Gnadenfrist: Walliser schiessen Wolf (noch) nicht ab
Aktualisiert

GnadenfristWalliser schiessen Wolf (noch) nicht ab

Der Walliser Staatsrat hält die Bedingungen für einen Abschuss des Wolfes im Walliser Chablais derzeit nicht für gegeben. Dies trotz den seit Mitte Mai bisher gerissenen 43 und vermissten 13 Schafen.

Der Wolf, der im Walliser Chablais schon mehrere Schafe gerissen hat, erhält eine Gnadenfrist. Die Walliser Behörden verzichten vorläufig auf eine Abschuss-Bewilligung. Sie fordern gleichzeitig vom Bund Änderungen beim Wolfskonzept.

Seit Mitte Mai wurden im Walliser Chablais 43 Schafe bei Wolfsattacken getötet, 13 Tiere werden vermisst. Die Angriffe ereigneten sich hauptsächlich auf Alpen im Val d'Illiez.

Zum jetzigen Zeitpunkt seien aber die Voraussetzungen für die Erteilung einer Abschussbewilligung gemäss Wolfskonzept nicht erfüllt, teilte die Walliser Kantonsregierung am Donnerstag mit.

Das Wolfskonzept sieht den Abschuss von «schadenstiftenden» Wölfen unter bestimmten Umständen vor. Ein Wolf kann geschossen werden, wenn er in einem bestimmten Gebiet mindestens 15 Tiere getötet hat, und wenn zuvor alle technisch möglichen, praktikablen und finanzierbaren Schutzmassnahmen ergriffen wurden.

Die zuständige Dienststelle die Interkantonale Kommission, die die Wolfsattacken beurteilte, kam zum Schluss, dass die meisten zuständigen Alpbewirtschafter die notwendigen Massnahmen nur teilweise ergriffen haben.

Auf einer Alp wurden gar keine Schutzmassnahmen ergriffen. Die 29 dort gerissenen Schafe könnten also nicht mitgezählt werden. Der zuständige Departementsvorsteher Jacques Melly entschied daher, vorläufig keine Abschussbewilligung zu erteilen.

Schwachpunkte im Wolfskonzept

Die Walliser Behörden haben allerdings bei ihren Erfahrungen mit Wölfen im Kanton einige Schwachpunkte im aktuellen Wolfskonzept festgestellt. Vor allem der unbeaufsichtigte Einsatz von Herdenschutzhunden in Tourismus- oder Wildtiergebieten berge ein erhebliches Konfliktpotenzial.

So komme es immer wieder zu Konflikten zwischen Schutzhunden und Wanderern, erklärte Melly. Auch seien in Gebieten, in denen Schutzhunde zum Einsatz kamen, Murmeltiere verschwunden.

Zudem belaste die Haltung mehrerer Herdenschutzhunde den einzelnen Halter erheblich - durch Mehrarbeit, aber auch durch zivilrechtliche Haftungsfragen.

Aus diesen Gründen fordert der zuständige Walliser Departementsvorsteher von den Bundesbehörden eine dringende Änderung des Wolfskonzepts. Dieses müsse den Interessen der Nutztierhalter, welche für die Anwesenheit des Wolfs nicht verantwortlich sind, besser Rechnung tragen.

Einer oder mehrere Wölfe?

Unklar bleibt laut Staatsrat Melly, ob es sich im Chablais um einen Wolf oder um mehrere Tiere handelt. Jedenfalls nähere sich das beobachtete Tier bewohnten Zonen, was zur Beunruhigung Anlass gebe.

Im September 2007 hatten die Walliser Behörden die Abschusserlaubnis für einen Wolf erteilt, der sich im selben Gebiet aufhielt. Das Tier entging seinen Häschern aber während der 60 Tage, in welchen die Bewilligung gültig war.

Umstrittene Abschüsse

Der Abschuss eines Wolfs im Walliser Chablais im Jahre 2006 hatte damals eine Kontroverse ausgelöst. Das zuständige Departement hatte einem Rekurs des WWF gegen die Abschussbewilligung die aufschiebende Wirkung abgesprochen. Nachdem der Wolf erlegt war, hatte die Walliser Justiz die Regierung für ihr Vorgehen kritisiert. In der Folge schaffte der Grosse Rat die Rekursmöglichkeit gegen Abschüsse von Wölfen im letzten Jahr ab. (sda)

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