Armeelobby unter Feuer: War der Angriff auf den Bundesrat nur Käse?
Aktualisiert

Armeelobby unter FeuerWar der Angriff auf den Bundesrat nur Käse?

Neuste Runde in der Posse um den Chef der Armeelobby Giardino: Er habe die Bundesräte nicht an die Wand stellen, sondern bloss «mit Käse verschiessen» wollen, sagt Hermann Suter.

von
Simon Hehli
Nur Ueli Maurer ist der Armeelobby Giardino genehm - den Rest des Bundesrates wünscht sie sich ins Pfefferland.

Nur Ueli Maurer ist der Armeelobby Giardino genehm - den Rest des Bundesrates wünscht sie sich ins Pfefferland.

Wegen seiner Attacken auf den Bundesrat hat sich der Präsident des Armeelobby-Vereins Giardino Asche aufs Haupt gestreut: «In dieser Form war die Aussage absolut deplatziert, und ich entschuldige mich in aller Form dafür», wird er im «St. Galler Tagblatt» zitiert. Die WoZ hatte am Donnerstag berichtet, Suter habe gesagt, man sollte alle Bundesräte ausser Ueli Maurer erschiessen – und das mit einem Tondokument belegt.

Grund für seine verbale Entgleisung sei die anstehende Abstimmung über die Wehrpflicht, so Suter. Es gehe hier um die Zerstörung der Armee, und da würden die Leidenschaften mit einem durchgehen, versuchte er sich zu rechtfertigen. Wie die NZZ berichtet, hat er zudem beim Bundesrat für «diese abwegige Äusserung» um Verzeihung gebeten. CVP-Nationalrat Jakob Büchler reicht das nicht: Er verlangt, dass die Gruppe Giardino aus dem bürgerlichen Verein für eine sichere Schweiz, der sich gegen die GSoA-Initiative engagiert, ausgeschlossen wird.

Innerschweizer Stammtisch-Gepolter

Doch nun besinnt sich Suter, der gegenüber der NZZ die Aussagen zuerst bestritten hatte, plötzlich wieder anders: Auf ihrer Website schreibt die Gruppe Giardino, ihr Präsident habe gesagt, man solle mit Ausnahme von Maurer alle Bundesräte «mit heissem Käse verschiessen». Das sei eine in der Innerschweiz am Stammtisch gebräuchliche Redewendung, analog zu «ins Pfefferland wünschen». Tatsächlich lässt sich in der Audiodatei erahnen, dass die Aussage so gewesen sein dürfte.

Die WoZ habe die Aussage bewusst verzerrt, wirft Giardino dem linken Wochenblatt vor. Und geht in die Gegenoffensive: Der WoZ-Journalist habe journalistische Richtlinien verletzt, indem er sich ungefragt an die Stammtischgruppe gesetzt, sich nicht vorgestellt und ohne Suters Wissen dessen Worte aufgezeichnet habe. «Hermann Suter wurden seine Zitate nie zur Freigabe vorgelegt. (…) Hermann Suter hätte mit Sicherheit diese verkürzte Aussage korrigieren lassen», schreibt Giardino.

Umbringen ist umbringen

GSoA-Vertreter Jo Lang stösst wiederum die Rechtfertigungsstrategie von Giardino sauer auf: «Sie versuchen zu verschleiern und abzulenken.» Lang verweist darauf, was Suter gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» gesagt hat: «Üblicherweise sage ich dann, man sollte jemanden ‹mit heissem Käse ins Jenseits befördern›». Das mache die Sache nicht besser, so Lang, im Gegenteil: «Jemanden ins Jenseits befördern heisst umbringen.»

WoZ-Redaktor Dominik Gross, der Autor des Artikels, zitiert auf Twitter den Militärhistoriker Ruedi Jaun: «Heisser Käse» stehe in der Soldatensprache für Munition. Gegenüber 20 Minuten sagt Jaun jedoch, davon wisse er nichts. Offenbar wird es noch ein Weilchen dauern, bis sich der Pulverdampf um die Affäre Suter verzogen hat.

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