Aktualisiert 05.08.2008 21:51

Wandervogel Burki hat in Aarau sein Nest gefunden

Mittelfeldspieler Sandro Burki (22) scheint beim sensationellen Leader FC Aarau endlich sesshaft zu werden.

von
Andy Huber

«Das musste ja kommen», seufzt Burki. Der Zofinger kann die Frage nicht mehr hören, ob der FCA derzeit so stark oder die Gegner einfach nur schlecht sind. «Wir haben halt einen guten Lauf», freut sich Burki vor dem heis­sen Tanz heute in Bellinzona und fügt an: «Und ein bisschen Euphorie darf ja sein.»

Nicht immer war es um seine Gemütslage so gut bestellt. Nach dem historischen Gewinn des EM-Titels mit der U17-Nati wechselte das 16-jährige Talent im Jahr 2002 zu Bayern, brach das Experiment aber nach einer Saison bei den Amateuren schon wieder ab. «Immerhin durfte ich unter Trainer Ottmar Hitzfeld die Vorbereitung mitmachen», betont Burki. Dass er nur des Geldes wegen nach München ging, bestreitet er: «Das habe ich gar nicht nötig. Ich komme aus gutem Haus. Wir besitzen ein Sportgeschäft und ein Textilunternehmen.»

Ein Schicksalsschlag in der Familie bewog den Wandervogel nach den «Quickies» bei YB, Wil und Vaduz vor zwei Jahren beim FCA anzuheuern: Sein Vater Beat war an Leukämie erkrankt. «Ich wollte in seiner Nähe sein», sagt Burki. Der Tod seines grössten Förderers und seiner wichtigsten Ansprechperson im Dezember 2006 traf ihn hart: «Ich brachte danach kein Bein mehr vor das an­dere.»

Doch die Liebe seiner Freundin Nadine, mit der er vor kurzem das vierjährige «Jubiläum» feierte («bei uns stimmt es einfach»), wie auch der Rückhalt seines Klubs in der schwierigen Zeit halfen ihm aus dem tiefen Loch. «Auch deshalb bleibe ich trotz anderen Angeboten für weitere drei Jahre hier», sagt Burki, der diese Saison bisher einmal traf und beim FCA endlich das Image des ewigen Talents loswerden will.

Lassen sich die Überflieger aus dem Aargau heute im Tessin und am Samstag gegen Luzern nicht vom Himmel holen, wird ihm dies keiner mehr vorwerfen. Und vielleicht wird er dann für Naticoach Hitzfeld doch einmal zum Thema.

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