10.03.2020 13:37

Hollywood und CoronaWars das jetzt mit «Black Widow»?

Bond verschoben, Pixar floppt, Filmfestivals vor dem Aus: Die Kinobranche leidet unter dem Coronavirus. Nun stehen die Releases weiterer Blockbuster auf der Kippe.

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Darf Scarlett Johansson am 30. April ran? Der Trailer zu «Black Widow». <i>(Video: Disney)</i>

Die Bond-Macher zogen in letzter Sekunde den Stecker für die geplante Premiere von «No Time to Die» und verschoben den Release auf Herbst. Disney dagegen liess vergangenes Wochenende den Coronavirus-Test-Ballon steigen: Der Animationsfilm «Onward» schlug allerdings hart auf dem Boden auf. Lediglich 40 Millionen Dollar erwirtschaftete der Film am Startwochenende in den USA.

Zweitgrösster Filmmarkt China kollabiert

Hollywood hat ein riesiges Problem: Die Blockbuster-Saison steht vor der Tür – und mit ihr extreme Ungewissheit. In China, dem zweitgrössten Filmmarkt der Welt, sind 70'000 Kinos geschlossen. Auch in Italien und Südkorea, zwei wichtigen Territorien, liegt das öffentliche Leben wegen des Virus brach. Wie solls weitergehen?

Ende März soll Disneys neues Live-Action-Spektakel «Mulan» (Produktionskosten 200 Millionen Dollar) in die Kinos kommen. Bis dato hält der Konzern an dem Startdatum in den USA und europäischen Märkten fest. Und das, obwohl der Streifen auch dank eines rein asiatischen Casts auf hohe Gewinne aus dem Fernen Osten abzielt.

In China wurde die Premiere des Films auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Gleiche gilt für Disneys Event-Movie «Black Widow». Marvels Filme boomen im asiatischen Markt und tragen wesentlich zu Einspielergebnissen jenseits der Milliarde bei.

Müssen die Eternals weichen?

Offiziell bleibt Disney beim Startdatum 30. April. Allerdings verdichten sich Anzeichen, wonach der Film den November-Slot von Marvels «The Eternals» übernehmen könnte. Das würde dann heissen, dass der von Fans heisserwartete Film mit Angelina Jolie erst 2021 in die Kinos kommt. Auch Teil neun der «Fast and Furious»-Reihe, die in Asien eine riesige Fanbase hat, könnte wegen Corona vom Startdatum 22. Mai abrücken.

Im Moment verfolgen die Studios die einzig mögliche Strategie: abwarten. Klar ist aber, dass das Virus die weltweite Kinoindustrie wegen fehlender Ticketverkäufe bereits Milliarden von Dollar gekostet hat.

Von den fehlenden Kinobesuchen profitieren die Streamingdienste. Die Aktien von Netflix und Amazon stiegen in den letzten Wochen deutlich an, ebenso die Zahl der Abonnentinnen und Abonnenten. Glück im Unglück hat Disney mit seinem Streamingdienst Disney+, der am 24. März in grossen Teilen Europas, darunter in der Schweiz, an den Start geht.

Weniger Schweizer im Kino

Auch die Schweizer Kinobetreiber bekommen die Auswirkungen des Virus zu spüren. Wie hoch die Umsatzeinbussen hierzulande sind, darüber lässt sich zu diesem Zeitpunkt aber noch keine konkrete Aussage machen. «Schwankungen von einer Woche zu anderen sind in unserer Branche normal und hängen oft von verschiedenen Faktoren wie neuen Filmstarts, aber auch vom Wetter ab», sagt René Gerber, Generalsekretät des Branchendachverbandes ProCinema.

Aber: «Am vergangenen Wochenende sind weniger Besucher ins Kino gegangen als das Wochenende zuvor. Bestimmt hat die Angst vor dem Virus dabei eine Rolle gespielt.» Die Auswirkungen von Corona seien aber noch nicht bezifferbar. Der Verleiher Ascot Elite hat aber dennoch vorsorglich den Release seines Hits «Platzspitzbaby» in der Romandie nach hinten verlegt.

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