War die Kampusch-Mutter an der Entführung beteiligt?

Aktualisiert

War die Kampusch-Mutter an der Entführung beteiligt?

Ein Zivilgericht in Graz untersucht eine mögliche Komplizenschaft von Kampuschs Mutter Brigitta Sirny. Selbst der Vater fragt sich: Warum hat die Mutter zuerst Anzeige erstattet und ihn erst später über das Verschwinden der Tochter informiert?

Der pensionierte Richter Martin Wabl, der früher mit dem Fall betraut war, erklärte, dass Brigitte Sirny, die Mutter von Natascha Kampusch, an der Entführung und am sexuellen Missbrauch beteiligt gewesen sei.

Zunächst legte Wabl dar, wieso er nach wie vor an eine Mitschuld Sirnys glaubt. Er sagte, dass er schon beim Verschwinden des Mädchens vermutet habe, es handle sich «um keinen normalen Entführungsfall» (siehe Box). «Die Lösung liegt in der Familie», erklärt der pensionierte Staatsbeamte.

Vater entlastet Kampusch-Mutter nicht - im Gegenteil

Ludwig Koch, Nataschas Vater, erklärte der APA, er könne nicht sagen, ob er den Entführer Wolfgang Priklopil gekannt habe - und er bezweifelte auch, dass Sirny dies mit Bestimmtheit ausschliessen könne. Er schilderte, dass Sirny am Tag von Nataschas Verschwinden bereits eine Anzeige erstattet hatte, bevor sie ihn anrief. «Das hat mich im Nachhinein verwundert», so Koch.

Über seine ehemalige Lebensgefährtin sagte er: «Ich möchte nicht auf sie losgehen, ich möchte Klarheit». «Haben Sie den konkreten Verdacht, dass sie etwas mit der Sache zu tun hat?», fragte Richter Jürgen Schweiger. «Kann ich nicht sagen. Weder zu hundert Prozent ja noch zu hundert Prozent nein.»

Neunjährige Natascha nackt mit Peitsche fotografiert

Nachbarn berichteten bereits Wochen nach Kampuschs Entführung, wie die Scheidungsprobleme der Eltern die zehnjährige Natascha seelisch stark belastet hätten. Kurz bevor sie verschwand, soll die Polizei auch vier Farbfotos von Natascha Kampusch bekommen haben. Auf einem sei sie fast nackt gewesen - mit Stiefeln, Reitgerte und einem kurzen Top, das ihr bis zum Bauchnabel reichte. Auf einem anderen liege sie ebenfalls nackt in einer falschen Pelzstola eingewickelt auf einem Bett.

Auch Max Edelbacher, ehemaliger Leiter der Polizeigruppe, die sich um den Fall kümmerte, hält Natascha Kampusch für ein missbrauchtes Kind (20 Minuten Online berichtete). Er soll die Mutter als umtriebig beschrieben haben, mit vielen Männerbekanntschaften: «Die Männer im Umfeld der Mutter, besonders solche, die Kontakt zu Natascha gehabt haben, hätten sorgfältiger untersucht werden müssen.»

Brigitta Sirny hat die Vorwürfe energisch bestritten – wie auch Natascha Kampusch selbst. Zum Prozess kommt es auf Betreiben der Mutter. Sie will die Vorwürfe endgültig klären. Auch Natascha Kampusch hat ausgesagt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

(kle)

Wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens habe er sich mit Sirny getroffen, um seine Hilfe anzubieten. Eine Schwester von Natascha habe ihm erzählt, das Mädchen habe kurz zuvor stark zugenommen und begonnen, ins Bett zu machen. «Das deutete für mich auf einen sexuellen Missbrauch hin», sagte Wabl laut APA. Die Polizei habe diese Richtung zwar zunächst verfolgt, aber nach einem Gutachten, das keine Anzeichen dafür fand, sei die Spur fallen gelassen worden. Er sei irritiert gewesen, als Sirny schon bald erklärt habe, sie habe die Hoffnung aufgegeben. «Eine Mutter gibt die Hoffnung überhaupt nicht auf», sagte der pensionierte Richter.

Wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens habe er sich mit Sirny getroffen, um seine Hilfe anzubieten. Eine Schwester von Natascha habe ihm erzählt, das Mädchen habe kurz zuvor stark zugenommen und begonnen, ins Bett zu machen. «Das deutete für mich auf einen sexuellen Missbrauch hin», sagte Wabl laut APA. Die Polizei habe diese Richtung zwar zunächst verfolgt, aber nach einem Gutachten, das keine Anzeichen dafür fand, sei die Spur fallen gelassen worden. Er sei irritiert gewesen, als Sirny schon bald erklärt habe, sie habe die Hoffnung aufgegeben. «Eine Mutter gibt die Hoffnung überhaupt nicht auf», sagte der pensionierte Richter.

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