Experte äussert sich zum Seilbahn-Unfall in Laax GR
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Seilbahn-Zwischenfall«Wahrscheinlich war das Gesamtgewicht des Fahrzeugs zu gross»

Eine Seilbahn in Laax GR hing zu tief und streifte die Bäume. Jetzt wurde eine Untersuchung eröffnet. Gemäss einem Experten gibt es zur Vermeidung von Übergewicht klare Weisungen.

von
Leo Butie
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In Laax GR kam es am Mittwochnachmittag zu einem Zwischenfall mit einer Seilbahn. Wegen einer angehängten Last war die Gondel offenbar zu tief unterwegs.

In Laax GR kam es am Mittwochnachmittag zu einem Zwischenfall mit einer Seilbahn. Wegen einer angehängten Last war die Gondel offenbar zu tief unterwegs.

Nicholas Illiano
«Die Gondel war entweder überladen oder das Seil war nicht richtig gespannt», sagt ein News-Scout, der anonym bleiben möchte.

«Die Gondel war entweder überladen oder das Seil war nicht richtig gespannt», sagt ein News-Scout, der anonym bleiben möchte.

20Min-Community
Offenbar wog die an Stahlseilen angehängte Transportlast zu viel, weshalb die Last an einer Stelle mit niedriger Überfahrtshöhe den Boden touchierte.

Offenbar wog die an Stahlseilen angehängte Transportlast zu viel, weshalb die Last an einer Stelle mit niedriger Überfahrtshöhe den Boden touchierte.

Philipp Ruggli

Darum gehts

  • In Laax touchierte die Unterlast der Seilbahn mehrere Bäume sowie den Boden.

  • Eine Person wurde dabei leicht am Finger verletzt.

  • Gemäss einem Experten gibt es klare Regelungen, wie schwer die Gesamtlast einer Gondel sein darf.

  • Die Gefahr eines Seilrisses bestand nicht.

  • Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) sowie die Staatsanwaltschaft Graubünden treffen nun Abklärungen zum Unfallhergang.

In Laax GR kam es am Mittwochnachmittag zu einem Zwischenfall mit einer Seilbahngondel, als diese zusammen mit Passagieren und Passagierinnen eine Last bergwärts transportierte. Offenbar war die Last zu schwer, denn die Gondel streifte während der Fahrt mehrere Bäume und touchierte schliesslich sogar den Boden, worauf der Gondelführer eine Notbremsung einleitete und die Fahrt abbrach. Mehrere Personen fielen daraufhin zu Boden, wobei eine Frau leicht am Finger verletzt wurde.
Wie es genau zu diesem Zwischenfall kommen konnte, ist noch unklar. Gemäss Sascha Kunz, Untersuchungsleiter bei der Schweizerischen Untersuchungsstelle, werden derzeit Vorabklärungen gemacht, bevor die Entscheidung getroffen wird, eine Untersuchung einzuleiten. «Wir stehen momentan in Kontakt mit der Kantonspolizei sowie mit dem Unternehmen», sagt Kunz auf Anfrage von 20 Minuten.

Klare Regelungen

Gemäss Seilbahningenieur Reto Canale gibt es klare Vorgaben für den Transport von sogenannten Unterlasten, also zusätzlicher Fracht unter der Personenkabine. «Das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs muss auch bei Unterlasten eingehalten werden», sagt Canale. Im Fahrzeug sind Sensoren eingebaut, die das Gewicht der Zuladung inklusive Unterlast messen. «In der Kabine ist dann ersichtlich, wenn das Maximalgewicht überschritten wird. Dieses Signal kann jedoch manuell überbrückt werden», erklärt Canale.

Bei der Planung einer Seilbahn wird auch das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge definiert. «In der Seilberechnung und der Festlegung der Dimensionen der Stützen und Stationen werden verschiedene Faktoren berücksichtigt wie das Gewicht von Fahrzeugen und Seilen, der Geländeverlauf und die erforderliche Bodenfreiheit», so Canale. Warum es zur Kollision mit dem Gelände kam, kann verschiedene Ursachen haben. «Am wahrscheinlichsten war das Gesamtgewicht des Fahrzeugs zu gross. Es können jedoch auch noch zusätzliche Faktoren mitgespielt haben», meint der Experte.

Überraschend sei, dass man auf den Bildern erkennt, dass nicht nur der Schnee, sondern auch Dreck durch die Unterlast weggeschoben wurde. «Normalerweise wird bei der Planung auch eine bestimmte Schneedecke mitberücksichtigt. Dass die Unterlast trotzdem den Boden touchieren konnte, kann durch eine zu geringe Bodenfreiheit an der fraglichen Stelle, eine ungenügende Beachtung der Dimensionen der Unterlast oder eine grössere Überschreitung der Nutzlast verursacht worden sein», sagt Canale.

Gefahr eines Seilrisses ist fast inexistent

Die Gefahr eines Seilrisses, wie dies beim Unfall in Stresa erfolgte, sei auch bei Überladung praktisch inexistent. «Bei den Seilen gibt es grosse Sicherheitsfaktoren. Sogar bei einer vierfachen Kraft in den Zugseilen würden diese nicht reissen», so Canale. Mit den Seilen habe man viel Erfahrung. Die systematischen, lückenlosen Kontrollen gewährleisteten zusammen mit der idealen Verflechtung der Drähte eine sehr hohe Sicherheit.

Auf Anfrage lässt die Medienstelle Laax verlauten, dass derzeit untersucht werde, wie es zur Überladung der Gondel kommen konnte. Es können daher zurzeit keine genaueren Angaben gemacht werden. Laut Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, werden nun Abklärungen zum Unfallhergang vorgenommen. Man stehe mit der SUST sowie mit der Staatsanwaltschaft Graubünden, die ebenfalls Vorabklärungen trifft, in Kontakt.

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