Kein Massentest, keine Schliessung - Walliser Primarschule wird zum Corona-Hotspot – und bleibt offen
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Kein Massentest, keine SchliessungWalliser Primarschule wird zum Corona-Hotspot – und bleibt offen

Zuerst waren es 13 Fälle, dann 34: An der Primarschule in Naters VS ist das Coronavirus ausgebrochen. Massentests und eine Schulschliessung kommen nicht in Frage – wegen dem psychischen Wohl der Schülerinnen und Schüler.

von
Lara Hofer
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Auf der Primarstufe in Naters VS ist das Coronavirus ausgebrochen.

Auf der Primarstufe in Naters VS ist das Coronavirus ausgebrochen.

20min/Michael Scherrer (Symbolbild)
Zunächst wurden 13 positive Tests verzeichnet.

Zunächst wurden 13 positive Tests verzeichnet.

20min/Marco Zangger (Symbolbild)
In einem zweiten Test wurden weitere 21 ausgemacht.

In einem zweiten Test wurden weitere 21 ausgemacht.

20min/Marco Zangger (Symbolbild)

Darum gehts

  • Drei Klassen mussten sich in Quarantäne begeben, als in der Primarschule in Naters 13 Coronafälle entdeckt wurden.

  • Nun wurde eine grosse Testaktion durchgeführte, wobei 21 weitere Personen positiv getestet worden sind.

  • Trotz der 34 Fälle kommt eine Schulschliessung für den Kanton nicht in Frage. Auch auf einen gesamtschulischen Massentest wird verzichtet.

  • Diese Entscheidung sorgt im Dorf für Gesprächsstoff – und teils auch für Verunsicherung.

Der bislang grösste Corona-Ausbruch an einer Oberwalliser Schule ereignete sich kürzlich an der Primarschule Naters. Getroffen hat es Jung und Alt: 34 Personen wurden positiv auf das Virus getestet, darunter Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen.

Nachdem letzte Woche 13 positive Fälle an der Schule entdeckt wurden, wurde nun eine gross angelegte Testaktion durchgeführt. Oftmals werden bei solchen Massentests an Schulen nur wenige unentdeckte Infizierte gefunden, wie die Vergangenheit belegt. Doch in Naters war es anders: 21 zusätzliche Fälle wurden entdeckt, womit die Primarschule zum Corona-Hotspot wurde.

Eltern sind besorgt

Der Kanton verzichtet dennoch auf eine Schulschliessung, sowie auf die Durchführung eines gesamtschulischen Massentests. Diese Entscheidung stösst bei einigen Eltern auf Verunsicherung: «Für mich ist unverständlich, dass die Schule nicht für eine kurze Zeit geschlossen wird», sagt etwa B. Z.*, Mutter aus Naters. Eine befreundete Familie müsse nun die gesamten Ostertage in Quarantäne verbringen. «Mein Sohn ist glücklicherweise schon in der Oberstufe. Ich glaube nicht, dass ich meine Kinder derzeit in die Primarschule schicken würde.»

«Schulschliessung würde psychischen Druck auf Kinder erhöhen»

Anders eingeschätzt wird die Situation vom Kantonsarztamt und der Dienststelle für Unterrichtswesen. «Die Schule zu schliessen wäre eine unnötige Massnahme gewesen», erklärt sich Tanja Fux, Adjunktin der zuständigen Dienststelle, gegenüber dem «Walliser Bote». Die Situation in Naters sei schliesslich eine Ausnahme: «Man meint immer, dass es in solchen Fällen viele unentdeckte Infizierte gibt, doch die Realität sieht oft anders aus.» Es wäre demnach unverhältnismässig, alle Schülerinnen und Schüler zu testen oder gar die ganze Schule zu schliessen. Hinzu komme, dass sich alle 21 neu entdeckten Fälle bereits in Quarantäne befunden hätten.

Auch der psychologische Faktor spiele bei der Entscheidung eine zentrale Rolle. «Eine Schulschliessung würde den psychologischen Druck auf die Kinder massiv erhöhen», so Fux. Diese Auswirkung dürfe nicht unterschätzt werden. «Wir müssen verhindern, dass wir die Kinder zwar vor Ansteckungen schützen, sie dafür aber in einem anderen Bereich gefährden.»

*Name der Redaktion bekannt

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