Dotcom-Bubble 2.0: Wann platzt die Facebook-Blase?
Aktualisiert

Dotcom-Bubble 2.0Wann platzt die Facebook-Blase?

Facebook kauft den Internet-Fotodienst Instagram – für 1 Milliarde Dollar. Ist diese kleine Firma wirklich so viel wert? Oder sind wir wieder so weit wie im Jahr 2000?

von
Sabina Sturzenegger
Ist da nur Luft drin? Mit dem Kauf von Instagram heizt Facebook neue Spekulationen über eine IT-Blase an. (Bild: Thinkstockphotos)

Ist da nur Luft drin? Mit dem Kauf von Instagram heizt Facebook neue Spekulationen über eine IT-Blase an. (Bild: Thinkstockphotos)

Wenn die Angst umgeht, eine neue IT-Blase könnte entstehen, ist meist Facebook involviert. Schon als Mark Zuckerberg mit dem Social-Network-Riesen seinen Börsengang angkündigte, fürchtete sich mancher vor einer neuen Dotcom-Blase. Eine Internet-Firma, die 100 Milliarden Dollar Wert sein soll – da kommen die Erinnerungen an die 2000er-Blase hoch.

Die neuste Angstwelle wurde durch die Meldung ausgelöst, dass Facebook den Fotosharing-Dienst Instagram für eine Milliarde Dollar kaufen will. «Dreht das Silicon Valley jetzt völlig durch?» fragte sich das deutsche «Handelsblatt» bereits. Eine Milliarde Dollar für Instagram, für «ein Mini-Unternehmen ohne Gewinn», scheine dann doch sehr viel Geld zu sein, so die Online-Zeitung.

Intransparente Bewertung von Instagram

Instagram beschäftigt in San Francisco zurzeit 13 Mitarbeiter und erzielt keinen nennenswerten Umsatz. Gemäss der «New York Times» und dem Online-Portal «AllThingsDigital» hat das Startup letzte Woche eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Dollar abgeschlossen, wobei eine Unternehmensbewertung von 500 Millionen Dollar zu Grunde gelegt wurde. Diese Zahlen sind weder offiziell noch will sich jemand auf sie berufen.

Auch die Analysten sind vorsichtig: «Die Transparenz ist bei Instagram nicht gross, da keine öffentlichen Finanzzahlen vorliegen», sagt Christian Fröhlich von der ZKB. Die Angst vor einer Blase sei deshalb nicht überraschend: «Eine Milliarde Dollar für Instagram erscheint auf den ersten Blick ein hoher Preis.»

Nicht vergleichbar mit 2000

Dennoch sieht Fröhlich im Moment keine klaren Hinweise auf eine Blasenbildung wie anno dazumal: «Vergleichbar mit der Blase im Jahr 2000 ist es sicher nicht. Heute sind die Bewertungen der neuen IT-Firmen nachvollziehbarer als damals, ihre Qualität ist viel besser. Firmen wie Facebook, aber auch der Social-Gaming-Anbieter Zynga machen Gewinn.»

Fröhlich weist aber auch darauf hin, dass man sich im IT-Bereich in einem riskanten Sektor befinde. «Es ist klar: Nicht alle dieser neugegründeten Internet-Firmen werden überleben. Die eine oder andere ist zudem sicher überbewertet.»

1 Milliarde für ein 18-monatiges Baby

Ob dies auch auf Instagram zutrifft, ist zumindest im Moment unklar. Die Milliarde Dollar, die Zuckerberg am Osterwochenende für das 18-monatige Baby gezahlt hat, lässt sich aber auch anders erklären: Er musste schnell handeln, Geld durfte keine Rolle spielen. Denn das grösste und erfolgreichste Social-Media-Netzwerk der Welt hat bis jetzt den Trend des mobilen Fotosharing-Booms verschlafen.

So war Facebook zwar von Beginn weg im App-Store inklusive Foto-Upload verfügbar, doch das Unternehmen musste sich zwei Jahre später vom Newcomer Instagram «die Butter vom Brot nehmen lassen», wie Internetexperte Nils Jacobsen schreibt. Wenige Wochen vor dem Börsengang habe Mark Zuckerberg deshalb das einzig Richtige gemacht, «echte CEO-Qualitäten» bewiesen und für sein Versäumnis «eine dicken Scheck» an Instagram ausgezahlt.

Einfach nur «cool»

Für andere ist die Kauf-Aktion von Facebook einfach nur «cool», so kurz vor dem Börsengang, wie Bloggerin Alexia Tsotsis twitterte. Zumindest für die Instagram-Investoren stimmt das, denn für sie hat sich Zuckerbergs Entscheid gelohnt: Sie haben ihren Einsatz innert einer Woche schlicht verdoppelt.

Ob Instagram von Facebook - entgegen den Beteuerungen von Zuckerberg und Systrom - geschluckt und vollständig integriert wird, und ob daraus jetzt «Facetagram» wird, wie es bereits auf verschiedenen Internet-Portalen heisst, ist vorerst zweitrangig.

Instagram: Foto-Schaufenster fürs Smartphone

Mit Smartphones ist es so einfach wie noch nie, Fotos immer und von überall miteinander zu teilen. Der Fotodienst Instagram eroberte in weniger als zwei Jahren eine starke Position in diesem Markt. Zu den Erfolgsgeheimnissen von Instagram gehören eine extrem einfache Bedienung und die Möglichkeit, Fotos mit Farbfiltern aufzupeppen.

Das Prinzip erinnert an den Kurznachrichtendienst Twitter, nur dass es hier ausschliesslich um Bilder geht. Man kann den Foto-Strom anderer Nutzer abonnieren und die eigenen Bilder entweder allen oder nur einem ausgewählten Bekanntenkreis zugänglich machen. Die Bilder können mit Ortsmarkierungen und Schlagwörtern versehen werden. Bislang konnte Instagram rund 30 Millionen Nutzer gewinnen.

Startschuss im September 2010

Gegründet wurde Instagram von Mike Krieger (links im Bild) und Ex-Google-Mitarbeiter Kevin Systrom im September 2010. Nach drei Monaten hatte der Dienst eine Million Nutzer, nach einem Jahr zehn Millionen. Vergangene Woche kamen allein mit dem Start der Android-Applikation auf einen Schlag eine weitere Million Anwender dazu. (sda)

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