mitglied der katholischen Kirchgemeinde. Zudem könne die Kanone ein negatives, bedrohliches Bild vermitteln. «Frieden und Waffen gehen für mich nicht Hand in Hand.»

Gesuchsteller sieht kein Problem

Bei der Kanone handelt es sich um eine Haubitze mit dem Kaliber 105 Millimeter. «Ich habe nicht vor, die Kanone abzufeuern», sagt Baugesuchsteller Sandro Affolter. «Ich habe lediglich Gefallen an solchen Geräten und sammle diese.»

Er ist sich sicher, dass das Baugesuch angenommen wird. Als Präsident der Baukommission ist er für dieses Traktandum in den Ausstand getreten. Für ihn ist klar, dass die Kanone weder Lärm noch Schaden verursacht und gegen kein Gesetz verstösst. Sie stehe bereits seit Dezember auf seinem Parkplatz. «Im schlimmsten Fall bleibt sie halt da stehen, wo sie jetzt ist – 20 Meter vom gewünschten Standort entfernt.»

Alle Einsprachen abgewiesen

Anfang April wurden schliesslich alle sechs Einsprachen gegen das Baugesuch abgewiesen. Eine der Einsprachen war anonym und wurde somit als ungültig klassiert. Zwei weitere wurden nicht berücksichtigt, weil die Verfasser zu weit entfernt wohnen. Die restlichen drei, darunter auch die der Kirchgemeinde, wurden geprüft und abgelehnt. «Die Entscheidung kommt für uns nicht unerwartet», so L.S. Am Dienstag werde die Kirche darüber entscheiden, ob die Einsprache weitergezogen werden soll.

Racheakt an Baukommission?

Für Mirella De Filippi steht längst fest, dass sie noch nicht aufgeben wird: «Ich habe einen langen Atem», sagt sie. Doch warum ist ihr, die weit weg vom betroffenen Standort wohnt, das Anliegen so wichtig?

Es stellt sich heraus, dass De Fillippi vor einiger Zeit ihren Hof erweitert hat – ohne gültige Baubewilligung. Sie wurde von der Baukommission aufgefordert, alle neuen Bauten abzureissen – inklusive Gewächshaus. Ist ihr Kampf gegen die Kanone also bloss ein Kampf gegen die Baukommission? Nein, sagt De Filippi. Dennoch fügt sie scherzend hinzu: «Mein neues Gewächshaus hätte wenigstens Gemüse hervorgebracht – bei einer Kanone hingegen kommt nichts Sinnvolles raus.»

*Name der Redaktion bekannt

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