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BernWaldhippies droht Knast – die Juso ist verärgert

Weil vier Aussteiger im Berner Bremgartenwald ihre Zelte aufgeschlagen haben, müssen sie mit einer Haftstrafe rechnen. Linke Politiker hinterfragen dieses Vorgehen.

von
miw
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Tinu (45) ist einer der Waldbewohner. Der gelernte Bereiter kam mit dem System nicht mehr klar.

Tinu (45) ist einer der Waldbewohner. Der gelernte Bereiter kam mit dem System nicht mehr klar.

Adrian Moser/Der Bund
Mitbewohner Withold (23) kann es sich nicht mehr vorstellen, ausserhalb des Waldes zu leben.

Mitbewohner Withold (23) kann es sich nicht mehr vorstellen, ausserhalb des Waldes zu leben.

Adrian Moser/Der Bund
Seit zwei Jahren existiert das Camp - seither kamen neue Bewohner hinzu.

Seit zwei Jahren existiert das Camp - seither kamen neue Bewohner hinzu.

Sie wollen fernab der Zivilisation ihr Leben führen: Die Berner Waldmenschen Mättu, Witold, Chrütli und Ante leben seit mehrern Monaten im Berner Bremgartenwald. Weil sie ohne behördliche Bewilligung auf dem Waldboden der Burgergemeinde Bern ein Camp einrichteten, haben sie nun einen Strafbefehl erhalten. 800 Franken Busse oder acht Tage Gefängnis drohen den Aussteigern nun. Für Chrütli und Co. ist klar: «Dann gehen wir halt alle zusammen in eine Zelle.»

Nicht alle nehmen die Ansage der Justiz so gelassen: Die Juso Stadt Bern hat sich mit Bedenken an die Öffentlichkeit gewandt. Das Vorgehen sei «lächerlich und absurd», heisst es vonseiten der Partei. Eine Gefängnisstrafe von wenigen Tagen würde die Aussteiger zudem nicht davon abhalten, ihren Lebensstil weiterzuführen. «Wieso sollte ihnen dies auch verweigert werden?», fragen sie sich ganz grundsätzlich. Sie würden weder Lärm machen noch den Wald verschmutzen, der Bremgartenwald sei zu ihrem Zuhause abseits aller gesellschaftlichen Zwänge geworden. Dass man das Quartett auf dem Boden der Burgergemeinde nicht dulde, gebe ihnen zu denken. Und so fordern die jungen Politiker die Enteignung der Burgergemeinde ohne Entschädigung. «Wir wollen eine Stadt, die für alle Platz hat.»

Burgergemeinde weist Schuld zurück

Bei der Burgergemeinde sei man nicht aktiv gegen die Waldmenschen vorgegangen. «Von unserer Seite wurde nie Anzeige erstattet und wir haben keine rechtlichen Schritte gegen die Waldbewohner eingeleitet um sie aus dem Wald zu verweisen», sagt Stefanie Gerber von der Burgergemeinde Bern. Das Amt für Wald des Kantons Bern hatte im April die Aussteiger angezeigt – allerdings auf Druck der Burgergemeinde Bern. Gerber meint: «Es muss eine allgemeine Lösung gefunden werden, wie man mit illegalen Waldnutzungen umzugehen hat.» Zur Forderung der Juso will die Burgergemeinde keine Stellung nehmen.

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