Aktualisiert 06.10.2007 11:38

Wahlchaos total in Pakistan

Begleitet von gewaltsamen Protesten und fast ohne Beteiligung der Opposition wurde in Pakistan über den künftigen Präsidenten abgestimmt. Staatlichen Medien zufolge wurde Amtsinhaber Pervez Musharraf wie erwartet mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt.

Das offizielle Ergebnis wird jedoch erst nach einer Gerichtsentscheidung über Klagen der Opposition gegen Musharrafs Kandidatur bekanntgegeben. Der Staatschef könnte dann von den Richtern noch als Kandidat disqualifiziert werden.

Die Richter hatten am Freitag einen Antrag der Opposition auf Wahlverschiebung abgelehnt, wollen jedoch noch Beschwerden gegen die Kandidatur Musharrafs prüfen. Nach Ansicht der Opposition konnte sich Musharraf nicht für weitere fünf Amtsjahre bewerben, solange er noch den Posten des Militärchefs innehabt.

Nach Angaben des staatlichen Fernsehens beteiligten sich am Samstag mehr als 690 Abgeordnete des Parlaments in Islamabad und in vier Provinzen an der Präsidentenwahl. Nur wenige Oppositionspolitiker gaben ihr Votum ab.

Vor der Provinzversammlung in Peshawar im Nordwesten des Landes kam es zu Zusammenstössen zwischen Abgeordneten und der Polizei. Die Musharraf-Gegner setzten ein Polizeifahrzeug in Brand, bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und verbrannten eine Puppe des Staatschefs. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Abgeordneten vor, drei Politiker und ein Polizist wurden verletzt. In Karachi setzte die Polizei nach Angaben eines Sprechers Tränengas gegen Regierungsgegner ein, es gab mehrere Festnahmen.

Vor dem Parlament in Islamabad waren zahlreiche Polizisten im Einsatz. Rund 20 Menschenrechtsaktivisten demonstrierten vor dem Gebäude gegen Musharraf. «Wir wollen nicht, dass die Welt denkt, dass das ein Land ohne Gewissen ist», sagte die Vorsitzende der Organisation Menschenrechtskommission von Pakistan, Asma Jehangir.

Musharrafs wichtigste Konkurrenten waren Wajihuddin Ahmed, ein ehemaliger Richter, und Makhdoom Amin Fahim, ein Berater der früheren Ministerpräsidentin Benazir Bhutto. Musharraf gewährte der im Exil lebenden Bhutto am Freitag Amnestie und machte damit den Weg für ein politisches Bündnis mit ihrer Partei frei.

Die Wahlkommission wollte sich zunächst nicht dazu äussern, ob die Abstimmung bei einer Disqualifizierung Musharrafs wiederholt werden oder ob der zweitplatzierte Kandidat zum Wahlsieger erklärt würde. Die Anhörungen zu den Klagen der Opposition soll am 17. Oktober fortgesetzt werden. Musharrafs derzeitige Amtszeit endet am 15. November. (dapd)

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