15.09.2020 02:48

Bezirksgericht Meilen War der Tod in der Badewanne ein Mord?

Ein IT-Spezialist aus Küsnacht soll seine geschiedene Frau in der Badewanne ertränkt haben. Dass der Fall vor Gericht kommt, ist der Versicherung zu verdanken.

von
Stefan Hohler
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Ein heute 50-jähriger IT-Spezialist aus Küsnacht muss sich im Oktober vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. 

Ein heute 50-jähriger IT-Spezialist aus Küsnacht muss sich im Oktober vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten.

KEYSTONE
Dem IT-Spezialisten wird vorgeworfen, im April 2014 seiner gehbehinderten geschiedenen Ehefrau in ihrer Wohnung heisses Wasser gegen den Rücken geschüttet zu haben. 

Dem IT-Spezialisten wird vorgeworfen, im April 2014 seiner gehbehinderten geschiedenen Ehefrau in ihrer Wohnung heisses Wasser gegen den Rücken geschüttet zu haben.

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Anschliessend brachte er die Frau ins Badezimmer, wo er sie entweder im Lavabo ertränkte (und sie dann in die Badewanne legte) oder sie in der Badewanne ertränkte. 

Anschliessend brachte er die Frau ins Badezimmer, wo er sie entweder im Lavabo ertränkte (und sie dann in die Badewanne legte) oder sie in der Badewanne ertränkte.

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Darum gehts

  • Während fünf Tagen wird im Oktober vor dem Bezirksgericht Meilen ein Mordprozess durchgeführt.
  • Angeklagt ist ein heute 50-jähriger IT-Spezialist aus Küsnacht, der seine Ex-Frau ermordet und schon vor der Tat einen Mordversuch an ihr verübt haben soll.
  • Der Mann bestreitet die Taten.

Dem heute 50-jährigen IT-Spezialisten aus Küsnacht wird vorgeworfen, im April 2014 seiner gehbehinderten geschiedenen Ehefrau in ihrer Wohnung heisses Wasser gegen den Rücken geschüttet zu haben. Anschliessend brachte er die Frau ins Badezimmer, wo er sie entweder im Lavabo ertränkte (und sie dann in die Badewanne legte) oder sie in der Badewanne ertränkte. Dann liess der Mann heisses Wasser in die Badewanne einlaufen, um einen Sturz in die Badewanne mit Ertrinken vorzutäuschen und eine unverdächtige Erklärung für die Verbrühungen zu geben. Im Oktober muss er sich vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten.

Schon zwei Jahre zuvor, im Dezember 2012, hat der Mann laut Anklageschrift versucht, seine Frau auf einer Finca in Mallorca zu töten. Zuerst schlug er der Frau mit der Faust heftig ins Gesicht, kurz darauf fuhr er auf dem Vorplatz des Hauses mit dem gemieteten Wagen gegen sie und zertrümmerte ihr die beiden Kniescheiben. Um die Tat als einen Sturz aus der Finca vorzutäuschen, liess er die schwer verletzte Frau liegen und ging ins Schlafzimmer im Obergeschoss, wo er das Fenster öffnete.

Erst zwei Stunden später rief er die Sanität an und sagte, dass seine Frau am Boden liege und einen epileptischen Anfall habe. Zudem führte er den aufgebotenen Pikettarzt absichtlich in eine falsche Richtung, um die medizinische Hilfe zu verzögern. Die Frau konnte sich später nicht mehr an die Tat erinnern, da sie neben den schweren Verletzungen auch eine Amnesie (Gedächtnisverlust) erlitten hatte.

Versicherung wurde misstrauisch

Dass der Fall überhaupt vor Gericht kommt, ist der Zurich-Versicherung zu verdanken. Zuerst gingen die Rechtsmediziner der Universität Zürich nämlich von einem Unfall aus – ertrinken nach einem Sturz ins heisse Badewasser, verursacht durch einen epileptischen Anfall. Daher stellte die Staatsanwaltschaft See/Oberland die Untersuchungen schon bald wieder ein.

Als der Mann bei der Zurich-Versicherung Anspruch auf die Jahre zuvor abgeschlossene Todesfallversicherung in der Höhe von 500’000 Franken erhob, wurde die Versicherungsgesellschaft misstrauisch und gab ein eigenes Gutachten in Auftrag. Dabei kamen das Institut für Rechtsmedizin Aarau und später das Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck zum Schluss, dass es bei dem Todesfall Fremdeinwirkung gegeben haben könnte.

Dank des Gutachtens nahm die auf Gewaltdelikte spezialisierte Staatsanwaltschaft Mitte 2015 die Ermittlungen wieder auf und ordnete im September 2016 Untersuchungshaft für den tatverdächtigen Ehemann an, die bis heute andauert.

Neues Gutachten im Fall Mallorca

Auch der Vorfall in Spanien wurde neu untersucht. Der Ehemann hatte den spanischen Rettungskräften gesagt, dass die Frau hysterisch geschrieen habe, sodass er glaubte, sie wollte dem gemeinsamen Kleinkind etwas antun. Daraufhin habe er sie in einen fensterlosen Raum eingesperrt und sei mit dem Kind davongefahren. Im Auto habe er dann den Notruf gewählt. Die Rettungssanitäter hätten ihm gesagt, dass seine Frau ausserhalb des Hauses gefunden worden sei und ein Fenster offen gestanden habe. Die spanischen Gerichtsmedizinerin kam zu Schluss, dass das Verletzungsbild der Frau zwar nicht typisch für einen Sturz aus dem Fenster sei, aber damit vereinbar.

Eine andere Version lieferte ein Gutachten der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik Zürich vom Mai 2016, welches von der Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte in Auftrag gegeben wurde. Die Verletzungen seien nicht mit einem Sturz aus dem Fenster, sondern mit dem Zusammenprall eines Autos vereinbar. Da der Zusammenstoss nicht mit hoher Geschwindigkeit erfolgt sein müsse, sei es gut möglich, dass man keine Schäden am Fahrzeug selbst sieht.

Tatmotiv ist für den Staatsanwalt die geplante Trennung durch Ehefrau und der Verlust der Obhut über das gemeinsame Kind. Die Frau habe geplant, wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Zudem sei die Frau zu einem lästigen Störfaktor in seinem beruflichen und privaten Leben geworden.

Neben dem Vorwurf des Mordes und des versuchten Mordes wird dem Beschuldigten auch Versicherungsbetrug in der Höhe von einer halben Million Franken vorgeworfen. Im Weiteren soll er eine Arbeitslosenkasse um rund 50’000 Franken betrogen haben. Das geforderte Strafmass wird der Staatsanwalt am Prozess bekannt geben. Die Öffentlichkeit ist am Prozess ausgeschlossen, nur die akkreditierten Medien sind zugelassen.

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