Aktualisiert 17.07.2018 14:09

Energy Challenge

Wann eine Photovoltaik-Anlage amortisiert ist

Umweltschädigende Herstellung und zu teuer: Gegner von Solarenergie kritisieren Photovoltaikanlagen stark. Zu Recht?

von
sts
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Als erneuerbare Energieform ist Solarenergie deutlich umwelt- und klimaschonender als fossile Brennstoffe. Dennoch werden die Ökobilanz und die Kostendeckung von Photovoltaikanlagen noch immer angezweifelt.

Als erneuerbare Energieform ist Solarenergie deutlich umwelt- und klimaschonender als fossile Brennstoffe. Dennoch werden die Ökobilanz und die Kostendeckung von Photovoltaikanlagen noch immer angezweifelt.

Keystone/Christian Beutler
Den Hauptanteil am Primärenergiebedarf mit rund 70 Prozent macht die Herstellung der Panels aus. Dieser Strom wird vor allem für die Produktion von hochreinem Silizium, das Sägen der Silizium-Wafer sowie die Zell- und Modulproduktion benötigt.

Den Hauptanteil am Primärenergiebedarf mit rund 70 Prozent macht die Herstellung der Panels aus. Dieser Strom wird vor allem für die Produktion von hochreinem Silizium, das Sägen der Silizium-Wafer sowie die Zell- und Modulproduktion benötigt.

Keystone/Christian Beutler
Solaranlagen erzeugen in ihrem Betrieb keine Schadstoffemissionen, vielmehr kann Solarstrom beispielsweise klimaschädliche Stromimporte aus dem Ausland vermindern und somit zu einer Emissionsreduktion beitragen.

Solaranlagen erzeugen in ihrem Betrieb keine Schadstoffemissionen, vielmehr kann Solarstrom beispielsweise klimaschädliche Stromimporte aus dem Ausland vermindern und somit zu einer Emissionsreduktion beitragen.

Keystone/Laurent Gillieron

Das Thema Solarenergie wird in der Schweiz hitzig diskutiert. So wird beispielsweise die Umweltbilanz von Photovoltaik-Panels kritisiert. Leser Hugo löste auf 20 Minuten etwa eine Diskussion aus mit dem Kommentar: «Für die Fertigstellung und Entsorgung von Solaranlagen wird viel Energie verbraucht. Dies ist alles andere als ökologisch!» Auch die Kosten werden vielfach als zu hoch beschrieben. Nachfolgend wird den beiden Behauptungen nachgegangen.

Der Primärenergiebedarf – die gesamte Energie, die für die Herstellung eines Photovoltaikmoduls benötigt wird – beträgt Studien zufolge typischerweise etwa 7000 Megajoule Öl-Äquivalente pro Modul. Dies entspricht ungefähr 1,3 Fässern Rohöl. Den Hauptanteil mit rund 70 Prozent macht die Herstellung der Panels aus. Dieser Strom wird vor allem für die Produktion von hochreinem Silizium, das Sägen der Silizium-Wafer sowie die Zell- und Modulproduktion benötigt.

Der restliche Primärenergiebedarf ist hauptsächlich auf die Produktion der weiteren Materialien für die Module wie Glas oder Kupfer für die Kabel sowie die Montagesysteme für die Gebäudeintegration zurückzuführen. Es besteht noch grosses Potenzial zur Verbesserung des Primärenergieverbrauchs für Photovoltaik, beispielsweise durch Recycling von Silizium.

Weniger Stromimporte aus dem Ausland

In der Schweiz beträgt die Energierückzahldauer momentan etwa drei bis vier Jahre. Im Vergleich dazu liegt die Lebensdauer der Module bei mindestens 30 Jahren. Solaranlagen erzeugen in ihrem Betrieb keine Schadstoffemissionen, vielmehr kann Solarstrom beispielsweise klimaschädliche Stromimporte aus dem Ausland vermindern und somit zu einer Emissionsreduktion beitragen. Da bei der Herstellung von Solaranlagen Treibhausgase entstehen, ist jedoch auch Solarstrom über den ganzen Lebenszyklus gesehen nicht komplett emissionsfrei.

Für die Umwelt wäre die vermehrte Nutzung der Kraft der Sonne also eine sinnvolle Lösung. Doch wann lohnt sich die Installation einer Solaranlage auch finanziell? Eine Photovoltaik-Anlage von 30 Quadratmetern auf einem Einfamilienhaus kostet ungefähr 15'000 Franken. Zieht man die finanzielle Förderung des Bundes von 3400 Franken sowie Steuerabzüge von rund 2900 Franken ab, kostet die Anlage noch 8500 Franken.

Renditen von knapp fünf Prozent

Die Herstellungskosten für den selber produzierten Strom liegen bei 13 Rappen pro Kilowattstunde. Nach Abzug der Förderung und der Steuerersparnis sind es 9,5 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist deutlich weniger als die 20 Rappen pro Kilowattstunde, die Haushalte in der Schweiz durchschnittlich für den Strom aus der Steckdose bezahlen. Somit lohnt es sich, den Solarstrom direkt selbst zu verbrauchen.

Die Überschussproduktion, die nicht direkt im Haus gebraucht werden kann, wird ins Stromnetz abgegeben. Dafür erhält man eine Vergütung – den sogenannten Einspeisetarif. Bei heute durchschnittlichen Strompreisen und Einspeisetarifen der Stromversorger können mit einer Photovoltaik-Anlage Renditen von knapp fünf Prozent auf das durchschnittlich gebundene Kapital erzielt werden.

Nach der Installation erfordern Photovoltaik-Anlagen nur wenig Unterhalt und Solarmodule haben meist 25 Jahre Garantie. Betriebskosten beinhalten typischerweise die Versicherung der Anlage, eine technische Wartung sowie Rückstellungen für den Wechselrichter. Man rechnet pauschal mit acht Franken pro Quadratmeter Solarfläche und Jahr.

In der Regel ist eine Anlage in weniger als zehn Jahren amortisiert. Mit dem Solarrechner von EnergieSchweiz kann die genaue Amortisationsdauer berechnet werden.

Energy Challenge 2018

Die Energy Challenge 2018 ist eine nationale Aktion von EnergieSchweiz und dem Bundesamt für Energie (BFE) rund um die Themen Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien. Das Ziel in diesem Jahr ist, dass die Schweizer Bevölkerung gemeinsam mit den Partnern der Energy Challenge 2018 gesamthaft 30 Millionen Kilowattstunden einspart. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Reportagen, Interviews, Energiespartipps und Quiz-Spielen. Mehr Infos gibt's in der kostenlosen Energy-Challenge-App für Android oder für iOS.

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