9.90 Fr. pro FFP2-Maske: Waren Preise der Masken-Millionäre Wucher?
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9.90 Fr. pro FFP2-MaskeWaren Preise der Masken-Millionäre Wucher?

Eine Firma von Jung-SVPlern verdiente im März mit Masken Millionen. Andere Händler wittern Wucher. Dabei gab es noch teurere Offerten als jene der Jungunternehmer.

von
Pascal Michel
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Bei den Gründern der Emix handelt es sich um Mitglieder der Jungen SVP. Hier stehen sie neben Christoph Blocher und Camille Lothe.

Bei den Gründern der Emix handelt es sich um Mitglieder der Jungen SVP. Hier stehen sie neben Christoph Blocher und Camille Lothe.

Ein Bericht des Bundes zeigt nun erstmals, wie viel Geld die Armeeapotheke zwischen Januar und Juni für Schutzmaterial ausgegeben hat.

Ein Bericht des Bundes zeigt nun erstmals, wie viel Geld die Armeeapotheke zwischen Januar und Juni für Schutzmaterial ausgegeben hat.

REUTERS
Die Emix GmbH konnte Masken für 22,6 Millionen Franken verkaufen.

Die Emix GmbH konnte Masken für 22,6 Millionen Franken verkaufen.

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Darum gehts

  • Erstmals zeigt ein Bericht, wer bei den Maskenlieferungen zum Zug kam.

  • Die Firma Emix etwa konnte für 22,6 Millionen Franken Masken verkaufen.

  • Andere Händler sprechen bei Preisen von 9.90 Franken für eine FFP2-Maske von «Wucher».

  • Der Bund betont, der Preis habe sich im definierten Rahmen bewegt.

  • Ein Luzerner Jurist hat nun Strafanzeige eingereicht.

Mitte März schlug die Armeeapotheke Alarm. Sie war vom Bundesrat beauftragt worden, die Versorgung mit medizinischen Gütern zu sichern, also mit Masken, PCR-Tests oder Beatmungsgeräten.

«(...) Es wurden bereits jetzt in mehreren Kantonen die Masken knapp. Auf nationaler Ebene bestand bei den Masken noch Reserven für ca. vier Wochen», heisst es im Beschaffungsbericht für den Zeitraum Mitte März. Der Bericht gibt erstmals Einblick in die Maskenbeschaffung des Bundes in der ersten Corona-Welle.

Der Bund sah sich damals unter Zugzwang, die Maskenvorräte aufzustocken. Bei den FFP2-Masken berücksichtigte er Mitte März einen Schweizer Lieferanten: die Zuger Firma Emix Trading GmbH. Dahinter stehen unter anderen zwei Jung-SVPler, die für Aufsehen sorgten, als bekannt wurde, dass sie ihre Gewinne in einen Bentley und einen Ferrari investiert hatten.

Masken für 22,6 Millionen Franken

Die Emix lieferte in jener Woche Mitte März 400’000 FFP2-Masken Typ TE YIN FFP zu 9.90 Franken respektive 460’060 Stück à 9.50 Franken. Gesamtumsatz der zwei Positionen: 8,3 Millionen Franken. Eine Woche später konnte Emix nochmals über 10 Millionen Hygienemasken à 85 Rappen liefern.

Der Beschaffungsbericht gibt nun einen detaillierten Einblick in die Geschäfte der Emix mit dem Bund. Insgesamt konnte die Firma für rund 22,6 Millionen Franken Material liefern. Die fünf aufgeführten Positionen datieren alle zwischen Anfang und Ende März. Damals führte die grosse Nachfrage zu explodierenden Preisen.

Andere kauften für 2.40 Franken pro Maske ein

Ein Händler, der schon im Frühjahr für namhafte Grosskonzerne Masken importiert hatte, spricht bei Preisen von 9.50 pro Maske von «Wucher». Zwar treffe es zu, dass damals zertifizierte Masken von hoher Qualität rar gewesen seien. Dass der Bund aber zu diesen Preisen zugeschlagen habe, sei unverständlich.

Er selbst habe im März FFP2-Masken für 2.40 bis 2.80 Franken bei Schweizer Importeuren und Händlern eingekauft. Der Verkaufspreis habe er dann bei 3.25 Franken festgesetzt.

«Unverschämt» findet die Preise der Emix auch Riccarda Mecklenburg. Sie hatte am 7. April in China eine Offerte für 10’000 geprüfte FFP2-Masken eingeholt – zum Preis von 1.95 Euro pro Stück, Lieferkosten nicht eingerechnet. Das Geld für die Bestellung sammelte sie mit dem Projekt Maskenfueralle per Crowdfunding. Diese Masken aus dieser Lieferung verkaufte sie anschliessend für 2.80 Franken pro Stück.

Screenshot

Auch wenn die Situation im März und damit die Preise nicht ganz vergleichbar sind, ist sie sich sicher: «Im März haben sich einige findige Tempörar-Händler dumm und dämlich verdient.»

Gewinne in Millionenhöhe

Zur Erinnerung: In der Kalenderwoche 12 kaufte die Armeeapotheke bei Emix 400’000 Stück der «Atemschutzmaske TE YIN FFP2 NR, ohne Ventil» für 9.90 Franken pro Maske. Kostenpunkt insgesamt: 3,96 Millionen Franken.

Wenn man davon ausginge, dass sie die Masken für 2.40 eingekauft hätten, ergibt sich ein Ertrag beim Verkaufspreis von 9.90 Franken rund drei Millionen Franken allein für dieses Geschäft.

Die Köpfe hinter der Emix GmbH dürften mit ihren Maskendeals also mehrere Millionen Franken verdient haben. Emix liess am Donnerstag auf Anfrage verlauten: «Die Emix Trading AG nimmt zur Kenntnis, dass gemäss dem Bericht des VBS die Beschaffung der medizinischen Güter in der damaligen angespannten Situation den staatlichen Vorgaben entsprach und die Einkäufe zu Marktpreisen erfolgten.»
Brigadier Markus Näf verteidigte am Donnerstag den Maskenkauf bei der Emix GmbH. «Selbstverständlich waren diese Masken teuer. Aber der Preis lag im vorgegebenen Kreditrahmen.»

Bei den vom Bund kalkulierten Preisen rangierte Emix tatsächlich noch im Rahmen kratzte jedoch mit 9.90 Franken für eine FFP2-Maske am oberen Limit, wie diese Grafik aus dem Beschaffungsbericht zeigt.

Beschaffungsbericht

Zudem gingen beim Bund in der Kalenderwoche 12 noch deutlich teurere Offerten ein.

Beschaffungsbericht

Strafanzeige eingereicht

Bleibt die Frage: Wucher oder nicht? Dies will der Luzerner Jurist Loris Fabrizio Mainardi geklärt haben und hat am Donnerstag eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Zug eingereicht. Er sieht den Tatbestand des Wuchers (Art. 157 StGB) erfüllt. «Es besteht der Verdacht, dass die Emix GmbH bzw. deren Gesellschafter den Beschaffungsnotstand der Eidgenossenschaft ausgenützt haben», schreibt er. Zu 20 Minuten sagt er: «Weder die Firma noch der Bund wird freiwillig alle Details beziehungsweise den Einkaufspreis der Maskenhändler auf den Tisch legen. Das müssen die Strafuntersuchungsbehörden klären.»

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Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

155 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Marktwirtschaftler

04.12.2020, 20:59

Merkwürdig, da sprechen alle plötzlich von Wucher. Bei der Pharmabranche mockiert sich aber niemand über exorbitante Branchen. Wenn dort ein Unternehmen Miliarden Gewinne erzielen, auf Kosten der Krankenkassen, wird das als normal angeschaut. Die beiden machten das, was professionelle Unternehmen eben machen. Das ist Marktwirtschaft.

Flo

04.12.2020, 19:02

Angebot und Nachfrage. Es bestand kein Kaufzwang.

Lo Go

04.12.2020, 11:47

Bei der SVP muss man froh sein, wenn etwas nur ein paar Millionen kostet.