Krieg und Vertreibung: Waffenstillstand als «Witz» zurückgewiesen
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Krieg und VertreibungWaffenstillstand als «Witz» zurückgewiesen

Die eingekesselten Tamilen-Rebellen in Sri Lanka haben am Sonntag einen «humanitären» Waffenstillstand angeboten. Die Regierung in Colombo lehnte das Angebot umgehend ab.

«Angesichts einer beispiellosen humanitären Krise und als Antwort auf die Appelle der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten, geben die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) einen einseitigen Waffenstillstand bekannt», hiess es in einer LTTE-Erklärung.

Die Dauer der Massnahme hänge von der Reaktion der srilankischen Regierung ab, sagte ein LTTE-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP am Telefon aus dem Rebellengebiet.

Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse wies das Angebot umgehend als «Witz» zurück. Was solle ein Waffenstillstand, wenn die Rebellen die finale Niederlage vor Augen hätten, fragte der Minister, ein Bruder von Präsident Mahinda Rajapakse. Die Rebellen müssten sich ergeben, sonst würden sie getötet, sagte er.

Die Regierungstruppen setzten ihre Offensive gegen die LTTE denn auch fort und eroberten ein weiteres Dorf im Rebellengebiet. Dabei sei 500 weiteren Menschen die Flucht ermöglicht worden, erklärte das Verteidigungsministerium.

Kämpfe fortgesetzt

Unklar ist weiterhin, wie viele Zivilisten noch im Kampfgebiet festsitzen. Der Zeitung «Sunday Observer» sagte der Verteidigungsminister, fast 98 Prozent der Zivilisten im Rebellengebiet hätten von dort fliehen können. Die Befreiung der übrigen Zivilisten sei weiter «Priorität Nummer eins» der srilankischen Armee.

Die Regierung gibt die Zahl der sich noch im Kampfgebiet befindenden Zivilisten mit 15 000 bis 20 000 an. Nach Angaben der LTTE sind es noch 165 000, denen wegen der Abriegelung des Gebietes durch Regierungstruppen der Hungertod drohe.

Nach UNO-Schätzungen sind noch 50 000 Zivilisten eingeschlossen, mehr als 100 000 Zivilisten seien aus dem LTTE-Gebiet bereits geflohen. Fast 6500 Menschen kamen demnach seit Beginn der Schlussoffensive im Februar ums Leben.

Holmes fordert Zugang zu allen Flüchtlingen

Der am Samstag in Sri Lanka eingetroffene UNO-Beauftragte für humanitäre Fragen, John Holmes, drängte die Rebellen, die Waffen niederzulegen. Er forderte die LTTE auf, die Zivilisten, die sich noch in dem von der LTTE kontrollierten etwa zehn Quadratkilometer grossen Küstenstreifen im Nordosten der Insel aufhielten, ziehen zu lassen.

Nach einem Treffen mit dem Minister für Menschenrechte, Mahinda Samarasinghe, forderte Holmes zudem Zugang zu allen Binnenflüchtlingen, «wo auch immer sie sind, auch im Konfliktgebiet».

Aufruf der UNO und der G8

Die Vereinten Nationen und die G-8-Gruppe hatten am Samstag sowohl Regierungstruppen wie auch Rebellen aufgefordert, die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden. Die Aussenminister der acht wichtigsten Industriestaaten zeigten sich in Rom «tief besorgt» über die vielen Todesopfer.

Die Konfliktparteien müssten «alle Massnahmen ergreifen, um neue zivile Opfer zu vermeiden». Ausdrücklich verurteilten die Aussenminister in einer Erklärung «den Gebrauch von Zivilisten als menschliche Schutzschilde durch die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)».

Aus London verlautete am Sonntag, die Aussenminister Grossbritanniens, David Miliband, Frankreichs, Bernard Kouchner und Schwedens, Carl Bildt, würden am Mittwoch nach Sri Lanka reisen. (sda)

Caritas Schweiz hilft der vertriebenen Zivilbevölkerung im Nordosten Sri Lankas mit 400 000 Franken. Mit dem Geld wird Not- und Überlebenshilfe geleistet, wie die Caritas am Sonntag mitteilte.

Die Hilfsorganisation arbeitet mit ihrer Schwesterorganisation, der Caritas Sri Lanka, zusammen. Diese habe Zugang zur Zivilbevölkerung sowohl im umkämpften Distrikt Vanni als auch in jenen Regionen, wo Flüchtlinge und Vertriebene Zuflucht gefunden haben, schreibt die Caritas.

Nach Angaben von Caritas Sri Lanka muss zur Zeit davon ausgegangen werden, dass rund 175 000 Menschen aus der Kampfzone geflüchtet sind. Etwa 20 000 Zivilisten dürften noch im Gebiet, das von den Tamil Tigers kontrolliert wird, eingeschlossen sein.

Caritas Sri Lanka wolle in den kommenden Wochen rund 25 000 Flüchtlinge mit Grundnahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten versorgen, heisst es in der Mitteilung.

Mit dem Beitrag der Caritas Schweiz sollen Reis, Gemüse und Trockenfisch an die hungernde Bevölkerung abgegeben werden. Nach Bedarf finanziert die Caritas auch weitere Notunterkünfte. Die Glückskette beteiligt sich an der Finanzierung des Hilfsprogrammes.

(Konto 60-7000-4, Vermerk «Sri Lanka»)

(SDA)

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