Aktualisiert 22.04.2018 19:15

Alpsteingebiet«Wanderer sprangen vor dem riesigen Stein davon»

Am Wochenende ist es im Alpsteingebiet zu mehreren Lawinen und Steinschlägen gekommen. Es herrscht erhöhte Gefahr für die Wanderer.

von
pam/viv

Hier donnert gerade eine Nassschneelawine zu Tal. (Video: Leser-Reporter)

Am Samstag meldeten Leser, dass im Alpsteingebiet mehrere Nassschneelawinen auf Wanderwege gedonnert sind. «Ich hörte zuerst nur einen lauten Knall», erzählt ein Leser-Reporter, der an diesem Tag eine Wandertour von Wasserauen AI Richtung Säntis machte. «Dann sah ich vom Seealpsee aus, wie eine riesige Lawine auf den Wanderweg stürzte.» Hätte sich jemand dort auf dem Weg befunden, hätte es böse ausgehen können.

Offenbar rutschte aber nicht nur Schnee die Berge herab, wie nun eine weitere Leserin berichtet. Sie sah am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr, wie in der Nähe des Restaurants Seealpsee Steine die Berghänge herunterrollten. «Auf einmal schrien aufmerksame Wanderer ‹Steinschlag› und man sah nur noch, wie die Wanderer in alle Richtungen wegsprangen, um sich vor dem riesigen Stein in Sicherheit zu begeben.»

Erhebliche Lawinengefahr ausgesprochen

Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Temperaturen hatte das Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) für das gesamte Wochenende eine erhebliche Lawinengefahr am Seealpsee deklariert. Sogenannte Wummgeräusche und Risse sowie spontane Lawinen seien in dieser Situation typisch. Unerfahrenen Wanderern wird empfohlen sich nur auf geöffnete Routen zu begeben.

Laut Nicola Möckli von Meteonews ist auffallend, dass neben den Südhängen nun auch Nordhänge betroffen seien. «Das warme Wetter sowie der Umstand, dass für die Jahreszeit relativ viel Schnee liegt, treibt die Gefahr von Nassschneelawinen in die Höhe», sagt Möckli. Am Freitag wurde mit 28,9 Grad in Sion der bisherige April-Rekord geknackt. Aufgrund der grossen Masse an Schmelzwasser könne es gut sein, dass sich lockere oder angefrorene Steine lösen und hinunterfallen.

«Wir können die Wanderer nicht schützen»

Betroffen von Lawinen seien nicht nur hochalpine Lagen, sondern eben auch Wandergebiete, die beim aktuellen Wetter grossen Zulauf verzeichneten, sagt Möckli. «Für Frühlings-Ausflügler kann es gefährlich werden.» Er rät deshalb dazu, frühmorgens aufzubrechen, um die Lawinengefahr zu minimieren. «Wer bereits um vier Uhr geht, ist um zehn Uhr zurück. Ab dann wird es aufgrund der Temperaturen kritisch.»

Auch für Sepp Manser, Wanderweg-Verantwortlicher im Bezirk Schwende AI, ist es ein jährlich wiederkehrendes Phänomen: «Dagegen kann man nichts machen – wir können die Wanderer nicht schützen.» Solange man sich aber auf die offenen und beschilderten Wanderwegen begebe, sei die Gefahr nur sehr gering. Er rät: «Man sollte sich vor dem Ausflug über die Route informieren» Auf der Webseite appenzell.ch wird man unter anderem über den Wegzustand informiert. Vor Ort erteilen Bergbahnen und Berggasthäuser sehr gerne Auskunft über den aktuellen Wegzustand und offene Routen.

Lawine am Seealpsee

Eine Lawine am Seealpsee. (Video: Leser-Reporter)

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