Hundewetter: Wann bringen Sie uns die Sonne, Herr Bucheli?

Aktualisiert

HundewetterWann bringen Sie uns die Sonne, Herr Bucheli?

Regen, Wolken, Kälte: Der Frühling will und will nicht in Gang kommen. Auch über Pfingsten warten wir vergebens auf die Sonne. Wetterfrosch Thomas Bucheli erklärt, wann es endlich schön wird.

von
S. Marty
Thomas Bucheli sagt: Nächste Woche geht es wettertechnisch Richtung Sommer.

Thomas Bucheli sagt: Nächste Woche geht es wettertechnisch Richtung Sommer.

Herr Bucheli, die ganze Schweiz wartet sehnlichst auf schönes Wetter. Wo versteckt sich die Sonne?

Thomas Bucheli: Glauben Sie mir, auch ich warte auf die Sonne. Das Problem liegt einfach darin, dass wir uns geografisch in einer sehr ungünstigen Lage befinden. Man muss sich die Kaltluft über dem Nordpol wie eine Amöbe mit vielen kleinen Ausbuchtungen vorstellen, die ständig südwärts tasten. Nun haben wir einfach das Pech, dass solche Ausbuchtungen uns immer wieder erfassen und schlechtes Wetter bringen. Da kann ich leider auch nichts dran ändern.

Pech alleine genügt mir nicht als Erklärung. Woran liegt es, dass wir uns seit gut zwei Monaten mit diesem Hundewetter herumschlagen müssen?

Die Hochdruckgebiete waren tatsächlich sehr rar in den letzten zwei Monaten. Ausserdem sind sie immer sehr schnell wieder weitergezogen. Brach in höheren Luftschichten im Norden Kaltluft nach Süden aus, konnte sich diese durch die intensive Zirkulation bis nach Mitteleuropa schieben. Grund dafür war unter anderem das stark ausgeprägte Grönlandhoch.

Warum führt ein Hoch in Grönland bei uns zu einem Tief?

Die Luft des Grönlandhochs dreht sich im Uhrzeigersinn. Dadurch wird eine örtliche Zirkulation ausgelöst, welche die kalte Luft aus der Polarregion nach Portugal, Spanien, Frankreich, aber eben auch in die Schweiz trägt.

Menschen neigen dazu, das Wetter schlimmer zu sehen, als es wirklich ist. Ist der Frühling 2013 im Vergleich zu anderen Jahren wirklich so katastrophal oder täuscht uns unsere Wahrnehmung?

Der lange Winter hat uns in diesem Jahr tatsächlich den Frühlingsbeginn vermiest. Statistisch ist es zudem normal, dass es – übers Jahr betrachtet – im Mai und Juni die meisten Regentage gibt. In diesem Monat liegen wir bisher noch leicht unter der Norm – aber über die Pfingsttage wird sich das wohl drastisch ändern, vor allem im Süden.

Sie als Meteorologe haben momentan den undankbaren Job, die Menschen über Regen und Wolken statt über Sonne und Wärme zu informieren. Wie viele böse E-Mails erhalten Sie täglich?

Hier muss ich den Zuschauern wirklich ein Kränzli winden. Viele von ihnen nehmen es ziemlich gelassen. Für mich bedeutet es aber einfach, dass ich mit meinen Prognosen erst recht aufpassen muss. Sobald ich schönes Wetter voraussage und es dann nicht zutrifft, sind die Leute schon sehr enttäuscht.

Trotzdem werde ich Sie nach einer Prognose fragen: Wann bringen Sie uns endlich die Sonne?

Ich sage jetzt mal verhalten, dass wir Anfang nächste Woche eine gewisse Wetterberuhigung erwarten können und es dann langsam Richtung Sommer geht. Ich spreche jetzt aber natürlich nicht von einem Jahrhundertsommer.

Das Rekord-Gewitter vor knapp zwei Wochen haben Sie für Zürich unterschätzt. Können wir uns bei dieser Prognose wirklich auf Sie verlassen?

Gewitter zeigen sich sehr lokal und sind schwieriger einzuschätzen als Fronten. Temperaturen sind für Vorhersagen zuverlässiger als Gewitterregen. Im Endeffekt muss man die Möglichkeiten und Grenzen der Meteorologie akzeptieren. Bei kurzfristigen Vorhersagen sind wir sehr zuverlässig.

Zur Person

Thomas Bucheli ist Meteorologe beim Schweizer Fernsehen und Radio SRF.

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