Getötetes Ehepaar: Waren dubiose Geschäfte das Tötungsmotiv?
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Getötetes EhepaarWaren dubiose Geschäfte das Tötungsmotiv?

Die Polizei ermittelt weiter zum Tötungsdelikt in Laupen. Das getötete Ehepaar wurde offenbar nicht Opfer von Einbrechern. Bekannte spekulieren über das Motiv.

von
S. Mühlemann/ N. Ellis

Das Städtli Laupen steht unter Schock: Am frühen Freitagabend war das Ehepaar S.* tot in seinem Haus aufgefunden worden. «Beide Verstorbenen wurden Opfer eines Tötungsdelikts. Ein Einbruch ist gemäss aktuellem Ermittlungsstand nicht wahrscheinlich», sagt Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Ein erweiterter Suizid steht ebenfalls nicht im Fokus der Ermittlungen.

Am Sonntag ging die Arbeit der Spurensicherung vor Ort weiter. Die Spezialisten arbeiteten rund um die alte Käserei, auf deren Vorplatz noch immer ein weisses Zelt steht, und suchten das Ufer der Sense ab. «Ermittlungen zur Todesursache laufen», sagt Gnägi weiter.

«Die Dorfbewohner sind erschüttert»

Der getötete G. S.* war 75 Jahre alt, seine Frau G. K.* 64 Jahre. Sie waren vor zwei Jahren ins Dorf gezogen, nachdem sie die alte Käserei gekauft hatten. «Die Dorfbewohner sind erschüttert, dass so etwas Schreckliches an diesem beschaulichen Ort passiert ist», sagt Gemeindepräsident Urs Balsiger. Es herrsche eine gewisse Nervosität, weil man nicht wisse, was genau geschehen sei und wer dafür verantwortlich sei.

Das Tötungsdelikt war am Sonntagnachmittag das Gesprächsthema Nummer eins in Laupen: «Das Ganze ist aus dem Nichts heraus passiert und hat uns alle sehr verunsichert», erzählt ein Jugendlicher. Nun spekuliert man in Laupen, was wohl geschehen sei – viele gehen von einem Familiendrama aus. «Ich hoffe daher, dass man bald erfährt, was passiert ist», so der Teenager. Einige Spaziergänger in der Nähe des Tatorts erzählen, dass die Nachricht vom Tod der beiden schnell die Runde gemacht habe. Sie haben das Ehepaar als gesellig in Erinnerung: «Wir können uns gar nicht vorstellen, was passiert sein könnte.»

Laut einem Geschäftspartner des verstorbenen Ehepaars war die Frau bereits längere Zeit schwer krank, ihr Mann habe sie gepflegt. «Die beiden gingen durch dick und dünn», so der Geschäftspartner gegenüber 20 Minuten. Es sei für ihn unvorstellbar, dass einer der beiden dem anderen und sich selber etwas angetan haben könnte. «G. S. war ein sehr lebensbejahender Mensch und noch fit.» Das Delikt sei ihm ein Rätsel. «G. war ein lieber Mensch, ich kann mir nicht vorstellen, dass er Feinde hatte.»

Dubiose Geschäfte getätigt?

Ganz andere Erfahrungen will jedoch H.* gemacht haben, der vor gut einem Jahrzehnt mit G. S. zu tun hatte. G. S. und seine Partnerin G. K. hatten damals das Thermalbad in Lostorf SO übernommen. Sie gerieten laut verschiedenen Medienberichten aus dieser Zeit mit den Eigentümern der Wohnungen über dem Thermalbad in Streit. Wenige Jahre später ging das Paar mit der Firma Konkurs, wie die Einträge im Handelsregister zeigen. Die Firma lief auf den Namen der Ehefrau, G. S. waltete aber als Auskunftsperson.

Einer der Wohnungseigentümer, der mit dem Paar in Streit lag, ist H. – aus Angst will er anonym bleiben. «G. S. trat gegenüber den Eigentümern vehement auf und sprach Drohungen aus. Seine Geschäfte waren dubios, so wollte er etwa ein Puff im Thermalbad einrichten und pflegte Kontakte zu Zuhältern», erzählt H. Diese Gerüchte hatte G. S. damals dementiert.

Weiter habe G. S. stets Bündel mit Bargeld bei sich getragen und erzählt, dass er für die Uno arbeite, so H. weiter. «All diese Geschichten erschienen uns undurchsichtig.» Er habe viel Zeit gebraucht, um die Erlebnisse und die Drohungen zu verarbeiten. «Ich denke, dass das Paar von seiner Vergangenheit eingeholt wurde», so H. über das Tötungsdelikt von Laupen.

Die Kantonspolizei Bern sucht Zeugen, die vergangene Woche rund um die Liegenschaft an der Bösingenstrasse verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

* Namen der Redaktion bekannt

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