Aktualisiert 12.12.2011 16:45

Bundesratswahlen

Walter zählt auf die Hilfe der CVP-Bauern

Der SVP-Bundesratskandidat und Noch-Bauernpräsident Hansjörg Walter zählt auf die Unterstützung «verschiedener» CVP-Bauern. Die CVP- Parlamentarier halten sich aber bedeckt.

Die Mehrzahl der rund 30 Bauern im National- und Ständerat gehören der SVP und FDP an, die am Mittwoch einen SVP-Kandidaten für Eveline Widmer-Schlumpf wählen wollen. Unsicher ist, ob die ungefähr 10 CVP-Parlamentarier mit Agrar-Hintergrund ihre Stimme wie von der Fraktion beschlossen Widmer-Schlumpf geben, oder allenfalls «ihrem» langjährigen Bauernpräsidenten Walter (TG).

Die Gruppe der Landwirte im Parlament hörte Walter und die anderen drei offiziellen Bundesratskandidaten Jean-François Rime (SVP/FR), Alain Berset (SP/FR) und Pierre-Yves Maillard (SP/VD) am Montagnachmittag an.

«Bauern werden mir helfen»

«Verschiedene Bauern aus der CVP-Fraktion werden mir helfen, und das wird eine wichtige Unterstützung sein», sagte Walter nach dem Hearing gegenüber Journalisten. Er wolle wegen seines Amtes als Nationalratspräsident aber keinen aktiven Wahlkampf betreiben.

Am Gespräch mit den Bauern sei er unter anderem zur Strategie der SVP befragt worden und ob die SVP einen FDP-Sitz angreifen würde, sagte Walter. Dazu habe er keine neue Auskunft geben können: Er trage die Strategie der Partei mit, habe sich aber die Freiheit ausbedungen, am Ende selbst zu entscheiden.

Sympathie bei CVP

Die Sympathie vieler CVP-Landwirte ist Walter gewiss: Walter wäre ein sehr guter Bundesrat, der für die Landwirtschaft einstehen würde, sagte Jakob Büchler (CVP/SG). Als absolut fähige Persönlichkeit bezeichnete auch Markus Ritter (CVP/SG) den Kandidaten der SVP. Ritter gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Walters als Bauernpräsident, der sein Amt auf jeden Fall abgeben wird.

Die Landwirte Ritter und Büchler wollen sich aber beide nicht festlegen, ob sie Walter ihre Stimme tatsächlich geben werden. Die Konstellation sei schwierig: Walters Wahl bedeute ziemlich sicher eine Abwahl Widmer-Schlumpfs, die gute Arbeit leiste, hielten sie fest.

Vieles hänge nun davon ab, ob sich die SVP dafür entscheide, nur bei der Wahl um Widmer-Schlumpfs Sitz anzutreten oder allenfalls auch gegen die FDP, sagte Büchler. Die Diskussionen liefen noch, und das letzte Wort dazu sei noch nicht gesprochen. Die Strategie seiner Partei soll an der Fraktionssitzung vom Dienstagnachmittag nochmals zur Sprache kommen.

Skepsis gegen Agrarfreihandel

Angehört wurden von den Bauern auch die SP-Kandidaten Berset und Maillard. Beide zogen ein positives Fazit zu ihren je rund 45- minütigen Gesprächen mit den Landwirtschaftsvertretern. Er arbeite im Parlamentsalltag immer wieder mit den Landwirten zusammen, sagte Berset. Maillard sprach von einem guten Dialog.

Thema waren unter anderem die Swissness-Vorlage, das Cassis-de- Dijon-Prinzip, die Misere am Milchmarkt und der Agrarfreihandel. Dort geben es viele gemeinsame Positionen, sagten beide SP- Kandidaten. Sie betonten vor den Bauern auch, dass sie ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU ablehnen würden und die Liberalisierung der Märkte skeptisch beurteilten.

Die parlamentarische Gruppe der Landwirte gibt keine Empfehlung für die Wahl ab, wie der Nationalrat und Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois (FDP/FR), der die Anhörung leitete, sagte. Die Kandidaten seien alle gut in die Landwirtschaftsdossiers eingearbeitet und die Unterschiede zwischen ihnen seien gering. Aus Sicht der Bauern sei dies eine erfreuliche Situation.

(sda)

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