Nachtshopping: «Wann soll ich denn sonst einkaufen?»
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Nachtshopping«Wann soll ich denn sonst einkaufen?»

Die Lockerung des Nachtarbeitsverbots bewegt die Gemüter. Die 20-Minuten-Leser begrüssen mehr Einkaufsmöglichkeiten, viele sorgen sich aber auch um das Personal.

von
jro
Sollen Tankstellenshops künftig auch nachts ihre Waren anbieten?

Sollen Tankstellenshops künftig auch nachts ihre Waren anbieten?

Laut den Befürwortern geht es am 22. September um die Wurst. Die Abstimmung über die Änderung des Arbeitsgesetzes bestimmt, was in Tankstellenshops an Verkehrswegen künftig zwischen ein und fünf Uhr verkauft werden darf – zum Beispiel Bratwürste. Bislang darf das Shopsortiment während dieser Nachtstunden nicht über die Ladentheke gehen, sondern lediglich Bistroprodukte.

In über 200 Kommentaren diskutierten die 20-Minuten-Leser heiss das Für und Wider der Vorlage – auch weil diese als richtungsweisend für andere Debatten empfunden wird. Viele machen sich für eine Abschaffung des Verbots stark. Fubar zum Beispiel: «Man sollte einfach den Markt spielen lassen. Gibt es an einem Standort das Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten, kann der Besitzer des Shops entscheiden.» Laut Leser Konsumenzler ist es für die Lockerung höchste Zeit. Er schreibt, dass die Schweiz dem Ausland hinterherhinke: «In anderen Ländern gibt es schon seit Jahrzehnten Lebensmittelläden, die rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche offen haben.»

Sorge um die Arbeitsbedingungen

Leser DinChef hingegen will an der Urne Nein stimmen. Er hält Einkaufsmöglichkeiten mitten in der Nacht für überflüssig: «Wer es im Zeitalter des Kühlschranks und des Tiefkühlers nicht schafft, zwischen 7 und 20 Uhr an Essen zu kommen, ist doch selber Schuld.» G. Pfund ist ebenfalls gegen die Lockerung, er sorgt sich um den Alltag der Angestellten: «Denkt von den Befürwortern auch nur einer ans Personal? Wohl kaum - oder sind Sie schon selber eine ganze Nacht hinter dem Ladentisch gestanden?»

Dass sich mit dem nächtlichen Tankstellenshopping etwas für die Verkäufer ändere, glaubt Leser Blacky Black nicht: «Das Personal ist ja schon vorhanden. Weder die Öffnungszeiten noch den Arbeitsschutz werden angetastet.» Auch Lara sieht keine Probleme auf die Verkäufer zukommen und kommentiert: «Die haben ja sowieso geöffnet - ich sehe nicht ein, weshalb die nur gewisse Produkte verkaufen können. Die Angestellten müssen keine Minute mehr arbeiten als sonst.»

«Wann soll ich denn sonst einkaufen?»

Leser Marcel Brügger befürchtet aber, dass Nachtarbeit schleichend zum Normalfall werden könnte. Vielleicht sei sie plötzlich keine vergütungswürdige Ausnahme mehr: «Alle, welche jetzt wenigstens Geld oder Zeitkompensation erhalten, müssten dann auch darauf verzichten.»

Weitere Lockerungen der Ladenöffnungszeiten werden derzeit vom Parlament diskutiert. So die Vorlage, dass Detailhändler werktags und am Samstag abends länger geöffnet wären. Leserin Maria Weigand wäre klar dafür: «Ich arbeite jeden Tag sehr lange. Wann soll ich denn einkaufen? Im Rest der Welt ist Sonntags- und 24-Stunden-Verkauf normal.» Auch Tom Bauer ist der Meinung, dass man Berufstätigen den Alltag erleichtern sollte: «Es gibt so viele Berufsgruppen, die abends und nachts arbeiten müssen. Wenn diese Leute schon die ungeliebten Arbeitszeiten auf sich nehmen, könnten sie doch auch eine Möglichkeit haben, ihre Einkäufe nach der Arbeit zu erledigen.» Als der Abendverkauf in Deutschland aufgekommen sei, habe er auch seine Zweifel gehabt, aber die Geschäfte seien nun mehr als gut besucht.

Gleiche Bedingungen wie in anderen Berufen

Eine Detailhandelsangestellte will dieses Argument hingegen nicht gelten lassen und schreibt: «Längere Öffnungszeiten sind total unnötig. Das Personal muss länger arbeiten, der Laden an sich macht jedoch kaum mehr Umsatz, weil sich die Kunden einfach anders verteilen.» Peter M. sieht das gleich: «Da wir ja nicht mehr kaufen sondern nur zu anderen Zeiten, deswegen aber mehr Leute angestellt sein müssen, werden die Produkte teurer oder die Verkäufer verdienen noch weniger.»

Leser Tommy kontert, dass das nichts mit der Diskussion zu tun haben sollte und das Verkaufspersonal dieselben Arbeitsszeiten hinnehmen müsste wie andere Berufe: «Du kannst auch keinen 100-Prozent-Job als Kellner, Barkeeper, Kondukteur, Polizist oder Krankenpfleger bekommen, wenn du nur von 8 bis 17 Uhr arbeiten willst.»

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