Für 160'100 Fr gekauft: Walliser gibt «VS 1» dem Kanton zurück – gratis

Aktualisiert

Für 160'100 Fr gekauftWalliser gibt «VS 1» dem Kanton zurück – gratis

Otto Ruppen und der Kanton Wallis haben über sechs Jahre lang gestritten. Aus Protest kaufte der Unternehmer das Autoschild «VS 1» für 160'100 Franken. Nun gabs eine Aussöhnung.

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Wie Unternehmer Otto Ruppen sagt, wird er das für 160'100 Franken gekaufte Kontrollschild wieder dem Kanton Wallis geben. Am Montag hatte Leser-Reporter E. K. (21) aus Visp VS das Nummernschild «VS 1» an einem Lexus entdeckt, als er über Mittag in Stalden VS unterwegs war.

Wie Unternehmer Otto Ruppen sagt, wird er das für 160'100 Franken gekaufte Kontrollschild wieder dem Kanton Wallis geben. Am Montag hatte Leser-Reporter E. K. (21) aus Visp VS das Nummernschild «VS 1» an einem Lexus entdeckt, als er über Mittag in Stalden VS unterwegs war.

Leser-Reporter
Otto Ruppen hatte das Nummernschild nur aus Protest ersteigert – und auf einem Mahnmal vor seiner Ruppen Bau und Transport AG in Stalden montiert.

Otto Ruppen hatte das Nummernschild nur aus Protest ersteigert – und auf einem Mahnmal vor seiner Ruppen Bau und Transport AG in Stalden montiert.

Keystone/Dominic Steinmann
Die fünf Meter hohe Stahlkonstruktion mit Walliser Wappen und integriertem «VS 1»-Kennzeichen wurde schnell zu einem beliebten Fotosujet.

Die fünf Meter hohe Stahlkonstruktion mit Walliser Wappen und integriertem «VS 1»-Kennzeichen wurde schnell zu einem beliebten Fotosujet.

Keystone/Dominic Steinmann

Im Frühjahr blätterte Otto Ruppen für das Autokennzeichen «VS 1» stolze 160'100 Franken hin. Es war eine Protestaktion: Statt das Nummernschild an seinem Auto anzubringen, erstellte er damit ein Mahnmal gegen den Kanton Wallis vor seinem Firmensitz in Stalden. Die fünf Meter hohe Stahlkonstruktion mit Walliser Wappen und integriertem «VS 1»-Kennzeichen wurde schnell zu einem beliebten Fotosujet.

Mit diesen Aktionen wollte Ruppen die Öffentlichkeit auf einen Missstand aufmerksam machen: Seit sechs Jahren lagen sich der Unternehmer und der Kanton Wallis in den Haaren. Der Auslöser: ein 1,5 Millionen teurer Salzsilo, den die Behörden im Industriegebiet von Stalden platzieren wollten, wo auch die Betonanlage von Ruppen steht. Gemäss dem Unternehmer hätte dies den Betrieb so stark eingeschränkt, dass er sogar über eine Schliessung hätte nachdenken müssen.

Lösung gefunden, die beiden Seiten passt

Wie der «Walliser Bote» schreibt, konnten die beiden Parteien inzwischen eine Lösung finden, die für beide zufriedenstellend ist. «Die Parteien haben sich an einen Tisch gesetzt, und es konnte eine gute Lösung für beide Seiten gefunden werden», sagt Ruppen. Ähnlich sieht man das beim Kanton, wie Vincent Pellissier, Chef der Dienststelle für Strassenbau, sagt. «Wir haben effektiv eine intelligente Lösung für beide Seiten gefunden. Sie berücksichtigt einerseits die Interessen des Kantons, andererseits erlaubt sie es der Ruppen AG, ohne Einschränkungen auf dem Firmengelände zu arbeiten.»

Wie Pellissier der Zeitung weiter erklärt, habe man mit der Ruppen AG entschieden, dass diese die Restparzelle des Kantons, wo der Salzsilo aufgestellt werden sollte, bis zum definitiven Verkauf pachten kann. Den neuen Standort des Salzsilos will Pellissier nicht bekanntgeben.

Autonummer soll erneut versteigert werden

Ruppen sagt zu 20 Minuten, er sei insgesamt zufrieden, wie alles gelaufen sei. «Es war eine zu 100 Prozent erfolgreiche Aktion, die am Schluss für beide Seiten sehr gut endete und jeden Franken wert war.» Weiter gibt er an, dass er dem Kanton Wallis das 160'100 Franken teure Kontrollschild gratis zurückgeben wird, damit dieser es wieder versteigern und so die leere Staatskasse füllen kann.

«Ich werde dies aber erst dann tun, wenn die ganze Sache abgeschlossen ist und der rechtsgültige Verkaufsakt auf meinem Tisch liegt», sagt Ruppen. Denn: «Die Frist läuft erst Ende 2018 ab – es kann noch viel geschehen.» Bis dahin bestehe immer noch die Möglichkeit, sein Mahnmal kostenlos auszuleihen: «Personen, die Schwierigkeiten mit den Behörden haben, können sich gern an mich wenden», so Ruppen. Es gebe bereits einige Anfragen.

«VS 1» nur selten zu sehen

Weiter gibt Ruppen an, dass er das Kontrollschild auch weiterhin nicht an sein Auto anbringen wird, obwohl er das Mahnmal abmontiert hat. «Ausser ich muss mit dem Betriebsauto zu einer technischen Kontrolle wie letzte Woche», erklärt der Unternehmer.

Letzten Montag hat Leser-Reporter E. K.* (21) aus Visp VS das Nummernschild «VS 1» an einem Lexus entdeckt, als er über Mittag in Stalden unterwegs war. K. sagte zu 20 Minuten: «Ich war überrascht, es an einem Auto zu sehen, weil es ja hiess, dass der Besitzer dieses als Mahnmal aufstellen wolle.» Zudem fand er es «komisch, dass ein so teures Autokennzeichen an so einem billigen Auto hängt».

* Name der Redaktion bekannt.

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