Aktualisiert 02.10.2018 06:29

Basel

War Prostituierten-Demo bloss ein PR-Gag?

Dass Prostituierte auf der Strasse für ihre Rechte demonstrieren ist eine Seltenheit. Beim Marsch in Basel standen möglicherweise andere Interessen im Hintergrund.

von
lb/las
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Am Mittwoch demonstrierten rund 20 Sex-Arbeiterinnen in Basel gegen die Schliessung von Sex-Betrieben.

Am Mittwoch demonstrierten rund 20 Sex-Arbeiterinnen in Basel gegen die Schliessung von Sex-Betrieben.

20 Minuten/las
Wegen der von ihnen getragenen T-Shirts mit dem Logo eines Sex-Portals wurden Vorwürfe laut, dass es sich nur um einen PR-Gag handle. Eine Leserin aus dem Milieu vermutet gar, dass die Frauen für ihren Auftritt Gegenleistungen erhielten.

Wegen der von ihnen getragenen T-Shirts mit dem Logo eines Sex-Portals wurden Vorwürfe laut, dass es sich nur um einen PR-Gag handle. Eine Leserin aus dem Milieu vermutet gar, dass die Frauen für ihren Auftritt Gegenleistungen erhielten.

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Marco Block (l.), Organisator der Demonstration und Betreiber der betroffenen Sex-Plattform dementiert die Vorwürfe vehement.

Marco Block (l.), Organisator der Demonstration und Betreiber der betroffenen Sex-Plattform dementiert die Vorwürfe vehement.

20 Minuten/las

Am Mittwoch zogen in Basel rund 20 Sex-Arbeiterinnen durch die Strassen, um gegen die Schliessung von Salons zu demonstrieren. Viele der Frauen trugen T-Shirts mit dem Logo einer Sex-Plattform, auf der sie ihre Dienste inserieren. Unter den Demonstrierenden befand sich am Mittwoch auch Marco Block, der Betreiber dieser Plattform. Er war auch Organisator der Demo.

Verschiedene Medien kritisierten daraufhin, dass der Protest gar nicht der schlechten Arbeitssituation der Frauen gelte, sondern lediglich ein PR-Gag des Sex-Portals sei. Diesen Vorwurf äussert auch eine Leserin, die sich im Milieu auskennt. Sie vermutet gar, dass den Frauen für ihre Teilnahme am Marsch Gegenleistungen geboten wurden.

Marco Block dementiert dies auf Anfrage von 20 Minuten: «Niemand hat etwas gratis bekommen», sagt er. Die Werbung auf den Shirts soll ihn für seinen Aufwand entschädigen, den er in die Organisation gesteckt habe. Am Ende sei es aber auch in seinem Interesse, dass die Frauen in Basel arbeiten dürfen.

Legte Vanessa nicht alle Karten auf den Tisch?

Vanessa, eine Sex-Arbeiterin aus Ungarn, klagte vor den Medien ihr Leid. Sie sei aus Basel vertrieben worden und arbeite nun in Luzern, dabei würde sie gerne nach Basel zurückkehren.

Die Leserin, die den Protest kritisiert, hegt allerdings Zweifel an dieser Geschichte. Recherchen von 20 Minuten ergaben nun, dass es einen Sex-Betrieb in Basel gibt, der mit Vanessa wirbt. Er trägt nicht nur ihren Namen, sondern buhlt auch mit eindeutigen Bildern von ihr um Freier. Auch telefonisch ist Vanessa unter der Nummer des Basler Betriebs erreichbar. Diese Informationen stehen im Widerspruch zu ihrem Klagelied vom Mittwoch.

Damit konfrontiert sagt sie, dass das Studio von einem Freund betrieben werde, dessen Namen sie nicht nennen wolle. Ihr Name sei dabei nur Marketing. Weshalb allerdings auf der Webseite des Betriebs mit Bildern einer Sex-Arbeiterin geworben wird, die dort gar nicht tätig ist, bleibt offen. Auch auf die Frage, wieso sie nicht in dem Studio arbeiten könne, wenn es schon ihren Namen trägt, bleibt Vanessa die Antwort schuldig.

Verbindungen zum FKK

Die Leserin behauptet ausserdem, dass Marco Block und der ehemalige Betreiber des FKK Basel, das seit Jahren gegen die Schliessung kämpft. Er distanzierte sich jedoch von Anfang an von der Demonstration.

Ein Blick ins Handelsregister des Kantons Aargau zeigt, dass zwischen den beiden Männern durchaus geschäftliche Verbindungen bestehen: Sie stehen gemeinsam hinter einer Firma, die laut Eintrag neben dem Vertrieb von IT-Lösungen auch den Betrieb einer Marketing-Agentur bezweckt. Zudem werden beide vom selben Anwalt vertreten.

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