Fifa-Affäre: Warum Adidas der Fifa die Treue halten wird
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Fifa-AffäreWarum Adidas der Fifa die Treue halten wird

Die Sponsoren gehen wegen der Korruptions-Affäre auf Distanz zur Fifa. Zur definitiven Trennung wird es jedoch nicht kommen: Dazu ist Fussball viel zu lukrativ.

von
C. Landolt
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Adidas bekam als einer von sechs Konzernen das Exklusiv-Recht von der Fifa, mit der WM zu werben. Adidas produziert nicht nur den offiziellen Spielball, sondern rüstet auch Schiedsrichter und Offizielle aus, ist ausserdem auf Banden und Plakaten präsent und versucht wie eh und je, so viele Top-Teams wie möglich auszurüsten.

Adidas bekam als einer von sechs Konzernen das Exklusiv-Recht von der Fifa, mit der WM zu werben. Adidas produziert nicht nur den offiziellen Spielball, sondern rüstet auch Schiedsrichter und Offizielle aus, ist ausserdem auf Banden und Plakaten präsent und versucht wie eh und je, so viele Top-Teams wie möglich auszurüsten.

Keystone/AP/Victor R. Caivano
Coca-Cola ist ein zweiter Hauptsponsor. Auch er äusserte sich nach den neuerlichen Festnahmen besorgt: «Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der FIFA». Coca-Cola überweist schätzungsweise jährlich rund 30 Millionen Dollar an den Weltfussballverband.

Coca-Cola ist ein zweiter Hauptsponsor. Auch er äusserte sich nach den neuerlichen Festnahmen besorgt: «Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der FIFA». Coca-Cola überweist schätzungsweise jährlich rund 30 Millionen Dollar an den Weltfussballverband.

George Constantinou
Dem Weltfussballverband droht im Streit mit den zwei US-Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard eine Millionenklage. Dies, nachdem ein New Yorker Gericht den Sponsoringvertrag zwischen der Fifa und Visa für ungültig erklärt hat.

Dem Weltfussballverband droht im Streit mit den zwei US-Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard eine Millionenklage. Dies, nachdem ein New Yorker Gericht den Sponsoringvertrag zwischen der Fifa und Visa für ungültig erklärt hat.

Keystone/AP/Steffen Schmidt

Nach dem neuerlichen Fifa-Skandal mit Festnahmen von Spitzenfunktionären üben mehrere grosse Sponsoren zunehmend Druck auf den Weltverband aus. Das Kreditkartenunternehmen Visa etwa mahnte zu «raschen und sofortigen Massnahmen», um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. «Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden.»

Coca-Cola seinerseits monierte, die anhaltende Debatte über Korruption bei der Fifa werfe ihre Schatten auch auf die Weltmeisterschaften: «Wir haben wegen dieser ernsten Vorwürfe wiederholt unsere Sorgen deutlich gemacht.»

Milliardenumsatz garantiert

Visa und Coca-Cola halten der Fifa die Treue. Doch auf den Weltfussballverband angewiesen seien sie nicht, sagt Professor André Bühler vom Deutschen Institut für Sportmarketing zu 20 Minuten. Anders äussert sich Sportartikelhersteller Adidas: «Im Unterschied zu Coca-Cola braucht Adidas die Fussball-WM als Umsatztreiber.» Denn Adidas ist weiter dem Wachstum verpflichtet, 2014 hat der Konzern das nach unten geschraubte Ziel trotz WM nur knapp erreicht.

Für das Unternehmen aus Herzogenaurach zahle sich jede Fussball-WM aus, sagt Bühler: «Mit einer WM werden direkte Umsätze in Milliardenhöhe generiert.» Adidas stellt nicht nur den offiziellen Spielball, sondern rüstet auch Schiedsrichter und Offizielle aus und ist ausserdem auf Banden und Plakaten im Stadion präsent. Um wie viel Geld es hierbei geht, illustriert ein Beispiel: Der offizielle Spielball der Fussball-WM 2014 soll sich 14 Millionen Mal verkauft haben, sagt Bühler.

Das am Mittwoch verbreitete Statement von Adidas an die Fifa, «auch weiterhin transparente Compliance-Standards zu setzen und diese konsequent anzuwenden», ist in diesem Kontext zu sehen. Wer drastischere Worte erwartet hat, wird enttäuscht. «Die Sponsoren kommunizieren das, was ihnen momentan möglich ist», sagt Hans-Willy Brockes, Geschäftsführer der Europäischen Sponsoring-Börse (ESB) zu 20 Minuten. «Sie dokumentieren damit, dass sie die jetzige Situation nicht gutheissen, gleichzeitig aber nur begrenzte Reaktionsmöglichkeiten haben», so Brockes. Noch gelte die Unschuldsvermutung.

Wenn der Fussball rollt ...

Mittlerweile muss man sich laut Experten als Sponsor fast schon dafür entschuldigen, Partner des skandalträchtigen Weltfussballverbands zu sein. Aber weil der Gesponserte eben kein Verein, sondern die Fifa und die WM die Top-Werbeplattform schlechthin ist, wäre es naiv anzunehmen, dass Sponsoren Blatter und Co. den Rücken kehren würden. «Denn nicht die Fifa ist für Sponsoren attraktiv, sondern die beliebteste Sportart der Welt», erklärt Brockes. «Und wenn der Fussball rollt, spielen politische und Verbandsprobleme nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.» Deshalb bleibt die WM für die Sponsoren mehr Chance als Gefahr.

Auch die Fifa scheint die Gefahr, dass Sponsoren abspringen könnten, nicht zu erschüttern: Die Ersatzbank ist bestens bestückt. «Zieht sich Coca-Cola zurück, ist damit zu rechnen, dass Pepsi als Ersatz in den Startlöchern steht», sagt Bühler. Dennoch stünden Adidas und Co. in der Pflicht, die Probleme anzugehen. «Das System Fifa basiert auf Macht und Geld», so Bühler. Während Macht von aussen nicht steuerbar sei, könne man mit Geld hingegen Druck erzeugen. Auch als einzelner Zuschauer – indem man ganz einfach die WM boykottiert, wie Bühler vorschlägt.

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