Wahlkrimi in Mexiko
Aktualisiert

Wahlkrimi in Mexiko

Die Präsidentschaftswahl vom Sonntag in Mexiko ist mit einem Patt zwischen dem Linkspolitiker Andrés Manuel López Obrador und dem konservativen Felipe Calderón ausgegangen. Das Ergebnis ging derart knapp aus, das von Hand nachgezählt werden muss.

Nach der am Montag vorliegenden elektronischen Auszählung von über 95 Prozent der Stimmen kam Calderón auf 36,48 Prozent, López Obrador auf 35,42 Prozent, und Roberto Madrazo von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI), die Mexiko mehr als 70 Jahre lang autoritär regiert hatte, erreichte 21,35 Prozent der Stimmen.

Die Nationale Wahlkommission (IFE) teilte mit, dass die Bekanntgabe des Resultats wegen der hauchdünnen Differenz der beiden Spitzenkandidaten auf das kommende Wochenende verschoben werde. López Obrador und Calderón reklamierten dennoch den Sieg auf Grund eigener Umfragen jeweils für sich.

Beide Kandidaten siegessicher

Die Entscheidung sei «unumkehrbar», sagte López Obrador vor tausenden von Anhängern seiner Partei der Demokratischen Revolution (PRD) auf dem Zócalo, dem zentralen Platz der Hauptstadt.

Der 43-jährige Calderón von der Partei der Nationalen Aktion (PAN) beanspruchte ebenfalls den Sieg: «Wir haben vom ersten Auszählungsergebnis an vorne gelegen», sagte der Kandidat am Sitz seiner Partei im Süden von Mexiko-Stadt.

Neuauszählung von Hand

Der Präsident des IFE, Luis Carlos Ugalde, sagte im Fernsehen, der Abstand zwischen den beiden führenden Bewerbern sei so knapp, dass sich keine klare Tendenz erkennen lasse. Deshalb müsse das Ergebnis der manuellen Überprüfung aller Wahllisten ab Mittwoch in den 300 Wahlbezirken abgewartet werden. Dieser Vorgang wird nach Angaben des IFE bis zum kommenden Sonntag dauern.

Präsident Vicente Fox, der selbst nicht erneut bei der Wahl antreten durfte, appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Er bat die Präsidentschaftskandidaten, die demokratischen Spielregeln zu beachten und auf die offizielle Bekanntgabe des Resultates durch die Wahlkommission zu warten.

Parlamentswahlen

Bei den ebenfalls am Sonntag abgehaltenen Parlamentswahlen liegt die Partei der Nationalen Aktion (PAN) nach dem Stand der elektronischen Auszählung vom Montag in Führung. Sie erzielte rund 37 Prozent der Stimmen, gefolgt von der López-Partei (PRD), die 32 Prozent erhielt. Die PRI von Roberto Madrazo kam auf 22 Prozent der Wählerstimmen.

Damit ist sehr wahrscheinlich, dass die Opposition jeweils stark genug sein wird, um die Regierungspolitik zu blockieren.

Bei den Bürgermeisterwahlen in Mexiko-Stadt siegte der Kandidat der PRD von López Obrador, Marcelo Ebrard. Bei den Gouverneurswahlen in den drei Bundesstaaten Jalisco, Morelos und Guanajuato waren die Kandidaten der PAN erfolgreich.

59 Prozent Wahlbeteiligung

Rund 71 Millionen Mexikaner waren am Sonntag zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 59 Prozent. Der neue Präsident tritt sein Amt am 1. Dezember an. Fox, der wie Calderón der PAN angehört, konnte nach sechs Jahren im Amt nicht mehr kandidieren. (sda)

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