Verirrter Vogel: Waldrapp Shorty flog absichtlich in die Schweiz
Aktualisiert

Verirrter VogelWaldrapp Shorty flog absichtlich in die Schweiz

Statt in die Toskana ist Shorty diesen Herbst erneut in die Schweiz geflogen. Diesmal wird man nicht versuchen, die Waldrapp-Dame einzufangen. Shorty darf hier bleiben.

von
ann

Waldrapp-Weibchen Shorty ist wie im Jahr 2012 in der Schweiz hängen geblieben. Derzeit befindet es sich in Uzwil. Diesmal hat sich der Vogel, dessen Art akut vom Aussterben bedroht ist, laut dem österreichischen Waldrappteam aber nicht beim Flug nach Italien verirrt. Vielmehr ist sie wohl aus freien Stücken in unser Land gekommen. «Die Anziehungskraft der Schweiz war für Shorty offenbar zu gross», sagt Teamleiter Johannes Fritz zu 20 Minuten.

Die Änderung der Flugroute kam für das Team nicht ganz überraschend. Man hatte schon damit gerechnet und erwogen, den Vogel wie im vergangenen Jahr mit dem Auto in die Toskana zu fahren. «Wir befürchteten, ein Teil der Jungvögel könnte sich Shorty anschliessen und mit ihr in die Schweiz fliegen», sagt Fritz. Jetzt sei man erleichtert, dass sie allein abgebogen sei.

Keine Einfangaktion mehr

Shorty war anfangs mit zwei weiteren Waldrappen auf dem Weg ins Winterquartier. Sie flogen durchs Inntal. Als die zwei Vögel bei der Einmündung des Zillertals nach Süden abbogen, flog Shorty weiter ins Oberinntal und in die Schweiz.

Noch hofft das Team, dass Shorty sich besinnt und um die Alpen herum in die Toskana fliegt. «Wir gehen davon aus, dass sie das Winterquartier nun kennt und allein dorthin findet.» Es könnte aber sein, dass für Shorty die Schweiz als Winterquartier gelte. Dann werde sie sich wohl wieder an den Zugersee begeben, wo sie schon 2012 den Winter in der Gesellschaft von Gänsen überstanden hat.

Die Schweiz als Winterquartier hat laut dem Waldrappteam zwar keine Zukunft, weil dort das Risiko bestehe, durch Futtermangel und Kälte umzukommen. Eine Einfangaktion wie vor zwei Jahren werde es aber nicht mehr geben. «Aufgrund ihrer Erfahrung hat Shorty gute Chancen, den Winter am Zugersee wieder zu überleben», sagt Fritz. Ausserdem komme das Schweizer Voralpenland in Zukunft als Brutgebiet im Sommer in Betracht. Fritz: «Dafür ist Shorty schon jetzt zum Wegbereiter geworden.»

Schon den Winter 2012/2013 verbrachte Shorty in der Schweiz. Dieses Video vom Januar 2013 zeigt den Vogel bei der Futtersuche in Uerzlikon ZH:

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