Aktualisiert 10.02.2013 17:56

Starker Franken

Wann verkauft die Nationalbank ihre Euros?

Der Euro-Kurs steigt, jetzt hätte die SNB die Chance, ihren gigantischen Währungsberg abzubauen. Noch ist davon nichts zu sehen.

von
Lukas Hässig

Das Fenster öffnete sich Anfang Januar. Plötzlich stieg der Euro-Kurs gegenüber dem Franken, von unter 1,21 auf kurzzeitig über 1,25 Franken. Die Schuldenkrise in Euro-Land schien gebannt, die Einheitswährung erholte sich. Als Folge davon liess der Druck auf den Franken nach.

Die Nationalbank-Zentrale konnte durchatmen. Nach über einem Jahr Euro-Anbindung schien deren Kalkül aufzugehen. Die Zeit war reif, einen Teil der aufgekauften Euro abzustossen. Denn: Mit jeder Milliarde Euro weniger auf der Bilanz würde das Klumpenrisiko der Schweiz abnehmen.

Angst vor Spekulanten?

Doch Euro-Verkäufe im grossen Stil sind leichter gesagt als getan. Tritt die SNB im grossen Stil als Verkäuferin von Euro auf, würde dies im Devisenmarkt sofort registriert. «Nati verkauft», würde es heissen, was Spekulanten auf eine neuerliche Schwäche des Euros auf den Plan rufen könnte.

Der SNB-Führung unter Notenbank-Chef Thomas Jordan bleibt nur vorsichtiges Abtasten des Marktes. Ein Versteckspiel mit den Hedgefunds hat begonnen. Die grossen Investoren beäugen die Notenbank, um herauszufinden, was diese vorhat.

Diese Woche publizierte die SNB neue Zahlen. Daraus lassen sich erste Schlüsse ziehen. Demnach hat die Zentralbank ihren Euro-Berg noch nicht im grossen Stil abgetragen. Entgegen der Erwartung, dass sie den höheren Euro-Kurs sofort zum Verkaufen nutzen würde, wartet die Nationalbank-Führung weiterhin ab.

Devisenberg ist weiterhin gigantisch hoch

Per Ende Januar meldete die SNB dem Internationalen Währungsfonds wie immer gewisse statistische Eckwerte. Unter Fremdwährungsreserven gab die Schweizer Notenbank 427 Milliarden Franken an. Das waren praktisch auf den Franken genau gleich viel wie im Vormonat per Ende Dezember 2012. Der Bestand an Devisen hatte sich somit im Januar, als sich der Euro innert kurzer Zeit um mehrere Rappen erholte, auf den ersten Blick nicht verändert.

Kleinere Anpassungen sind trotzdem denkbar. Ein stärkerer Euro würde den Berg an Einheitswährung in der Bilanz der SNB grösser machen, wenn nichts verkauft würde. Wenn also wie jetzt ersichtlich der Bestand gleich geblieben ist, dann könnte die Notenbank kleinere Euro-Verkäufe getätigt haben. Vielleicht hat sie ein wenig Euros verkauft und Dollars zugekauft.

Ein Ende der Euro-Anbindung wird immer dringlicher

Doch noch scheint das Kosmetik zu sein. Dass die Devisenbestände der Nationalbank im Januar mehr oder weniger unverändert blieben, lässt den Schluss zu, dass der Euro-Exit noch nicht richtig begonnen hat. Das ist die zentrale Erkenntnis der jetzt bekannt gewordenen Zahlen.

Somit stellt sich die Frage: Wenn die SNB solche Gelegenheiten wie im Januar nicht nutzt, wann will sie dann ihre gefährlich hohen Euro-Bestände abtragen? Jede noch so kleine Veränderung beim Euro führt zu Milliardenausschlägen in der Rechnung der Nationalbank. Sie ist ein Währungs-Hedgefund geworden, was nicht im Interesse des Landes sein kann.

Die SNB sollte langfristig berechenbare Gewinne erwirtschaften und keine riesigen Ausschläge in der Erfolgsrechnung ausweisen. Denn das schlägt über die Gewinnausschüttung an Bund und Kantone letztendlich auf die öffentlichen Finanzen durch.

Skeptische Börsenstrasse

Offenbar trauten die helvetischen Währungshüter mit Sitz an der Zürcher Börsenstrasse dem Januar-Aufschwung nicht, sondern betrachteten diesen als ein vorübergehendes Phänomen. Vermutlich hatten sie Recht mit ihrer Einschätzung. Von den Höchstständen Ende Januar hat sich der Euro bereits wieder entfernt. Am Freitagnachmittag lag er unter der Grenze von 1,23 Franken.

Äusserungen der SNB-Führung deuten nicht auf eine baldige Aufhebung der 1,20er-Untergrenze hin. Die Notenbank bleibt demnach skeptisch bezüglich der Lage im Euro-Raum. Dessen Erholung steht und fällt mit der Europäischen Zentralbank. Solange diese den verschuldeten Süden stützt, bleibt der Euro stabil. Doch das ist nur Hilfe auf Zeit. Eine nachhaltige Erholung braucht einen wirtschaftlichen Turnaround in Spanien, Griechenland und Italien. Davon ist noch wenig zu sehen.

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