Obligatorischer Aufklärungsunterricht: Wallis erklärt Flüchtlingen die weibliche Lust
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Obligatorischer AufklärungsunterrichtWallis erklärt Flüchtlingen die weibliche Lust

Junge Migranten sind häufig kaum aufgeklärt, das Unwissen über Sexualität ist teilweise dramatisch. Für die Kantone ist Aufklärung Privatsache – nur einer geht einen anderen Weg.

von
bee
Aufklärungsunterricht für Flüchtlinge ist im Kanton Wallis obligatorisch. (Im Bild: Informationstag für die Bevölkerung im Bundesasylzentrum Glaubenberg.)

Aufklärungsunterricht für Flüchtlinge ist im Kanton Wallis obligatorisch. (Im Bild: Informationstag für die Bevölkerung im Bundesasylzentrum Glaubenberg.)

Keystone/Alexandra Wey/Symbol

Sexualität ist für viele Flüchtlinge ein Buch mit sieben Siegeln. Junge erwachsene Migranten sind meist unaufgeklärt, weil Sex in ihren Herkunftsländern tabuisiert wird. Doch Sexualkunde gehört in der Schweiz nicht standardmässig zum Intergrationsprogramm – wie etwa Sprachkurse oder die Aufklärung über Rechte und Verbote.

Bei der Begründung gegenüber der «SonntagsZeitung» winden sich die zuständigen Behörden: Sexualität sei Privatsache und nicht alle Flüchtlinge hätten diesbezüglich das gleiche Bedürfnis.

Fragen, wie sie bei uns 14-Jährige haben

Im Kanton Wallis ist man mutiger. Dort sind Sexualkundekurse für alle Flüchtlinge Pflicht. Sexualberaterin Jacqueline Fellay-Jordan leitet in Sion die Aufklärungskurse für Migranten aus Afghanistan, Syrien, Iran oder Eritrea, denn alle Flüchtlinge, die im Kanton Wallis leben, müssen solche Kurse obligatorisch besuchen.

Dabei zeigt sich, dass das sexuelle Unwissen teilweise dramatisch ist. Erwachsene junge Männer – die grösste Gruppe unter den Flüchtlingen – stellen Fragen, die bei uns 14-Jährige umtreiben: Warum habe ich am Morgen eine Erektion? Wird man vom Küssen schwanger? Kommen meine Kinder behindert zur Welt, wenn ich masturbiere? «Wo viel Unwissen ist, gibt es viele Mythen», sagt Fellay-Jordan der Zeitung. Und genau hier muss die 54-Jährige ansetzen.

«Klar werden einige rot»

So wird der männliche Körper anhand eines Penismodells erörtert. Auch der weibliche wird unter die Lupe genommen: Die Fachfrau erklärt, wie Befruchtung geht, wie Babys entstehen und wo die Vagina ist. Und auch die weibliche Lust wird bei einer Stimulation der Klitoris untersucht. «Klar werden einige rot, für die meisten ist es komplettes Neuland, aber wir lachen auch viel», sagt Fellay-Jordan der «SonntagsZeitung».

Die Erfahrungen aus dem Wallis sind indes äusserst positiv, denn viele Flüchtlinge haben es schwer. «Einerseits haben sie sexuelle Bedürfnisse, andererseits fürchten sie sich um ihren Ruf», erklärt die Sexualberaterin. So soll ihnen eine Hilfe geboten werden – und gleichzeitig durch das Beratungsangebot öffentliche Konflikte zwischen Männern und Frauen vermieden werden.

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