Aktualisiert 23.07.2018 13:46

Mycoplasma genitaliumWarnung vor unbekannter Geschlechtskrankheit

In der Schweiz nehmen Ansteckungen mit Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien seit einigen Jahren zu. Nun warnen Ärzte vor einer weiteren Krankheit.

von
jcg
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Die schönste Nebensache der Welt kann schlimme Folgen haben.

Die schönste Nebensache der Welt kann schlimme Folgen haben.

iStock/Jacob Wackerhausen
Wer sich nicht entsprechend schützt, kann sich mit einer Geschlechtskrankheit infizieren – beispielsweise mit Mycoplasma genitalium.

Wer sich nicht entsprechend schützt, kann sich mit einer Geschlechtskrankheit infizieren – beispielsweise mit Mycoplasma genitalium.

iStock/Dr_microbe
Da diese Krankheit im Gegensatz zu Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien kaum bekannt ist, haben britische Ärzte nun neue Richtlinien für die Diagnose und Behandlung von Mycoplasma genitalium herausgegeben.

Da diese Krankheit im Gegensatz zu Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien kaum bekannt ist, haben britische Ärzte nun neue Richtlinien für die Diagnose und Behandlung von Mycoplasma genitalium herausgegeben.

iStock/Amandalewis

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist aus Prinzip eine schlechte Idee. Denn während die Zahl der HIV-Fälle hierzulande stabil bleibt, wurden in den letzten Jahren zum Teil deutlich mehr Fälle von Ansteckungen mit Gonorrhö (Tripper), Syphilis und Chlamydien gezählt. Vermehrt werden auch Fälle von Gonorrhö registriert, bei denen die üblichen Antibiotika nicht mehr helfen.

Nun warnen britische Ärzte vor einer weiteren bisher kaum bekannten Geschlechtskrankheit. Übertragen wird sie durch das Bakterium Mycoplasma genitalium, das bei Männer und Frauen eine Harnröhrenentzündung auslöst. Die Symptome gleichen jenen einer Chlamydiose und äussern sich vor allem durch Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie durch durchsichtigen bis eitrigen Ausfluss aus der Scheide oder der Harnröhre. Es gibt dabei auch Männer und Frauen, die zwar Träger des Bakteriums sind, jedoch kein Symptome zeigen.

Unfruchtbarkeit droht

Unbehandelt kann die Krankheit bei Frauen unter anderem zu Entzündungen von Becken, Gebärmutterhals, Gebärmutter und Eileitern führen. Im schlimmsten Fall droht Unfruchtbarkeit. Auch Männer können durch Verklebung der Samenleiter unfruchtbar werden. Werden die Erreger in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen, können ein niedriges Geburtsgewicht und eine Frühgeburt die Folgen sein.

Ein grosses Problem im Zusammenhang mit Mycoplasma genitalium ist laut den Experten der britischen Gesellschaft für Sexualgesundheit und HIV (BASHH), dass die Krankheit oft übersehen oder fälschlicherweise für eine andere Geschlechtskrankheit wie Chlamydiose gehalten werde. Das sei nicht zuletzt darum ein Problem, weil eine falsche Behandlung zu einer Antibiotika-Resistenz führen könne. Bereits jetzt sind laut der Deutschen AIDS-Hilfe Resistenzen gegen das üblicherweise verwendete Azythromycin ein Problem.

Kondome einpacken

Die BASHH hat nun neue Richtlinien für die Diagnose und Behandlung von Mycoplasma genitalium herausgegeben. Damit sollen Fachpersonen unter anderem auf ein neu entwickeltes Testverfahren aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig soll auch die Bevölkerung sensibilisiert werden.

Peter Greenhouse, Mitglied der BASHH, sagte gegenüber der BBC: «Es ist an der Zeit, dass die Bevölkerung über Mycoplasma genitalium Bescheid weiss.» Und er fügte an: «Es ist ein weiterer guter Grund dafür, Kondome für die Sommerferien einzupacken – und sie auch zu nutzen.» Denn wie bei jeder sexuell übertragbaren Krankheit bietet auch bei Mycoplasma genitalium der Gebrauch von Kondomen den besten Schutz.

1 bis 3 Prozent sind Träger

In der Schweiz wird bei etwa 10 bis 35 Prozent der Patienten mit einer Harnröhrenentzündung, die nicht durch Gonokokken oder Chlamydien verursacht wird, eine Infektion mit Mycoplasma genitalium diagnostiziert, wie Siegfried Borelli, Leitender Arzt am Dermatologischen Ambulatorium des Zürcher Stadtspitals Triemli, erklärt. Etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung seien Träger des Bakteriums, bei bis zu 70 Prozent von diesen zeigten sich Symptome, so Borelli weiter.

Ob es zu einer Zunahme gekommen ist, sei schwer zu sagen, da Mycoplasma genitalium laut Borelli erst seit 1980 bekannt ist und seit wenigen Jahren zunehmend systematisch gesucht wird.

Dr. med. Siegfried Borelli ist Leitender Arzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli, Zürich.

So wird Mycoplasma genitalium behandelt

Lässt sich der Erreger mit Azithromycin behandeln erhält der Patient am ersten Tag 500 Milligramm, vom zweiten bis zum fünften Tag jeweils 250 Milligramm. Handelt es sich um einen resistenten Stamm greifen Ärzte auf das Antibiotikum Moxifloxacin zurück. Davon erhält der Patient für 7 bis 10 Tage je 400 Milligramm. Wichtig ist, dass auch Sexualpartner informiert, untersucht und gegebenenfalls behandelt werden, wie Siegfried Borelli betont.

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