Anzeigen wegen Sexfilmen: Wann der Porno im Gruppenchat eine Straftat ist

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Anzeigen wegen SexfilmenWann der Porno im Gruppenchat eine Straftat ist

Noch nie wurden so viele Jugendliche wegen Pornos angezeigt: Der Kanton Zürich weist für 2019 einen Rekord aus. Doch wie soll man reagieren, wenn im Gruppenchat Material kursiert? Und ab wann macht man sich strafbar? Die sieben wichtigsten Antworten vom Jugendanwalt.

von
Céline Krapf
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Im Kanton Zürich wurden 2019 so viele Jugendliche wie noch nie wegen Pornografie und Gewaltdarstellungen verzeigt.

Im Kanton Zürich wurden 2019 so viele Jugendliche wie noch nie wegen Pornografie und Gewaltdarstellungen verzeigt.

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Insbesondere die Weiterverbreitung von pornografischem Material hat deutlich zugenommen.

Insbesondere die Weiterverbreitung von pornografischem Material hat deutlich zugenommen.

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278 Jugendliche seien im vergangenen Jahr im Kanton Zürich wegen Pornografie verzeigt worden, teilte die Oberjugendanwaltschaft am Dienstag mit.

278 Jugendliche seien im vergangenen Jahr im Kanton Zürich wegen Pornografie verzeigt worden, teilte die Oberjugendanwaltschaft am Dienstag mit.

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Darum gehts

  • Der Kanton Zürich verzeichnet einen Rekord bei Verzeigungen von Jugendlichen wegen Pornos und Gewaltvideos.
  • Patrik Killer, Leitender Jugendanwalt Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Umgang mit Pornos und Gewaltvideos.

1. Was ist konkret strafbar: Erstellen, Weiterleiten, Rumzeigen, oder nur Eigentum von illegaler Pornografie oder Gewaltdarstellungen?
Es ist generell verboten, Jugendlichen unter 16 Jahren pornografische Erzeugnisse zugänglich zu machen. Ausserdem ist sowohl für Minderjährige als auch Erwachsene die Erstellung, Weiterleitung, das Rumzeigen sowie der Besitz und der Konsum von pornografischen Erzeugnissen verboten, die sexuelle Handlungen mit Tieren oder Gewalttätigkeiten oder sexuelle Handlungen mit Minderjährige beinhalten.

2. Was unterscheidet legale von illegaler Pornografie?
Hier muss man grundsätzlich zwischen weicher und harter Pornografie unterscheiden. So ist es gemäss Gesetz generell verboten, jegliche pornografische Erzeugnisse Kindern unter 16 Jahren zugänglich zu machen. Generell verboten und zwar für Minderjährige, wie auch Erwachsene, sind zudem pornografische Erzeugnisse mit den oben genannten Inhalten.

3. Wie soll man vorgehen, wenn in einem Gruppenchat Pornografie oder Gewaltdarstellungen kursieren?
Jugendliche sollen das Material sofort löschen und keinesfalls speichern. Wir raten Jugendlichen zudem, die Grundeinstellung zu ändern, so dass nicht alles automatisch abgespeichert wird. Wichtig wäre auch, dass sich die Jugendlichen an ihre Eltern oder eine erwachsene Vertrauensperson wenden, um mit ihr über das Gesehene zu sprechen, da es sich oftmals um eindringliches Bildmaterial handelt, welches verstörend wirken kann.

«Viele Jugendliche sind überfordert»

Im Kanton Zürich wurden 2019 so viele Jugendliche wie noch nie wegen Pornografie und Gewaltdarstellungen verzeigt. Insbesondere die Weiterverbreitung von pornografischem Material hat deutlich zugenommen: 278 Jugendliche seien im vergangenen Jahr im Kanton Zürich wegen Pornografie verzeigt worden, teilte die Oberjugendanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Gründe, weshalb es zu einer derartigen Zunahme kam, seien vielfältig, schreibt Patrik Killer, Leitender Jugendanwalt der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt auf Anfrage von 20 Minuten. «So spielen Smartphones im Leben der Jugendlichen eine zentrale Rolle, dank Flatrate-Abos ist man zudem immer online, das Sharen eines Videos ist kinderleicht.» Gerade dieses horrende Tempo sei fatal: «Viele Jugendliche sind überfordert, sie wollen auffallen, der Reiz des Verbotenen spielt ebenfalls mit ein, wobei sie kaum an mögliche Konsequenzen denken.»

4. Muss man aus dem Chat austreten? Oder den entsprechenden Absender blockieren?
Kursieren solche Videos in einem anonymen Chat mit vielen unbekannten Teilnehmenden, ist es sicher ratsam, dass man den Chat verlässt. Es ist wichtig, dass Jugendliche zu selbstbewussten Personen heranwachsen und kommunizieren, wenn eine Grenze überschritten wird, wenn sie etwas nicht möchten. Wir ermutigen sie deshalb auch, das Gespräch mit dem Absender zu suchen und klar zu machen, dass er oder sie sich strafbar macht und dass der Erhalt von pornografischen Erzeugnissen sowie Gewaltdarstellungen nicht erwünscht ist.

5. Sollen Pornografie und Gewaltdarstellungen aus dem Chat gelöscht werden?
Wichtig ist, dass die Videos und Bilder keinesfalls auf dem eigenen Gerät oder in der Cloud gespeichert oder weitergeleitet werden.

6. Ist das Alter der Beteiligten relevant, wenn es um ein Strafverfahren geht?
Es ist generell verboten, pornografische Erzeugnisse an Personen unter 16 Jahren zugänglich zu machen. Betreffend harter Pornografie ist das Alter irrelevant, diese ist für alle verboten.

7. Kommt es auf die Menge oder das Alter des Materials an?
Ziel des Jugendstrafrechts ist der Schutz und die Erziehung des Jugendlichen. Das bedeutet, dass in jedem Fall individuell geschaut wird, was die oder der Jugendliche braucht, um nicht wieder straffällig zu werden.

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