Aktualisiert 07.05.2012 11:25

Euro noch schwächer

Wahlausgang macht Jordan das Leben schwer

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland steigt das Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber dem Euro. Das ist auch für die Schweizerische Nationalbank ein Problem.

von
Balz Bruppacher
SNB-Chef Thomas Jordan spricht anlässlich der Generalversammlung von Ende April in Bern.

SNB-Chef Thomas Jordan spricht anlässlich der Generalversammlung von Ende April in Bern.

Thomas Jordan warnte Ende April vor den sehr hohen Unsicherheiten im internationalen Umfeld. «Das grösste Risiko stellt nach wie vor die europäische Staatsschuldenproblematik dar», sagte er bei seinem ersten Auftritt als Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vor den Aktionären der Notenbank. Eine Beruhigung ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Protest der Wähler in Frankreich und Griechenland gegen eine einseitige Sparpolitik wurde auf den Finanzmärkten am Montag vor allem als neue Unsicherheit für das Euroland ausgelegt.

Der Euro sackte gegenüber dem Dollar vorübergehend unter die Marke von 1,30 Dollar ab. Und auch zum Franken näherte sich die Einheitswährung mit 1.2009 wieder bedrohlich der im letzten September von der Nationalbank festgelegten Untergrenze von 1.20 Franken. Die europäischen Aktienmärkte fielen am Montagmorgen auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Monaten. Analysten malten bereits das Szenario einer neuen Griechenland-Krise an die Wand. Falls in Athen bis Ende Monat keine neue Regierung stehe, «könnte den Hellenen der Geldhahn zugedreht werden», heisst es im Devisenkommentar der Zürcher Kantonalbank.

Der Angriff der Spekulanten fand bisher nicht statt

Für die Schweizer Wirtschaft ist die Stärke des Frankens das grösste Problem. Weil der Franken nach wie vor als sicherer Hafen gilt, muss bei politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten mit einem anhaltenden Aufwertungsdruck auf die Schweizer Währung gerechnet werden. Die Verteidigung des Mindestkurses von 1.20 für den Euro wird damit nicht einfacher.

Anlass zur Zuversicht geben in diesem Zusammenhang aber neue Daten, die die Nationalbank am Montag veröffentlichte. Es geht um den Stand der Devisenreserven, wie er monatlich dem Internationalen Währungsfonds übermittelt wird. Ende April betrugen die Währungsreserven demnach 235,6 Milliarden Franken. Das waren knapp zwei Milliarden Franken weniger als ein Monat zuvor.

Warum ist das ein gutes Zeichen? Als der Eurokurs vor und nach Ostern kurzfristig unter die Marke von 1.20 Franken gerutscht war, wurde vermutet, dass die Nationalbank erstmals seit der Einführung des Mindestkurses mit hohen Summen am Devisenmarkt intervenieren musste. Hätte die Nationalbank tatsächlich Euro für mehrere Milliarden Franken gekauft, wären auch die Devisenreserven per Ende April angestiegen. Dass die Währungsreserven nun sogar leicht gesunken sind, deutet darauf hin, dass die Nationalbank auf den Devisenmärkten nach wie vor über eine hohe Glaubwürdigkeit verfügt. Der grosse Angriff der Spekulanten auf die 1.20-Franken-Marke fand bisher nicht statt.

Weniger Euro – mehr Dollar und Pfund

Die Nationalbank scheint sich aber dennoch mit weiteren Massnahmen gegen die Unsicherheiten zu wappnen. So hat sie die Zusammensetzung ihrer Währungsreserven im ersten Quartal dieses Jahres deutlich verändert. Die Euro-Bestände verringerten sich innerhalb von drei Monaten um 17 Milliarden auf 103 Milliarden. Der Euro-Anteil an den gesamten Währungsreserven sank damit auf gut 50 Prozent, verglichen mit 57 Prozent Ende 2011. Gleichzeitig erhöhte die Nationalbank die Dollarbestände von 23 auf 26 Prozent. Mehr als verdoppelt haben sich die in britischen Pfund angelegten Devisenanlagen. Sie machen nun 8,5 Prozent der gesamten Reserven aus und sind die drittwichtigste Währung noch vor dem japanischen Yen (8 Prozent).

In Marktkreisen wird gemäss dem Finanzdienst Cash online spekuliert, dass sich die Nationalbank mit der Diversifikation der Währungsreserven mehr Spielraum verschaffen könnte, um genügend Feuerkraft für künftige Interventionen zu haben.

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