Tubman boykottiert : Wahlchaos in Liberia perfekt
Aktualisiert

Tubman boykottiert Wahlchaos in Liberia perfekt

Liberias Präsidentin Ellen Sirleaf, Friedensnobelpreisträgerin 2011, hat bei den Wahlen die Nase vorn. Ihr Herausforderer Winston Tubman wirft ihr allerdings Betrug vor und rief zum Boykott auf.

Ellen Johnson Sirleaf bei der Stimmabgabe.

Ellen Johnson Sirleaf bei der Stimmabgabe.

Unter dem Boykott der Opposition ist im westafrikanischen Liberia am Dienstag die zweite Runde der Präsidentschaftswahl abgehalten worden. Die Wahlbeteiligung blieb hinter den Erwartungen zurück.

Der Oppositionskandidat Winston Tubman hatte Amtsinhaberin Ellen Johnson Sirleaf Betrug im ersten Wahlgang vorgeworfen und seine Kandidatur deshalb zurückgezogen. Tubman, Chef des Kongresses für den Demokratischen Wandel (CDC), warf Sirleaf vor, «Staats- Ressourcen» für den Kauf von Stimmen genutzt zu haben.

Der 70-jährige Rechtsanwalt rief seine Landsleute zu einem Boykott des zweiten Durchgangs auf. Sein Name stand aber dennoch auf den Stimmzetteln.

Im ersten Wahlgang Mitte Oktober war die 72-Jährige Amtsinhaberin und Friedensnobelpreisträgerin Sirleaf auf 43,9 Prozent der Stimmen gekommen. Auf Tubman waren 32,7 Prozent entfallen. Internationale Wahlbeobachter hatten den Ablauf als «frei und transparent» eingeschätzt.

Niedrige Wahlbeteiligung

Etwa 1,7 Millionen Bürger sind wahlberechtigt. Wahrend in der ersten Runde die Wähler Schlange gestanden waren, schätzten Beobachter die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl in der Hauptstadt Monrovia auf etwa 30 Prozent.

«Es ist sehr ruhig», sagte Josephine Nimby von der liberischen Wahlkommission in einem Wahllokal in Claratown, einem Stadtteil in der Hauptstadt Monrovia. «Letztes Mal war es hier voll, und die Leute riefen, man solle sich beeilen. Heute ist hier niemand».

«Ich bin gekommen, um zu wählen, aber ich bin nicht glücklich über das, was gestern geschehen ist», sagte eine 39-jährige Wählerin. Am Montag waren bei Schiessereien zwischen Oppositionsanhängern und Polizei nach Angaben der Opposition bis zu vier Menschen getötet worden.

Die Proteste der Tubman-Anhänger hielten am Dienstag an. Rund tausend Menschen verbrachten die Nacht vor dem Sitz der CDC. «Sie haben beschlossen, uns zu töten, wir sind bereit zu sterben», sagte ein 21-jähriger Demonstrant.

Sender der Opposition geschlossen

Medienvertreter sagten, die Regierung habe mehrere oppositionsnahe Fernseh- und Radiosender vorübergehend geschlossen. Einige der betroffenen Sender gehören demnach dem Ex-Fussballer George Weah, der heute die Nummer zwei von Tubmans Partei CDC ist. Weah kündigte an, die «friedlichen» Demonstrationen würden fortgesetzt.

US-Präsident Barack Obama forderte, die Bürger Liberias sollten «frei von Angst» wählen können. Der historische Urnengang bedeute eine Chance, die Demokratie in Liberia zu stärken, hiess es in einer Erklärung des US-Präsidenten.

Das ehemalige Bürgerkriegsland Liberia ist zur Wahrung des Friedens weiterhin auf die Unterstützung der rund 8000 UNO-Soldaten im Land angewiesen. Die Präsidentschaftswahl zieht erhöhte internationale Aufmerksamkeit auf sich, weil Präsidentin Sirleaf in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält. (sda)

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