Lieber Phil Geld: Wann zugreifen? Wo gibts Real-Time-Kurse?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldWann zugreifen? Wo gibts Real-Time-Kurse?

Der Börsengang von Facebook ist Tatsache: Adrian macht sich Gedanken, Aktien von Facebook zu kaufen. Wo kann er sie erwerben? Wo gibts Real-Time-Kurse? Lohnt sich dieses Investment?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht vor Studenten an der Harvard-Universität. Zuckerberg brach im Jahr 2004 das Harvard-Studium ab.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht vor Studenten an der Harvard-Universität. Zuckerberg brach im Jahr 2004 das Harvard-Studium ab.

Lieber Phil Geld,

Lohnt sich ein Kauf von Facebook-Aktien. Und ab wann soll man zugreifen? Was ist beim Aktienkauf zu beachten? Wo soll ich die Aktie kaufen? Wo kann man den Aktienkurs ohne Zeitverzögerung - das heisst «Real-Time» - verfolgen?

Lieber Adrian

So viel ist gewiss: Der 27-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird mit dem Börsengang zum Multimilliardär. Zumindest auf dem Papier. Er besitzt 28 Prozent der Aktien. Ebenso unbestritten ist: Facebook gilt innerhalb der Social-Media-Branche als klarer Marktführer. Die rund 850 Millionen Facebook-Nutzer sprechen für sich. Hier geht kein Nobody an die Börse. Ob allerdings der bereits im Vorfeld des «IPO» geschätzte Marktwert von 100 Milliarden Dollar gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wo wird die Aktie gehandelt?

Die Aktie wird an der Börse Nasdaq, an der New Yorker Wall Street, gehandelt (Kürzel: FB). Sie kann über alle Onlinebroker mit einem Maus-Click erworben werden. Selbstverständlich ist auch ein Kauf über deine Hausbank möglich. Dann sind die Gebühren allerdings höher. Vor allem dann, wenn du den Auftrag telefonisch oder am Schalter erteilst.

Wo kann der Kurs der Aktie ohne Zeitverzögerung mitverfolgt werden?

Der aktuelle Kurs der Facebook-Aktie kann unter anderem auf der Website von Google-Finance verfolgt werden. Am ersten Handelstag ist der Kursgewinn Punkt 17.51 Uhr (Schweizer Zeit) von anfänglich 12 Prozent auf 0 Prozent geschmolzen. Bei einem Wert von 38 Dollar pro Aktie ergibt sich eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 103,5 Milliarden Franken.

Weshalb ist die Bewertung so hoch?

Die Bewertung ist hoch - sie entspricht etwa dem 100-fachen Gewinn und dem 26-fachen Umsatz. Oder noch illustrativer: Jeder Facebook-Nutzer hat derzeit für die Investoren einen Wert von rund 100 Franken. Allerdings profitiert die Facebook-Aktie vom «Liebhaber-Effekt». Viele Investoren wollen die Aktie ungeachtet der wirtschaftlichen Erfolgschancen einfach besitzen.

Nur wohlhabende Kunden konnten im Vorfeld des Börsenganges Aktien zeichnen. Immerhin: Den schnellen Gewinn haben die Privilegierten nicht gemacht: Schliesslich wurden die Titel nicht zum Discount-Preis verscherbelt. Vor kurzem erklärte Zuckerberg den potentiellen Investoren in einer Werbetour - in der Financial Community «Roadshow» genannt - das Geschäftsmodell von Facebook.

Welche Erfolgschancen hat die FB-Aktie?

Wie schwierig das Börsenparkett gerade auch für Internetaktien ist, zeigte etwa die Publikumsöffnung des Rabatthändlers Groupon im November 2011. Seither hat die Aktie fast zwei Drittel an Wert eingebüsst. Es gibt aber auch positive Beispiele: So ist der Börsenwert des Karriereportals Linkedin innert Jahresfrist um 25 Prozent auf 12 Milliarden Dollar gestiegen. Der Wert von Google hat sich sogar seit dem Börsendebüt im Jahr 2004 vervierfacht. Der dominierende Online-Händler Amazon legte innerhalb von fünfzehn Jahren sogar über 9000 Prozent (!) zu. Viele andere Firmen wie Lycos, Fantastic Corporation oder Distefora kollabierten.

Dieses Schicksal wird Facebook nicht erleiden. Schliesslich hat das kalifornische Unternehmen nicht nur eine riesige Fangemeinde, es verdient auch viel Geld. Das vor acht Jahren gegründete Unternehmen hat 2011 ziemlich genau eine Milliarde Gewinn erzielt (40 Prozent mehr als im Vorjahr). Manche erinnern sich an die erste Internet-Euphorie vor der Jahrhundertwende, als profitable New-Economy-Firmen dünn gesät waren. Im vergangenen Jahr setzte Facebook 3,7 Milliarden Dollar um; 88 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Vier Fünftel des Umsatzes erzielt «FB» mit Werbung. Der Rest stammt aus Provisionen von Partnerfirmen. Wichtigster Partner ist der Spieleanbieter Zynga, der 12 Prozent des Umsatzes beiträgt.

Wo liegen die Risiken?

Der Name Facebook und die enorme Medienpräsenz führen dazu, dass die Aktie zu Beginn massiv überbewertet ist. Wer an den Erfolg von Facebook glaubt, sollte erst nach der ersten Ernüchterung auf tieferem Kursniveau zugreifen. Danach gilt es genau zu beobachten, wie sich die Nutzerzahlen, der Umsatz und der Gewinn entwickeln. Überall lauern Gefahren. So belastet die zunehmende mobile Nutzung den Werbeumsatz (FB plant deshalb ein App-Center). Oder Twitter könnte mittelfristig die Position von Facebook streitig machen. Der Börsengang von Twitter wird im nächsten Jahr erwartet. Nicht zu unterschätzen ist die Problematik des Datenschutzes und drohende staatliche Eingriffe.

Das Fazit?

Facebook zu nutzen dürfte wohl auch künftig für viel angenehmere Gefühle sorgen, als die Facebook-Aktie zu besitzen. Auf dieser Newsroom-Site informiert Zuckerberg aus erster Hand.

Sehenswert:

DOK: Die Facebook-Story

Mark Zuckerberg Inside Facebook (BBC) EN

Mark Zuckerberg in einem ausführlichen Interview EN

Timeline: Die Facebook-Story

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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