Trotz Kerzen gegen Frost - Walliser Aprikosenbauern verlieren 70 Prozent ihrer Ernte
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Trotz Kerzen gegen FrostWalliser Aprikosenbauern verlieren 70 Prozent ihrer Ernte

Die Folgen der vielen Frostnächte im April sind noch schwer absehbar. Besonders hart trifft es aber die Aprikosenbauern im Wallis, wo 95 Prozent aller Schweizer Aprikosen herkommen.

von
Lucas Orellano
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95 Prozent der Schweizer Aprikosen kommen aus dem Wallis. Das sind 50 Prozent der Aprikosen, die in der Schweiz konsumiert werden.

95 Prozent der Schweizer Aprikosen kommen aus dem Wallis. Das sind 50 Prozent der Aprikosen, die in der Schweiz konsumiert werden.

Swissfruit
Für 2021 wird mit einer Produktionseinbusse von 70 Prozent gerechnet.

Für 2021 wird mit einer Produktionseinbusse von 70 Prozent gerechnet.

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Darum gehts

  • Eine Umfrage von Swissfruit zeigt, dass bei vielen Obstbäumen Frostschäden aufgetreten sind.

  • Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede. Hart getroffen hat es die Walliser Aprikosenbauern.

  • Wegen der Hanglage ist dort der Frostschutz schwierig.

Im April wurde es in der Schweiz vielerorts immer wieder frostig kalt. So wie beispielsweise in der Nacht auf den 6. April mit bis zu minus 8 Grad. Darunter leiden besonders die Obstbäume. Wie der Schweizer Obstverband in einer Medienmitteilung schreibt, haben die vielen Frostnächte bei verschiedenen Kulturen Schäden hinterlassen, die derzeit noch kaum zu beziffern sind.

Eine erste Umfrage des Verbandes zeigt aber, dass bei Kirschen, Aprikosen, Frühzwetschgen, Birnen und Äpfeln grosse Schäden aufgetreten sind. Dies, obwohl die Obstproduzenten grosse Anstrengungen unternahmen, um die Fruchtblüten zu schützen: Sie setzten Kerzen ein, schlossen Plastikabdeckungen und beheizten ihre Anlagen. Am verbreitetsten ist das Verwenden von Bewässerungsanlagen, damit sich Eispanzer um die Obstblüten bilden. Doch Schneefall und starke Winde erschwerten die Massnahmen.

Die Unterschiede zwischen den Regionen und einzelnen Betrieben sind gross. «Wir haben in allen Regionen gewisse Schäden. In den Kantonen Luzern und Aargau gibt es beispielsweise Betriebe, die sehr stark betroffen sind, und Produzenten ein paar Kilometer weiter quasi gar nicht», sagt Mediensprecherin Beatrice Rüttimann vom Schweizer Obstverband auf Anfrage von 20 Minuten.

Wind und Schneefall waren Schuld

Besonders hart traf es den Kanton Wallis. «In den Hanglagen ist es nicht möglich, Überkronenbewässerungen einzurichten», sagt Rüttimann. «Das Wärmen mit Kerzen war aufgrund der Winde nicht möglich. Mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, starkem Wind und anschliessendem Schneefall war der einwandfreie Einsatz der verschiedenen Bekämpfungsmethoden erschwert.»

Der erwartete Verlust bei den Aprikosen wird auf rund 70 Prozent geschätzt. Im langjährigen Durchschnitt produzieren die Walliser Aprikosenbäume 8200 Tonnen Aprikosen – das sind 95 Prozent der Schweizer Produktion und 50 Prozent des Schweizer Konsums.

Droht der Schweiz nun ein Aprikosen-Engpass?

«Nein», sagt Rüttimann. «Das sind natürlich beträchtliche Zahlen, aber für Konsumentinnen und Konsumenten wird sich insofern wenig ändern, als dass der Wegfall aus der Schweizer Produktion durch Importe kompensiert wird.» Dass die Mehrkosten durch die Schutzmassnahmen oder die zusätzlichen Importe zu einer Preiszunahme in den Läden führen, damit sei nicht zu rechnen.

Es kann noch nicht gesagt werden, wie gross die Ausfälle am Ende tatsächlich sein werden: «Wichtig ist, wir sind allgemein noch nicht safe. Die Zahlen sind eine Zwischenbilanz, es kann bis Mitte Mai noch Frosttage geben. Eine endgültige Beurteilung der Schäden wird erst in den nächsten Wochen möglich sein.»

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