08.05.2019 07:46

Kampfzone WanderwegWanderer wollen Wege ohne E-Bikes

Immer mehr E-Biker toben sich im Gebirge aus. Wanderer fühlen sich überrollt und verlangen separate Routen.

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rol
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In der Schweiz stürmen immer mehr E-Mountainbiker die Berggipfel. Viele Wanderer fühlen sich deswegen unwohl und sind verärgert. «Ich erschrecke häufig, weil E-Biker ohne Vorwarnung auf dem Wanderweg knapp an mir vorbeisausen», sagt der passionierte Wanderer Max Buholzer.

In der Schweiz stürmen immer mehr E-Mountainbiker die Berggipfel. Viele Wanderer fühlen sich deswegen unwohl und sind verärgert. «Ich erschrecke häufig, weil E-Biker ohne Vorwarnung auf dem Wanderweg knapp an mir vorbeisausen», sagt der passionierte Wanderer Max Buholzer.

Keystone/Arno Balzarini
Bernhard Schneider, Geschäftsleiter von New Ride, bestätigt die Problematik: «In der Schweiz gibt es zu wenig spezifische Bike-Trails, und die bestehenden sind oft schlecht signalisiert. Darum weichen viele E-Mountainbiker auf Wanderwege aus.»

Bernhard Schneider, Geschäftsleiter von New Ride, bestätigt die Problematik: «In der Schweiz gibt es zu wenig spezifische Bike-Trails, und die bestehenden sind oft schlecht signalisiert. Darum weichen viele E-Mountainbiker auf Wanderwege aus.»

Keystone/Gian Ehrenzeller
Grundsätzlich sind E-Mountainbikes mit Motoren bis 25 km/h auf Wanderwegen erlaubt. Allerdings haben die Kantone das letzte Wort – und sie handhaben es ganz unterschiedlich. In Appenzell Innerrhoden sind die meisten Wanderwege für E-Biker tabu, in Graubünden und im Wallis haben sie dagegen fast überall freie Fahrt.

Grundsätzlich sind E-Mountainbikes mit Motoren bis 25 km/h auf Wanderwegen erlaubt. Allerdings haben die Kantone das letzte Wort – und sie handhaben es ganz unterschiedlich. In Appenzell Innerrhoden sind die meisten Wanderwege für E-Biker tabu, in Graubünden und im Wallis haben sie dagegen fast überall freie Fahrt.

Keystone/Alessandro Della Bella

Über 43'000 E-Mountainbikes wurden 2018 in der Schweiz verkauft – ein neuer Rekord. Laut dem Fachverband Velosuisse haben sich die Verkäufe innert zwei Jahren mehr als verdoppelt (siehe Box). Der Boom führt auch dazu, dass immer mehr E-Biker die Berggipfel stürmen, zum Ärger vieler Wanderer. «Ich fühle mich unwohl, wenn ich Bikern ausweichen und dauernd Platz machen muss», sagt etwa der St. Galler Wanderer Marcel Steiner.

Max Buholzer aus Meggen LU pflichtet ihm bei: «Die E-Biker fahren schnell und oft auf schmalen Passagen, wo man sie nicht erwartet.» Auf der Rigi habe die Zahl der E-Biker massiv zugenommen, so der passionierte Wanderer. «Ich erschrecke häufig, weil sie ohne Vorwarnung knapp an mir vorbeisausen.» Klar könnten Wanderer die Berge nicht für sich allein beanspruchen. Trotzdem plädiert er dafür, E-Mountainbikes nur bis auf eine Höhe von rund 1000 Metern zu erlauben und mehr Extrarouten für sie zu schaffen.

Rempler und Rüffel für Wanderer

Bernhard Schneider, Geschäftsleiter des Kompetenzzentrums für Elektrozweiräder New Ride, bestätigt die Problematik: «In der Schweiz gibt es zu wenig spezifische Bike-Trails, und die bestehenden sind oft schlecht signalisiert. Darum weichen viele E-Mountainbiker auf Wanderwege aus.» Grundsätzlich sind dort zwar E-Bikes mit Motoren bis 25 km/h erlaubt. Allerdings haben die Kantone das letzte Wort, und sie handhaben es ganz unterschiedlich.

So sind in Appenzell Innerrhoden die meisten Wanderwege für E-Biker tabu, im Wallis und in Graubünden haben sie dagegen auf den meisten Routen freie Fahrt. Vor allem in Gebieten mit starkem Bike-Tourismus gebe es Konflikte und Reklamationen, bestätigt Walter Grass, Präsident des Vereins Bündner Wanderwege: «Da kommt es schon mal zu Wortgefechten und Remplern.» Das häufige Ausweichen, enge Kreuzen und lautlose Herannahen der E-Biker verärgere die Wanderer am meisten.

«Wir würden uns punktuell eine bessere Entflechtung wünschen», so Grass. An stark frequentierten Orten habe sie begonnen, dort seien spezifische Bike-Trails angelegt worden. Und auf Wanderwegen, wo auch Biker zugelassen sind, sei das vermehrt mit Schildern an Wegweisern signalisiert.

Ast- und Drahtfallen für Biker

Doch nicht nur Wanderer kommen unter die Räder. Dumme Sprüche und Wanderer, die extra keinen Platz machten, seien keine Seltenheit, sagt Severin Schefer, Geschäftsführer der Swiss Bike School. Um Biker zu stoppen, würden manchmal grosse Äste auf Wanderwegen platziert oder Drähte gespannt. «Solch gefährliche Aktionen kommen zum Glück nur ganz selten vor.»

Die Zunahme von Konflikten führt Schefer auch auf die Unerfahrenheit der E-Biker zurück. «Viele waren bisher vermutlich kaum je mit dem Velo im Gebirge unterwegs. Sie sind nicht so sensibilisiert wie erfahrene Mountainbike-Cracks und verhalten sich falsch gegenüber Wanderern.» Just das versuche er unerfahrenen E-Mountainbikern in Kursen zu vermitteln.

Wichtige Grundregeln

Für ein friedliches Nebeneinander müssten Biker einige Grundregeln beachten, betont Schefer. Beim Überholen von Wanderern sollten sie ihr Tempo deutlich drosseln und diese mit klarer Stimme vorwarnen. «Wenn ein Biker 'Vorsicht, ich überhole links!' ruft und dazu noch höflich grüsst, schafft das Klarheit und hilft beiden», sagt auch Bernhard Schneider von New Ride.

Michael Roschi vom Dachverband Schweizer Wanderwege ergänzt: «Der Wanderer hat auf Wanderwegen immer Vortritt.» Dank der Zustimmung des Stimmvolks zum Bundesbeschluss Velo erwarte er in Zukunft eine Entlastung des Wanderwegnetzes sowie eine bessere Planung von spezifischen Mountainbike-Routen. «Dort, wo es hohe Frequenzen hat, fordern wir vermehrt getrennte Routen für Wanderer und Mountainbiker.»

E-Bike-Verkäufe auf Rekordhoch

Knapp 4 Millionen Velos gibt es in der Schweiz, allein letztes Jahr gingen 345'000 neue über den Ladentisch. Laut dem Fachverband Velosuisse war 2018 bei den E-Bike-Verkäufen das bisher erfolgreichste Jahr der Geschichte. Jedes dritte verkaufte Velo war ein E-Bike. Rasant steigen die Zahlen vor allem bei den E-Mountainbikes: Wurden 2016 noch erst rund 20'000 E-Mountainbikes verkauft, waren es letztes Jahr bereits über 43'000.

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