Aktualisiert 14.07.2009 21:04

Tour de France in der SchweizWallis hofft auf weltweiten Werbe-Effekt

Am kommenden Wochenende hält sich das grösste Radrennen der Welt für drei Tage im Wallis auf. Die Bilder von Lance Armstrong & Co. sind in 186 Ländern zu sehen – und sollen der Region künftig mehr Besucher bescheren.

von
Sandro Spaeth

Die 15. Etappe der Tour de France endet am Sonntag in Verbier. Schon verschiedentlich hat der Tross die Schweiz besucht, letztmals im Jahr 2000 die Stadt Lausanne. Wenn sich Contador, Klöden und Armstrong am Schluss der in Pontarlier (F) gestarteten Etappe die 700 Höhenmeter und 8,5 Kilometer nach Verbier hinaufquälen, hofft Pierre-Yves Délèze von Verbier-Tourismus auf Sonnenschein. «Bei gutem Wetter werden 100 000 Zuschauer in die Region kommen.»

Mehrere Tausend Übernachtungen

Die Tour wird gleich drei Tage im Wallis gastieren. Am Montag ist für die Fahrer Ruhetag angesagt, am Dienstag fährt der Tross von Martigny aus über den 2473 Meter hohen Grossen-St-Bernhard-Pass wieder Richtung Frankreich. Für die gesamte Region ist die Tour de France ein Segen: «Wir gehen davon aus, dass viele Leute für mehrere Tage in der Region übernachten, einkaufen und essen werden», sagt Délèze. Die Zahl der Hotelübernachtungen schätzt der Touristiker für die gesamte Gegend auf mehrere Tausend. «Wegen des gleichzeitig mit der Tour stattfindenden Musikfestivals werden die 1200 Hotelbetten in Verbier restlos ausgebucht sein.»

450 000 Franken an Organisator

Der insgesamt 4000 Personen umfassende Tross – bestehend aus Fahrern, Betreuern, Mechanikern, Presseleuten und Technikern – kommt aber nicht gratis ins Wallis. Dem Tour-de-France-Veranstalter ASO mussten fürs Schweizer Gastspiel laut Délèze 450 000 Franken bezahlt werden. Dagegen ist der Betrag, der Bern als Austragungsort des letzten Teilstücks der Tour de Suisse zu bezahlen hat, bescheiden: Gut informierte Kreise sprechen von einer Summe von 70 000 Franken. Das Budget zusammenzubringen war für Délèze kein Problem: «Alle Gemeinden zwischen Martigny und Verbier, aber auch Vully und Saxon haben ihren Teil dazu beigetragen.» Die gesamte Region sei sich der Bedeutung des Anlasses bewusst.

Längerfristig mehr Besucher erwartet

Hohe Kosten für eine von der Tour-Organisation verlangte Infrastruktur muss Verbier nicht fürchten. «Wir müssen lediglich ein Medienzelt mit 500 Arbeitsplätzen aufbauen und viel Platz zur Verfügung stellen.» Die Tour de France bringe ihre eigene Infrastruktur mit. Längerfristig rechnet Verbier-Tourismus wegen des grössten Radrennens der Welt mit mehr Besuchern: «Die TV-Bilder, die neben dem Renngeschehen auch die Landschaft zeigen, werden Lust auf Ferien in unserer Region machen», sagt Délèze. Zudem würden laut einer Statistik des Tour-Veranstalters ASO viele extra wegen des Rennens angereiste Zuschauer die Gegend erneut besuchen.

Vergängliche Medienpräsenz

Dass es sich lohnen kann, Etappenort eines grossen Radrennens zu sein, weiss auch Tourismusprofessor Hansruedi Müller von der Uni Bern. «Die Live-Zuschauer und der Tross bringen Umsatz für die Hotellerie und den Detailhandel.» Zudem gäbe es durch die Verbreitung der TV-Bilder in die ganze Welt einen Image-Effekt. Müller: «Die Medienpräsenz ist aber vergänglich. Die Zuschauer können sich wegen der medialen Bildüberflutung nicht immer merken, wo die Tour genau gastierte.» Eine exakte Kosten-Nutzen-Rechnung für Etappenorte von Radrennen hat Müller bisher keine gemacht.

Lauberhornrennen: 11 Millionen Franken Wertschöpfung

Genaue Zahlen für die Wertschöpfung eines Sportanlasses gibt es vom Skiort Wengen. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 haben die Lauberhornrennen in der Region 31 000 Logiernächte generiert sowie 3,9 Millionen Franken Bruttowertschöpfung für die Region und 11 Millionen Franken für die Schweiz ausgelöst - pro Jahr. Zudem erziele der Anlass für das Wintersportland Schweiz und speziell für Wengen und die Region eine grosse Werbewirkung.

Keine Angst vor Schweinegrippe

In Verbier stehen die Zeichen derzeit auf Rad- und nicht auf Skisport. Neben den Vorbereitungen für die Tour de France hat der Kurort aber noch mit anderen Problemen zu kämpfen: In einem Ferienlager sind 14 Jugendliche an der Schweinegrippe erkrankt, worauf das Lager isoliert wurde (20 Minuten Online berichtete). Die Organisatoren der Etappenankunft sind aber nicht besorgt. «Sorge, wozu? Die in solchen Situationen nötigen Massnahmen wurden getroffen», so Délèze.

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