Aktualisiert 24.05.2007 09:39

Wallraff wieder undercover

Der deutsche Publizist Günter Wallraff hat nach mehr als zehnjähriger Pause wieder als Enthüllungsreporter Missstände aufgedeckt.

«Die Zustände fordern es», sagte der Schriftsteller (64) der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Wallraff ist international vor allem mit seinem Buch «Ganz Unten» (1985) bekannt geworden, für das er sich in Betrieben als türkischer Leiharbeiter Ali ausgab, um später die dortigen Arbeitsbedingungen anzuprangern. Als vermeintlicher Hans Esser hatte er auch die «Bild»-Zeitung unter die Lupe genommen - und dies in «Der Aufmacher» (1977) geschildert.

Für seine jüngste Enthüllung habe er unter falscher Identität als Bewerber in einem Kölner Callcenter angeheuert. Für die Rolle habe ihn ein Maskenbildner um 15 Jahre verjüngt.

«In den Callcentern, die sich ausbreiten wie eine Seuche, werden Leute zu Betrügern ausgebildet», kritisierte der Schriftsteller. Äusserlich kämen die inzwischen mehr als 5500 Callcenter in Deutschland meist seriös daher, aber: «Den Leuten werden Dinge angedreht, die sich nicht brauchen oder die ihnen schaden.» Beispiele seien Abonnements, Versicherungsverträge oder Lottolose.

Seine erste Enthüllungsreportage, die am Donnerstag im neuen «Zeitmagazin Leben» der Wochenzeitung «Die Zeit» erschien, sei erst der Anfang, sagte der Autor.

(sda)

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