«Normalität geworden»: Walliser Polizei macht schockierende Sexting-Fälle von Kindern öffentlich

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«Normalität geworden»Walliser Polizei macht schockierende Sexting-Fälle von Kindern öffentlich

Die Kantonspolizei Wallis verzeichnet einen starken Anstieg an Sexting. Besonders seit der Corona-Pandemie hat die Zahl stark zugenommen. Betroffen sind vorwiegend Jugendliche.

von
Zoé Stoller
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Mit diesem Comic warnt die Kantonspolizei Wallis vor dem Verschicken von Nudes.

Mit diesem Comic warnt die Kantonspolizei Wallis vor dem Verschicken von Nudes.

Die Zahl der Pornografie hat stark zugenommen. Besonders seit der Corona-Pandemie verschicken Jugendliche vermehrt Nacktfotos.

Die Zahl der Pornografie hat stark zugenommen. Besonders seit der Corona-Pandemie verschicken Jugendliche vermehrt Nacktfotos.

Getty Images/iStockphoto
Die Kantonspolizei Wallis will die Bevölkerung darauf sensibilisieren.

Die Kantonspolizei Wallis will die Bevölkerung darauf sensibilisieren.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

Weil immer mehr Jugendliche Nacktbilder verschicken, will die Walliser Kantonspolizei nun die Bevölkerung darauf sensibilisieren. Seit Smartphones sogar für Kinder zugänglich seien, werde das sogenannte Sexting zum Alltag. «Die Liebe von Teenagern wird heute oft zunächst virtuell ausgelebt und der Austausch von Sexting/Nudes ist zur Normalität geworden», wie die Walliser Kantonspolizei in einer Medienmitteilung schreibt.

Beim Sexting fotografieren sich Nutzerinnen und Nutzer nackt oder filmen ihre Sexualpraktiken. Die Aufnahmen schicken sie danach ihren Partnerinnen und Partnern oder an Freundinnen und Freunde. «Leider werden diese vertrauensvoll übermittelten Aufnahmen in vielen Fällen über Messenger und soziale Netzwerke weitergegeben», so die Kantonspolizei Wallis. «Diese kinderpornografischen Inhalte sind dann für alle zugänglich und können für immer im Internet verbreitet werden.»

Tendenz seit der Pandemie steigend

Die Zahl der gemeldeten Fälle von Missbrauch von pornografischen Inhalte sei steigend, wie eine Sprecherin der Kantonspolizei Wallis auf Anfrage sagt. «Diese sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten Fälle werden gar nicht erst gemeldet, weil sich die Leute dafür schämen.»

Seit der Corona-Pandemie sei die Tendenz jedoch stark steigend. «Die Jugendliche haben besonders seit den Lockdowns vermehrt Pornografie verschickt. Weil man sich nicht viel sehen konnte, hat man die Bedürfnisse auf diese Art gestillt», sagt die Sprecherin weiter.

Fünfjähriges Mädchen verschickte Nacktvideo

Die Kantonspolizei Wallis schildert zwei Fälle, die die zuständigen Dienststellen im Jahr 2022 bearbeitet haben. Zum Einen hatte eine Fünfjährige Zugang zum Handy ihres älteren Bruders. Sie nahm das Handy und filmte sich unter der Dusche. Danach veröffentlichte sie das Video auf Tiktok.

Zum Anderen wurde ein Sexting-Fall gemeldet, bei dem zwei acht- und neunjährige Buben involviert waren. Diese zwangen gleichaltrige Schülerinnen und Schüler mithilfe von Gegenständen zu sexuellen Handlungen.

Hast du schon mal ein Nacktfoto verschickt?

So stark hat das Verschicken von Pornografie zugenommen

Das Sexting fällt unter die Kategorie Pornografie. Während die Zahl der gemeldeten Fälle im Jahr 2017 noch 55 betrug, waren es im Jahr 2021 bereits 127. «Es haben während der Pandemie also mehr als doppelt so viele Jugendliche Nacktfotos verschickt», so die Kantonspolizei Wallis. Auch bei der illegalen Pornografie hätten die Fälle zugenommen. «Im Jahr 2021 wurden 92 Fälle gemeldet.» Dies seien 21 Prozent mehr als die 76 Fälle des Jahres 2020.

«Es ist beängstigend, weil es vor allem Jugendliche sind», sagt die Sprecherin. «Pornografie ist zunehmend zugänglich.»

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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