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Wann lohnt sich ein Plug-in-Hybrid?

Paul hat ausgerechnet, dass er einen Plug-in-Hybriden 100 Jahre fahren müsste, um die Mehrkosten für Fahrzeug und Ladestation daheim zu kompensieren.

von
Markus Peter, AVGS
23.12.2020

Frage von Paul ans AGVS-Expertenteam:

Autos mit Plug-in-Technologie sind derzeit sehr gefragt. Auch ich habe mir überlegt, einen Plug-in-Hybriden anzuschaffen. Nun habe ich nachgerechnet: Ich müsste für rund 6000 Franken eine Ladestation installieren. Dazu sind die Fahrzeuge teurer als herkömmliche Benzin- oder Dieselfahrzeuge – beim Wagen, der mich interessiert, sind es zwischen 10'000 und 15'000 Franken. Im Gegenzug würde ich im Jahr rund 200 bis 400 Franken weniger für Energie (Treibstoff und Strom) ausgeben. Ich fahre täglich rund 200 Kilometer. Nach meiner Berechnung müsste ich das Auto bis zu 100 Jahre fahren, um die Mehrkosten wieder hereinzuholen. Das geht doch nie auf oder sehe ich das falsch?

Antwort:

Lieber Paul

Spannende Frage, vielen Dank. Zunächst muss ich festhalten, dass es beim Plug-in-Hybriden ja nicht nur um finanzielle Aspekte geht, sondern auch um CO2-Emissionen. Ob ein solches Fahrzeug sowohl finanziell wie auch ökologisch Sinn ergibt, hängt stark davon ab, wie viel man jeweils am Stück fährt und ob es Lademöglichkeiten zu Hause, am Arbeitsplatz oder unterwegs gibt.

Wenn du täglich rund 200 Kilometer fährst, dürfte ein rein elektrischer Betrieb für dich keine Option sein.

Markus Peter, AVGS

Für das Klima lohnt sich ein Plug-in-Hybrid dann, wenn er möglichst oft rein elektrisch betrieben werden kann. Wenn du täglich rund 200 Kilometer fährst, dürfte ein rein elektrischer Betrieb für dich keine Option sein. Der Verbrennungsmotor wird also relativ häufig zum Einsatz kommen, ausser du hast die Möglichkeit, die Antriebsbatterie mehrmals am Tag wieder nachzuladen.

Letztlich ist der Plug-In-Hybrid zwar ein Alleskönner, der aber keine der Disziplinen gleich gut wie die Spezialisten kann: nicht im elektrischen Betrieb, weil er dem reinen Elektroauto bezüglich Reichweite und Preis hinterherhinkt, und nicht im konventionellen Antrieb, weil er teurer und schwerer ist. Man kann das mit einem All-Season-Reifen vergleichen, der auch immer einen Kompromiss darstellt.

Die doppelte und aufwendige Technik gibt es nicht umsonst, wie du in deiner Berechnung erkannt hast. Sie kommt heute oft als Ersatz der jeweils leistungsstärksten Version (zum Beispiel anstelle eines V6- oder V8-Verbrenners) zum Einsatz, um der mit SUV und 4x4 liebäugelnden Kundschaft eine gute Alternative anzubieten und gleichzeitig den wirksamsten Hebel zur Senkung der CO2-Flottenwerte zu haben.

Ein Plug-In sollte möglichst oft im Elektromodus betrieben werden.

Markus Peter, AVGS

Wenn man sich für einen Plug-In entscheidet, dann ist es natürlich massgebend, dass dieser möglichst oft im Elektromodus betrieben wird, was voraussetzt, dass die Batterie regelmässig nachgeladen wird. Das spart Kosten (da ein mit Strom gefahrener Kilometer in aller Regel günstiger ist als mit Benzin/Diesel) und senkt die CO2-Emissionen und die Umweltbelastung, sofern der Strom aus erneuerbarer Quelle stammt. Denn letztlich ist weniger die Antriebstechnologie an sich entscheidend, sondern die eingesetzte Energie.

Gute Fahrt!

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Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

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21 Kommentare
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Silent whip

24.12.2020, 16:44

Apple 🍏 soll für 2024 ein Elektroauto mit neuester Batterie-Technologie planen. Mittlerweile sei Apple 🍏 so weit fortgeschritten, dass ein Serienfahrzeug möglich ist, sagten die Insider der Reuters-Redaktion. Es bleibt spannend.

E-Guru

24.12.2020, 15:02

🔋 Laden ⚡️ in nur 5 Sekunden! ⏱ Abends Stecker rein, 🔌 morgens Stecker raus. 🔌 😉

E-Guru

24.12.2020, 15:02

Eine sehr gute Reportage kann man auf Netflix anschauen. 📺 Die von Netflix produzierte Serie heisst "Dirty Money" 💰 und in der ersten Staffel und in der ersten Episode "Hard NOx" geht es ausführlich um den Dieselgate-Skandal.