Aktualisiert 15.01.2015 12:38

Klimawandel schuld?

Warmer Winter lässt die Ernte-Termine purzeln

Rettich oder Salat: Der warme Winter am Bodensee bringt die Termine für Gemüsebauern komplett durcheinander.

von
jeh
Gemüsebauer Filipp Fässler (59) kann bereits jetzt Nüsslisalat ernten, der eigentlich für Februar geplant war.

Gemüsebauer Filipp Fässler (59) kann bereits jetzt Nüsslisalat ernten, der eigentlich für Februar geplant war.

Seit 32 Jahren baut Filipp Fässler in der Region rund um Goldach Gemüse an. Doch diese Erntesaison sei «nicht normal», wie er gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» sagt. So werden zum Beispiel die Rettiche normalerweise Ende November geerntet. Doch weil das Wetter unüblich warm war, viel Niederschlag fiel und kein Bodenfrost einsetzte, wurde die Ernte auf kurz vor Weihnachten verschoben. Zu diesem Zeitpunkt setzte allerdings starker Schneefall ein, der eine schützende Schicht über die Erde legte. Einige Rettiche konnte man zwar ernten, doch ein Teil blieb unter der Schneeschicht liegen. Diese musste Fässler aber nicht etwa umpflügen, sondern konnte sie in tadellosem Zustand am 10. Januar aus der Erde ziehen.

Laut Fässler treten ähnlich warme Winter seit dem Jahrhundertsommer 2003 ein. Damals zog eine Hitzewelle über Europa, die der Schweiz Temperaturen von bis zu 40 Grad brachte. «Seither hat sich das Klima bei uns nicht mehr normalisiert», sagt der Gemüseproduzent. So habe er zum Beispiel am 10. Januar des neuen Jahres 16.4 Grad gemessen. «So etwas habe ich noch nie erlebt», so Fässler.

Früher Nüssli-Salat

Ein ähnliches Phänomen wie bei den Rettichen stellt der 59-jährige Gemüseproduzent momentan beim Nüsslisalat fest, den er bereits jetzt schneidet. «Geplant war die Ernte eigentlich erst für Februar», sagt Fässler. Doch nun musste er den Salat, den er erst im Oktober gesetzt hatte, viel früher ernten. «Weil es im November und Dezember zu mild war und viel regnete, mussten wir den für Weihnachten vorgesehen Nüssli-Salat bereits Anfang Dezember und den für Neujahr bereits Mitte Monat ernten», so der 59-Jährige.

Laut Gemüseproduzent Fässler sind die verfrühten Ernten eine gute Sache. «Wir erzielen damit natürlich mehr Umsatz», sagt er. Die warmen Winter können allerdings auch einen Mehraufwand bedeuten: Um die wegen des Niederschlags durchnässten Böden zu schonen, muss der Produzent auf den Einsatz von schweren Maschinen verzichten. Dieser Aufwand lohne sich aber, weil die Bodenstruktur gut bleibe und somit die Erträge besser werden.

Klimaerwärmung als Ursache?

Damit sich Fässler auf Wetteränderungen einstellen und vorbereiten kann, vertraut er seit einiger Zeit nicht mehr auf die fixen Ernte-Termine, sondern stellt sich gemäss Wetterberichten auf seine Arbeit ein. «Ich muss dadurch zwar viel flexibler sein, doch am Ende lohnt es sich», sagt der 59-Jährige.

Diesen Rat hat auch Jakob Rohrer, Lehrbeauftragter für Landwirtschafts-Ausbildungen am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. «Gemüse- und Obstbauern müssen für Wetterveränderungen gerüstet sein», sagt Rohrer. Dies liege an den immer wärmer werdenden Wintern. «Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen – das sind Auswirkungen des Klimawandels», so Jakob Rohrer.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.