Aktualisiert 09.08.2011 09:12

US-SchuldenfiaskoWann gibts wieder ein «AAA» für die USA?

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den USA erstmals die Bestnote entzogen und die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit von «AAA» auf «AA+» gesenkt. Fragen und Antworten zu diesem Schritt.

Was hat S&P getan? Die Ratingagentur hat die Bewertung der langfristigen Kredite der US-Bundesregierung um eine Stufe von der Bestnote «AAA» auf «AA+» gesenkt. S&P erklärte, der politische Stillstand verhindere, dass das Land effektiv gegen das Schuldenproblem vorgehe.

Was bedeutet die Herabstufung? Eine Herabstufung ist eine Warnung an Käufer von Staatsanleihen und anderen Schuldverschreibungen, dass das Risiko eines Kreditausfalls leicht gestiegen ist. In der Theorie sollten Herabstufungen zu höheren Kosten für die Herausgeber von Anleihen führen, da die Anleger wegen des gesteigerten Risikos höhere Zinsen verlangen.

Bedeutet dies, dass die US-Zinsen steigen werden? Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren gelten als die Grundlage für die Zinsen aller anderen Kredite. Sollten also die Zinsen der langfristigen US-Staatsanleihen steigen, könnten sich auch die Kosten beispielsweise für Hypotheken und Überziehungskredite erhöhen. Das würde es auch für Kommunen, Unternehmer und Privatpersonen teurer machen, sich Geld zu leihen.

Noch ist jedoch unklar, ob die Anleger nach der Herabstufung ihre US-Anleihen verkaufen werden. Möglicherweise bleibt ein Effekt auf die Zinsen aus. Trotz des Verlusts der Bestnote gelten US-Staatsanleihen noch immer als eine der sichersten Anlagen überhaupt. Einige Investmentfonds könnten jedoch gezwungen sein, ihre US-Anleihen abzustossen, wenn ihre Statuten vorschreiben, dass sie lediglich mit «AAA» bewertete Papiere in ihren Portfolios haben dürfen.

Was tun die anderen Ratingagenturen? Die beiden anderen grossen Ratingagenturen, Moody's und Fitch, haben bislang nicht reagiert. Moody's hatte in der Vergangenheit zwar erklärt, möglicherweise werde man die USA herabstufen. Am Freitag sagte Moody's Chefvolkswirt jedoch, US-Anleihen seien «immer noch der Goldstandard».

Wie oft wurden die USA bereits unter «AAA» bewertet? Noch nie. Die USA wurden seit 1941 mit der Bestnote bewertet. 1995 standen sie jedoch bereits einmal kurz vor einer Herabstufung. Unter dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton drohte ebenfalls die Zahlungsunfähigkeit und die Ratingagenturen warnten vor einer Herabstufung.

Wie haben sich Herabstufungen in anderen Ländern bislang ausgewirkt? Im Mai 1998 stufte S&P Belgien, Italien und Spanien von «AAA» auf «AA» herunter. Eine Woche später hatten sich die Zinsen für ihre Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit kaum verändert.

Wie gross ist der Markt für US-Staatsanleihen? Mit 9,3 Billionen Dollar (6,5 Billionen Euro) ist der Markt für US-Anleihen deutlich grösser als der Markt für Papiere anderer Länder. Der tägliche Handel von US-Anleihen hat einen Umfang von 580 Milliarden Dollar (408 Milliarden Euro), weitaus mehr als britische Papiere mit 34 Milliarden Dollar (24 Milliarden Euro) und deutschen Anleihen mit 28 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro).

Wie lange wird es dauern, bis die USA ihre «AAA»-Bewertung zurückerhalten? Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Probleme gehen Analysten davon aus, dass es schwer für die USA wird, die Bestnote schnell wiederzugewinnen. Vertreter von S&P legten nahe, dass es Jahre dauern dürfte, bis sich die Haushaltssituation in den USA signifikant geändert hat. Bis Ende 2012 werden die gesamten Staatsschulden der USA einer Berechnung der Ratingagentur Fitch zufolge das Bruttoinlandsprodukt der USA übersteigen. Ein weiterer Anstieg der Schulden auf Bundes-, Staats- und Kommunalebene sei mit einer «AAA»-Bewertung nicht vereinbar, teilte Fitch mit. (dapd)

S&P schließt weitere Herabstufung der US-Bonität nicht aus

Die Ratingagentur Standard & Poor's hält es für möglich, dass es Jahre dauert, bis die USA ihre Topbonität zurückerhalten. Geschäftsführer John Chambers warnte am Sonntag zugleich, dass die US-Kreditwürdigkeit ein weiteres Mal heruntergestuft werden könnte. Dies könnte geschehen sollte sich die Finanzlage des Landes weiter verschlechtern. Die Chancen für einen solchen Schritt bezifferte er mit 1:3. «Wenn sich die fiskale Lage der USA weiter verschlechtert oder sich der politische Stillstand weiter verfestigt, dann könnte das zur Herabstufung führen», sagte Chambers dem Sender ABC. Die Agentur S&P hatte den USA am Freitag das bisherige AAA-Rating aberkannt und benotet ihre Bonität nunmehr leglich mit einem AA .

Chambers sagte, die Geschichte lehre, dass es bis zu einer Wiederhochstufung der USA eine ganze Weile dauern könne. Es habe Länder gegeben, die darauf bis zu 18 Jahre lang hätten warten müssen. Der politische Stillstand in Washington führe zur Schlussfolgerung, dass die politischen Macher nicht die Fähigkeit besässen, die öffentlichen Finanzen der USA auf eine «zukunftsfähige Basis» zu stellen. (sda)

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