Aktualisiert 06.07.2012 11:34

Fragen und Antworten

Wann kommt die Tor-Technik bei uns?

Die Einführung der Torlinien-Technologie im Fussball ist beschlossen. Was bedeutet das für Super League und Champions League?

von
Herbie Egli

Der 5. Juli 2012 wird in die Geschichte des Weltfussballs eingehen. Die Regelhüter des International Football Association Board IFAB haben am Fifa-Hauptsitz in Zürich entschieden, dass im Fussball technische Hilfsmittel zugelassen werden. Die Diskussion Tor oder nicht Tor gehört also bald der Vergangenheit an. Oder soll zumindest. Denn viele Fragen sind noch offen.

Was bedeutet dieser Entscheid?

Das IFAB mit seinen acht Mitgliedern hat sich «nur» auf die Einführung der Torlinien-Technologie geeinigt. Einstimmig übrigens. Eine spezielle Technik hat es aber nicht bestimmt. Jeder Verband auf dieser Welt kann sich also für eine von der Fifa zugelassene Technik festlegen. Aber nur, wenn er auch will. Die Einführung ist freiwillig, eine Pflicht besteht nicht. Gemäss Fifa-Boss Sepp Blatter wird die Technologie aber nur bei umstrittenen Torszenen zum Einsatz kommen. Andere Entscheide auf dem Platz wie Offside, Handspiel oder Penalty werden nicht mit Hilfsmitteln überwacht.

Welche Systeme stehen zur Verfügung?

Es sind zwei Technologien möglich, die während neun Monaten getestet wurden. Das aus dem Tennis bekannte «Hawk-Eye» stammt aus England. Bis zu sechs Kameras nehmen das Spielgeschehen auf und funken Bilder an einen zentralen Computer. Dieser berechnet aus der Bildersumme die Position des Balles und sendet bei einem Tor ein Signal auf die Armbanduhr des Schiedsrichters.

Das zweite System heisst «GoalRef» und wurde massgeblich in Deutschland entwickelt. Im Torrahmen wird dabei ein Magnetfeld erzeugt. Der Ball enthält drei Magnetspulen. Überschreitet der Ball die Torlinie, wird durch das Magnetfeld im Tor ein Magnetfeld im Ball aktiviert und ein zugeschalteter Computer sendet ein Signal auf die Armbanduhr des Schiedsrichters.

Wie viel kosten die Systeme und wer soll sie bezahlen?

Pro Stadion belaufen sich die Beschaffungskosten gemäss Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke auf 150 000 bis 200 000 Dollar. Er ist aber überzeugt, dass die Preise noch sinken werden. Experten gehen davon aus, dass «GoalRef» etwas günstiger sein wird als «Hawk-Eye». Bezahlen muss der jeweilige Veranstalter. Also bei einer WM die Fifa, bei einer EM die Uefa und in den nationalen Meisterschaften die Liga.

Wann wird die Technologie eingeführt?

Der Weltfussballverband Fifa setzt noch dieses Jahr auf die Torlinien-Technologie. Bei der Klub-WM im Dezember in Japan soll eines der beiden Systeme erstmals zum Einsatz kommen. Anschliessend wird «Hawk-Eye» oder «GoalRef» am Konföderationen-Cup 2013 in Brasilien und ein Jahr später bei der WM im gleichen Land zum Einsatz kommen.

Wann kommt die Torlinien-Technologie in der Super League?

Sicher nicht am 13. Juli beim Beginn der neuen Saison. Es sind noch viele Abklärungen nötig. Die Swiss Football League muss vor allem zwei Punkte diskutieren: Kosten und Umsetzbarkeit in den Stadien. «Nicht jeder Verein hat ein modernes Stadion, das den heutigen Ansprüchen genügt», sagt Philippe Guggisberg, Sprecher der Swiss Football League, zu 20 Minuten Online. Ebenfalls unklar ist, ob die Liga bei einer allfälligen technischen Umrüstung allein für die Kosten aufkommt oder diese auf den Verein abwälzt. Für Basel wäre das sicher ein kleineres Problem als für Lausanne.

Wann rüsten Europas Topligen auf?

Als erste Liga wird wohl Englands Premier League die Torlinien-Technologie einführen. Gemäss Alex Horne, Generalsekretär des englischen Fussballverbandes, könnte dies bereits in der zweiten Saisonhälfte der Fall sein. Bedingung dafür ist aber, dass jedes Stadion die Technologie bereitstellen kann und das System einwandfrei funktioniert.

In Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich wird wohl noch nicht so schnell mit technischen Hilfsmitteln über Tor oder nicht Tor entschieden. «Ich kann mir das frühestens zur Saison 2013/14 vorstellen», so Reinhard Rauball, der Chef der deutschen Fussball-Liga, zu «Bild». Und José Luis Astiazaran, Präsident der spanischen Liga, nannte den Entscheid gegenüber der «As» eine «Revolution» und sprach von einem wichtigen Schritt: «Das ist ein sehr positives Mittel für unseren Sport.» Wann die Technologie in der Primera Division eingesetzt werden könnte, habe man aber noch nicht besprochen.

Was bedeutet die Revolution für die Uefa?

Während Fifa-Boss Sepp Blatter als früherer Gegner der Torlinien-Technologie auf die Befürworterseite gewechselt ist, hält Uefa-Präsident Michel Platini weiterhin nichts von Technik in Fussball-Stadien. «Ich bin nicht nur gegen Torlinien-Technologie, sondern gegen Technologie an sich», so der frühere Spitzenfussballer. In der Champions League wird also wohl auch in absehbarer Zukunft keine Technik zum Einsatz kommen.

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