Schon vier Todesfälle 2012: Warum Afrikas Präsidenten oft im Amt sterben
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Schon vier Todesfälle 2012Warum Afrikas Präsidenten oft im Amt sterben

Staatsoberhäupter sterben selten im Amt: Seit 2008 verschieden weltweit nur 13 Präsidenten. Doch zehn von ihnen waren Afrikaner. Warum diese Häufung?

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ske
Starben alle im Amt: Malam Bacai Sanha von Guinea Bissau, Meles Zenawi aus Äthiopien, John Atta Mills aus ghana und Malawis Bingu wa Mutharika (v.l.n.r.)

Starben alle im Amt: Malam Bacai Sanha von Guinea Bissau, Meles Zenawi aus Äthiopien, John Atta Mills aus ghana und Malawis Bingu wa Mutharika (v.l.n.r.)

Letzte Woche starb Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi nach langer Krankheit. Er ist gerade mal 57 Jahre alt geworden. Er ist nicht das erste afrikanische Staatsoberhaupt, das 2012 noch im Amt gestorben ist. Anfang Monat nahmen tausende Ghanaer an der Beerdigung ihres Präsidenten John Atta Mills teil, der überraschend im Alter von 68 Jahren verschieden war. Anfangs April erlitt Malawis Präsident Bingu wa Mutharika im Alter von 78 Jahren einen Herzinfarkt, den er nicht überlebte. Im Januar war bereits Guinea Bissaus Präsident Malam Bacai Sanha nach langer Krankheit gestorben. Er ist 64 Jahre alt geworden.

Vier afrikanische Politiker in nur einem Jahr – das ist viel, zumal Staatsoberhäupter relativ selten im Amt sterben, wie die «BBC» berichtet. Nachdem er zum vierten Mal angerufen wurde und die Nachricht erhielt, dass ein Präsident gestorben sei, stellte sich Simon Allison, Korrespondent der südafrikanischen Website «Daily Maverick» deshalb die Frage: «Warum sterben so viele afrikanische Präsidenten?»

Zehn gegen drei

Ein Vergleich zeigt, dass tatsächlich mehr afrikanische Präsidenten im Amt sterben als solche anderer Kontinente. Seit dem Jahr 2008 schieden zehn afrikanische Staatsoberhäupter aus dem Leben, während sie noch im Amt waren. In der gleichen Zeit starben nur drei andere nationale Führungspersonen während der Amtszeit: Kim Jong-Il in Nordkorea, Polens Präsident Lech Kaczynski, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, und David Thomson von Barbados; er hatte Krebs gehabt.

Als erstes dachte sich Allison, dass afrikanische Präsidenten einfach älter sind als diejenigen anderer Kontinente. Dies, weil auf dem afrikanischen Kontinent der Respekt für Ältere eine besonders wichtige Rolle spielt. Doch allzu gross ist dieser Unterschied nicht: Im Schnitt sind Afrikas Präsidenten 61 Jahre alt, wie auch asiatische Präsidenten. In Europa sind Staatsoberhäupter im Durchschnitt 55 Jahre alt, in Südamerika 59.

Tiefere Lebenserwartung

Ein wichtiger Grund sei daher die Lebenserwartung, die in Afrika deutlich tiefer ist als in Europa, Lateinamerika und Asien. Zwar ist das grösstenteils auf HIV/Aids und eine schlechte medizinische Versorgung zurückzuführen, die zu hohen Todesraten bei Geburten führen. Doch auch die Armut, die man als Kind oder Jugendlicher erlebe, könne eine Rolle spielen, meint Doktor George Leeson, Gerontologe an der Universität von Oxford: «Afrikanische Präsidenten haben vor ihrer Wahl meistens ein relativ bescheidenes Leben geführt. Das hat einen Einfluss auf ihre Lebenserwartung im späteren Alter.» Auch wenn sie als Präsidenten ein angenehmeres Leben führten als die meisten ihrer Landsleute, hätten sie noch mit Nachteilen aus der Vergangenheit zu kämpfen.

Als weiteren möglichen Grund führt Simon Allison den Stereotyp des afrikanischen Staatsoberhauptes an. Diese würden an die Macht gelangen und sie dann nicht mehr freiwillig hergeben. Bei Omar Bongo, Conte und Gaddafi war es so. «Das waren klassische Diktatoren, die niemals freiwillig gegangen wären. Aber auch das lässt sich nicht für alle sagen. Meles Zenami kam zwar auch vor langer Zeit an die Macht, aber er war erst 57 Jahre alt. Alle anderen hatten eine begrenzte Amtszeit, die noch nicht abgelaufen war.»

Unsicherheit durch Machtvakuum

Klar ist zumindest eins: Die zahlreichen Todesfälle schaffen Unsicherheit. Wenn jemand im Amt stirbt, entsteht ein Machtvakuum, das gefährlich sein kann. In Guinea-Bissau war dies so: Als Sanha starb, folgte kurz darauf ein Coup. Allison bleibt aber auch optimistisch: «In Sambia, Malawi, Ghana und Nigeria sorgte der Tod des Präsidenten für die Einleitung konstitutioneller Veränderungen. Ich denke, das ist ein ermutigendes Zeichen für den afrikanischen Kontinenten.»

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