Bluttat in Würenlingen: War der Nachbar doch kein Zufallsopfer?
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Bluttat in WürenlingenWar der Nachbar doch kein Zufallsopfer?

Die Polizei glaubt, der Täter von Würenlingen habe den Tod von Nachbar Thierry K. nicht geplant. Doch laut Angehörigen hatten sich die beiden kurz zuvor heftig gestritten.

von
ann
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In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt.

In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt.

20 Minuten/ann
In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst.

In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst.

Keystone/Walter Bieri
Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters.

Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters.

20 Minuten/ann

Nachdem Simon B.* seinen Schwager und seine Schwiegereltern in Würenlingen AG erschossen hatte, soll er im Garten zufällig deren Nachbarn Thierry K.* begegnet sein. Dabei habe Simon B. auch Thierry K. erschossen, schrieb die Polizei in einer Pressemitteilung.

Nun widersprechen Angehörige des Opfers dieser Version und reden laut «Blick» von einer gezielten Racheaktion. Denn Thierry K. sei mit Simon B. kurz vor dessen Einweisung in die Psychiatrie in einen heftigen Streit geraten. Simon B. sei vor diesem Vorfall mehrfach im Wohnquartier in Würenlingen in seinem Auto gesessen und habe die Häuser angestarrt. «Den Nachbarn war er unheimlich», wird eine Angehörige von Thierry K. zitiert.

"Die Tatwaffe war nicht registriert"

Staatsanwaltschaft bestätigt Auseinandersetzung

Auch Thierry K. sei der Wagen aufgefallen. Als dieser am 21. März erneut auftauchte, habe er Simon B. angesprochen und gefragt, was er im Quartier wolle. Der spätere Schütze habe ihm unvermittelt gedroht und gesagt: «Ich weiss, wo du wohnst.»

Die Situation sei eskaliert und der Streit zwischen den beiden so heftig geworden, dass die Polizei kommen musste. Dies bestätigt die Aargauer Staatsanwaltschaft. «Der Täter war am 21. März in Würenlingen, wo es auf der Strasse zu einer Auseinandersetzung zwischen dem späteren Täter und dem Nachbarn kam.»

Drei Tage später, am 24. März, durchsuchte die Polizei die Wohnung von Simon B. Unklar ist, ob die Polizei wegen des Streits bei Simon B. vorstellig wurde. Die Staatsanwaltschaft in Schwyz will den Grund nicht nennen. Dennoch könnte Simon B. vermutet haben, dass Thierry K. der Auslöser für die Durchsuchung war. Und: Möglicherweise wollte er sich deshalb rächen. Die Angehörigen fordern darum, dass diese Fragen untersucht werden.

Öffentliche Trauerfeier für das ganze Dorf

Derweil will man in Würenlingen mit einer öffentlichen Trauerfeier der Opfer gedenken. Am Samstag um 14 Uhr lädt die Gemeinde die Dorfbevölkerung zu einer «schlichten Feier» ein. Die Gedenkveranstaltung findet in der Mehrzweckhalle Weissenstein statt, weil man mit vielen Teilnehmern rechnet.

Abdankungen nicht öffentlich

Die Feier wird von Pfarrer Matthijs van Zwieten de Blom von der reformierten Kirchgemeinde Rhein mit Seelsorger Guido Ducret von der katholischen Kirchgemeinde Würenlingen und Gemeindeammann André Zoppi gestaltet. Entsprechend soll die Feier nicht religiös sein, sondern «offen für alle», wie van Zwieten de Blom bestätigt. Man werde mit Musik, Blumen, Kerzen und Texten der Opfer gedenken.

Noch vor der Trauerfeier finden die persönlichen und nicht öffentlichen Abdankungen für die Opferfamilien in Würenlingen und Untersiggenthal statt.

*Namen der Redaktion bekannt

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