Parasit: Walliserin hat einen Wurm in ihrem Auge
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ParasitWalliserin hat einen Wurm in ihrem Auge

Die junge Walliserin Rebecca trägt einen Parasiten in sich. Im Spital tat man sich am Anfang schwer, den Wurm zu erkennen und sie zu behandeln.

von
ann

Mutter Annouchka Nanchen ist empört. In ihrer Tochter Rebecca lebt mindestens ein Wurm. «Ich habe beeindruckende Bilder, auf denen man sieht, wie ein Wurm seinen Kopf aus dem Auge meiner Tochter herausstreckt», sagt sie zu «Le Matin». Doch die Ärzte hätten zuerst nicht erkannt, was mit Rebecca los war.

Nanchen geht davon aus, dass Rebecca den Parasiten, der sich Loa nennt, während der Ferien vor sieben Jahren in Kamerun eingefangen hat. «Aber kein Arzt bemerkte am Anfang, dass sie einen Wurm in sich trägt.» Zuerst attestierte ihr ein Augenarzt eine einfache Infektion und verschrieb ihr Antibiotika. «Eine Behandlung, die das Problem verschärft hat», so die Mutter.

Keinen Hinweis auf einen Parasiten

In der Permanence Valais Care AG in Martigny, wo Rebecca vor rund einem Monat war, stellt man dies anders dar: «Die Patientin hatte eine normale Augenuntersuchung, es gab keine spezielle Vorgeschichte und die Sehschärfe war auf beiden Seiten gut», sagt der behandelnde Augenarzt Dr. Christophe Cuq. Der Gedanke an einen Parasiten sei ihm zu keinem Zeitpunkt gekommen. «Es gab keinen Hinweis, sonst hätte ich das Mädchen sofort an die Abteilung Parasitologie überwiesen», so der Arzt.

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Die Tochter von Annouchka Nanchen hat in ihren Ferien vor sieben Jahren in Kamerun einen Parasit aufgelesen. Der Fadenwurm ist nun in ihr Auge gewandert.

Die Tochter von Annouchka Nanchen hat in ihren Ferien vor sieben Jahren in Kamerun einen Parasit aufgelesen. Der Fadenwurm ist nun in ihr Auge gewandert.

Maxime Schmid/Le Matin
Die Mutter hat ein Video vom Wurm im Auge ihrer Tochter gemacht.

Die Mutter hat ein Video vom Wurm im Auge ihrer Tochter gemacht.

zvg
Sie ärgert sich, dass es so lange gedauert hat, bis ihre Tochter die richtige Behandlung bekam.

Sie ärgert sich, dass es so lange gedauert hat, bis ihre Tochter die richtige Behandlung bekam.

Maxime Schmid/Le Matin

Er habe dann tatsächlich eine Behandlung mit Antibiotika verschrieben. «Der Patientin habe ich nahegelegt, mich nochmal zu konsultieren, sollte sich ihre Situation verschlechtern.» Zudem habe auch der vor der Untersuchung ausgefüllte Fragebogen keine Hinweise auf etwas Spezielles oder eine aktuelle Reise ins Ausland enthalten.

Wenige Spezialisten in der Schweiz

In den Spitälern gibt es nur wenige Spezialisten für Tropenkrankheiten. «Etwa fünfzig Ärzte in der Schweiz verfügen über eine Ausbildung in diesem Bereich», sagt Dr. Christoph Hatz, Professor am Schweizerischen Tropen-Institut in Basel. Im Zweifelsfall sei es immer am besten, sich direkt an einen Spezialisten zu wenden. «Es ist verständlich, dass ein Allgemeinmediziner über die Details einer solchen Krankheit nicht Bescheid weiss.»

Zum Risiko für Reisende, einen Parasiten wie Loa aufzulesen, sagt Hatz: «Die meisten Tropenkrankheiten bemerkt man wenige Wochen oder Monate nach der Rückkehr.» Nur in ganz seltenen Fällen treten Infektionen bis zu zwanzig Jahre später auf. Vor allem in Afrika, aber auch in Asien und Lateinamerika bestehe die Gefahr, sich einen Parasiten einzufangen. Rebecca sollte ihren jetzt loswerden können. Im Spital Wallis in Sion beginnt sie am Freitag eine Behandlung, die drei Wochen dauert.

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Nicht alle Ferienandenken sind gewollt. So bringen einige Touristen auch unschöne Krankheiten nach Hause mit.

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Colourbox.com
Wohl das häufigste Feriensouvenir sind Darminfektionen. Dazu zählen: Amöbiasis, Ascariasis, Cholera, Cryptosporidiose, Cyclosporiasis, Diphyllobothriasis, Enterobiasis, Giardiasis, Hakenwurmkrankheit, Norovirus-Erkrankung, Reisediarrhoe, Shigellen-Ruhr, Strongyloidiasis, Taeniasis.

Wohl das häufigste Feriensouvenir sind Darminfektionen. Dazu zählen: Amöbiasis, Ascariasis, Cholera, Cryptosporidiose, Cyclosporiasis, Diphyllobothriasis, Enterobiasis, Giardiasis, Hakenwurmkrankheit, Norovirus-Erkrankung, Reisediarrhoe, Shigellen-Ruhr, Strongyloidiasis, Taeniasis.

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Loa oder Augenwurm

Das Vorkommen dieses sogenannten Fadenwurms ist auf das tropische West- und Zentralafrika beschränkt. Dessen Larven werden beim Stich durch eine Bräme übertragen. Sie gelangen in die Haut, wo sie sich über etwa 3 Monate hinweg zu einem erwachsenen Wurm entwickeln. Die Würmer leben im subkutanen Fettgewebe und können sich mit einer Geschwindigkeit von einem Zentimeter pro Minute fortbewegen. Ihre Lebenserwartung kann 20 Jahre übersteigen. Auf seiner Wanderung dringt der Fadenwurm auch in das Auge ein und ist dort unterhalb der Bindehaut sichtbar. Die Erkrankung, die sich Loiasis (auch Kamerunbeule) nennt, ist in der Regel nicht gefährlich, aber sehr unangenehm, wegen der langen Lebensdauer der Würmer. Die Behandlung erfolgt mit Wurmgiften, die den Stoffwechsel der Parasiten angreifen. (Quelle: Wikipedia)

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