Google-Vermögen: Wall Street goes West
Aktualisiert

Google-VermögenWall Street goes West

In einer Etage am Hauptsitz von Google in Mountain View, Kalifornien, arbeiten Spezialisten an einem neuen Produkt. Im Zentrum steht nicht Software, sondern Geld.

von
scc
Google sucht Banker

Google sucht Banker

Manager sind geldgierig; Google auch. Zahlreiche Mitarbeiter haben von Goldman Sachs, JP Morgan Chase und anderen Finanzdienstleistern zum Suchmaschinenbetreiber Google gewechselt. Seit Januar dieses Jahres hat die Google-eigene Handelsabteilung für Wertschriften laut «BusinessWeek» um 30 Händler aufgestockt. Ziel der Google-Banker: Die eigene Liquidität von annähernd 27 Milliarden Dollar besser zu bewirtschaften als die Konkurrenz. Vor vier Jahren betrug der Bargeldbestand noch 11 Milliarden. Das ist aber nicht der Verdienst der Banker, sondern jener der Werbeverkäufe über die Suchmaschine.

Vor wenigen Jahren hätten die Wallstreet-Banker noch die Nase gerümpft über den Job bei Google. Doch die Zeiten ändern sich. Mittlerweile gehören die Angestellten an der Wall Street zur meistgehassten Berufsgattung in Amerika. Bei Google hingegen können Sie in eine Zukunftsbranche wechseln. Und der Arbeitsalltag wird den Ex-Bankern durch Kletterwände, Massagestühle und weitere Annehmlichkeiten versüsst.

Teure Google-Strategie

Google sucht noch weitere Experten: Auf der Unternehmens-Website sind Stellen für einen Obligationen-Händler, einen Risk-Manager und einen Portfolio-Analysten für Hypotheken-besicherte Anleihen ausgeschrieben. Die weltgrösste Suchmaschine betreibt eine aktive Anlagestrategie, das heisst, die Banker versuchen mit Wetten auf einzelne Titel und Branchen den Gesamtmarkt zu übertrumpfen. Historische Vergleiche zeigen aber, dass dies in den meisten Fällen nicht funktioniert. Eine derartige Strategie kostet zudem mehr Geld als «passiv» die Marktindizes nachzubilden.

Tüftelt Google an Banker-Software?

Vielleicht sucht Google auch etwas ganz anders als eine hohe Rendite – nämliche eine neue Software für die globale Vermögensverwaltung. «BusinessWeek» zitiert einen Unternehmensberater, die meisten Vermögensverwalter arbeiteten mit einem Software-Mischmasch: Zahlen müssten manuell in Excel-Tabellen eingefüllt werden und Fremdwährungen für Analysetools umgerechnet werden. Die Google-Händler hätten dank einer eigenen verwobenen Software einen Handelsvorteil. Eventuell will Google dieses Produkt später der globalen Finanzindustrie verkaufen.

Wall-Street-Profis, die von Manhatten ins Silicon Valley umziehen, müssen sich aber umgewöhnen. Zuerst müssen sie sich ans neue Firmenmotto «Don't be evil» (Sei nicht böse) gewöhnen. Aber auch bei Lohn und Bonus müssen die Banker Abstriche machen. Dafür haben sie in Kalifornien aber mehr Sonne als in den Stassenschluchten New Yorks und einen Arbeitgeber, der keine Staatshilfe braucht.

Deine Meinung