Gamen mit Stil: Wann darf ich meine Mitspieler beleidigen?
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Gamen mit StilWann darf ich meine Mitspieler beleidigen?

Unsere Gamestil-Beraterin sagt, was zum guten Ton beim Gamen zählt. Heute: Darf ich meine Mitspieler beleidigen, wenn sie mich zu Tode nerven?

von
Julie Neo
Um Frust abzubauen, braucht man nicht zu Beleidigungen zu greifen, meint Julie Neo.

Um Frust abzubauen, braucht man nicht zu Beleidigungen zu greifen, meint Julie Neo.

Pfui, pfui und nochmals pfui! Wer andere beleidigt, agiert stillos und entlarvt sich als spielerische Pfeife. Wer andere beleidigt, wird - sofern der Online-Administrator nicht auf beiden Augen blind ist - zu Recht mit dem Rauswurf aus Online-Spielen bestraft: Den Weg des Beschimpfens zu wählen, suggeriert zwar Dominanz und schüchtert den Gegner vielleicht auch ein. Doch was der Fluchebold betreibt, ist Psychoterror. Was mit Terroristen passiert, wissen wir aus den Geschichtsbüchern - ihnen wird der Garaus gemacht. Wer mit der Unfähigkeit bestückt ist, im Videospiel zu brillieren, soll sich verbessern oder nach einer geeigneteren Leidenschaft suchen. Kurz: Schlechte Manieren sollen nicht belohnt werden, und wenn die Erziehungsmassnahmen der Eltern nicht gefruchtet haben, muss nicht der Rest der Welt dafür büssen.

Keine Regel ohne Ausnahme

Es gibt allerdings zwei gute Gründe zu fluchen, dass sich die Balken biegen. Sobald der Gegner im Fussballspiel Fifa planlos mit dem Ball umherirrt wie ein hyperaktives Kind auf einer Schnitzeljagd und nicht den Torabschluss sucht. Meistens kommt dieser nette Gespiele nicht damit klar, fünf zu null oder noch mehr im Rückstand zu liegen, und irrt solange umher, dass nicht einmal mehr die eigenen Teamspieler zum Zug kommen.

Üble Beschimpfungen sind auch gegen die sogenannten Camper in Egoshootern wie «Battlefield» nicht nur erlaubt, sondern Pflicht! Camper, sprich Scharfschützen, legen sich gerne an ein schattiges Plätzchen und warten gemütlich, bis ein anderer Spieler arglos des Weges kommt. Dann knipsen sie ihm feige und hinterhältig das Licht aus. Pfui auch hier!

Der Jedi in dir

Trotzdem: Zu einem gewieften Spieler gehört Klasse und Gelassenheit. Ich will hier nicht die Ombudsfrau markieren und für den Friedensnobelpreis anstehen. Eines muss jedoch gesagt sein: Es gibt bessere Wege, um seinen Zorn kundzutun. Meine Rezeptur: Sammle deine Wut, halte einen Moment inne, wandle die Wut in Kraft um und setze eiskalt zum Todesstoss an. Yoda, der Jedi-Meister aus «Star Wars», hat es nie anders gemacht. Ebenso Super Mario, Link aus Zelda oder Ezio Auditore da Firenze aus «Assassin's Creed» - um nur wenige der grossen Namen zu nennen. Wahre Helden beschimpfen sich nicht, sie handeln. In der Ruhe liegt die Kraft. Denkt an Muttis Worte und werdet nicht zum Terroristen.

Herzlich, Ihre Julie Neo

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Julie Neo

Unsere Gamestil-Expertin Julie Neo erklärt in regelmässig erscheinenden Kolumnen, was beim Spielen zum guten Ton gehört und was Sie, liebe Gamefans, besser unterlassen sollten. Möchten auch Sie zum Gamer mit Stil werden? Posten Sie Ihre Stilfrage an Julie Neo bei den Leserkommentaren.

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