Media-Multitasking wirkt sich negativ auf auf deine Psyche aus
Du willst einen Blogbeitrag schreiben und schickst deiner Freundin gleichzeitig ein Meme? Media-Multitasking mit mehreren Screens ist verbreitet. 

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Media-MultitaskingWarum Auf-Insta-Scrollen beim Filmschauen deiner Psyche schadet

Mehrere Screens gleichzeitig zu nutzen, hat gemäss Fachleuten beunruhigende Folgen für Körper und Geist.

von
Geraldine Bidermann

Du schaust einen Film auf dem Laptop, googelst auf dem Smartphone schnell, wie die Schauspielerin heisst, siehst, dass du 13 neue Nachrichten in deiner Whatsapp-Group hast – ui, dieser Mantel, der dir auf Insta vorgeschlagen wird, sieht auch noch hübsch aus! Die Handlung vom Film hast du längst verpasst, eine schlaue Antwort hast du im Chat auch noch nicht geliefert, dafür willst du jetzt noch kurz eine E-Mail beantworten. Kennst du diese Situation?

Unser Hirn ist nicht für Multitasking geschaffen

Auch wenn es sich anfühlt, als würde man sich gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren, ist es normalerweise so, dass das Hirn beim Multitasking zwischen den Aufgaben hin- und herspringt. Zumindest, wenn sie die gleichen Wahrnehmungs- oder Denkprozesse in Anspruch nehmen, was zum Beispiel beim Fernsehschauen und Insta-Scrollen der Fall ist – das wirkt sich negativ auf die Aufmerksamkeit aus. Während es also vielleicht Sinn macht, zum Kochen daheim einen Podcast zu hören, weil dies zwei verschiedene Wahrnehmungsprozesse sind, haben zwei Bildschirme für dein Hirn nicht nur wenig Nutzen, sie wirken sich auch negativ auf dein Wohlbefinden aus. Das sind die Nachteile:

1. Das Stressniveau steigt

Wer ständig verschiedenen Reizen ausgesetzt ist, muss diese verarbeiten. Dies lässt den Cortisol-Spiegel steigen, was wir als Stress kennen. Ein dauerhaft erhöhter Cortisol-Spiegel wirkt sich nicht nur schlecht auf unseren Geist, sondern auch auf unsere Gesundheit aus.

Die meisten Apps sind dazu designt, uns immer wieder das Handy entsperren zu lassen – oftmals sogar ganz unbewusst. 

Die meisten Apps sind dazu designt, uns immer wieder das Handy entsperren zu lassen – oftmals sogar ganz unbewusst.

Giphy

2. Die Reaktionsfähigkeit sinkt

Cortisol setzt unseren Körper in Alarmbereitschaft und sendet ihm das Signal, auf Kampf zu stellen. Was früher half, uns im Notfall gegen einen Angreifer zu wehren, brauchen wir heute, um schlaue Entscheidungen unter Stress zu fällen. Wenn Cortisol aber ständig im Blut ist, lässt dieser Effekt nach, was die Reaktionsfähigkeit sinken lässt.

Mehrere Screens lassen unser Cortisol im Blut steigen – das macht entscheidungsmüde und gestresst. 

Mehrere Screens lassen unser Cortisol im Blut steigen – das macht entscheidungsmüde und gestresst.

Charles Deluvio

3. Hä? Die Vergesslichkeit nimmt zu

Forscher an der University of California Los Angeles haben festgestellt, dass Multitasking einen negativen Effekt auf die Lernfähigkeit hat. Wer eine Geschichts-Doku schaut oder am Screen eine Fremdsprache lernt, wird sich diese Fakten nicht gut merken können, wenn noch andere Informationen auf einen einprallen. Das ist logisch, oder? Frühere Studien hatten aber auch eine Verbindung hergestellt zwischen Medien-Multitasking und einem schlechteren episodischen Gedächtnis, also dem Erinnern an eigene Erfahrungen. Wenn du ständig an Bildschirmen klebst, wirst du dir Momente deines Alltags, oder kitschig gesagt, den Film deines Lebens, weniger einprägen können.

Fühlt sich jeder Tag bei dir irgendwie gleich an und Erinnerungen verblassen? Multi-Media-Nutzung könnte ein Grund dafür sein.

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4. Multitasking macht unglücklich und oberflächlich

Alles, was du beim Multitasking tust, erledigst du eher nebenbei und unbewusst. Dies macht unglücklicher, als Dinge einzeln und bewusst anzugehen. Wer auf Facetime seinem Göttibub winkt und daneben heimlich ein Rezept googlet, wird nach dem Gespräch nicht beglückt sein.

Das Leben mit mehreren Devices ist völlig normal geworden. Ob dies uns wirklich effizienter macht?

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5. Schlechte Essgewohnheiten

Wer vor einem Bildschirm isst, neigt dazu, insgesamt mehr zu essen, oder das Essen komplett zu vergessen. Das zeigt eine Studie des «American Journal of Clinical Nutrition». Wer neben Youtube-Schauen beim Kauen auch noch auf Whatsapp ist, verstärkt diese Erscheinung. Ernährungspsychologinnen und -psychologen empfehlen darum, langsam und bewusst zu essen – und nicht nebenbei.

6. Die Fehlerquote steigt

Beim Fahren schnell eine SMS beantworten, während du aufs Navi schaust? Das ist nicht nur gefährlich, sondern vor allem auch schwer verboten. Im Büro ist die Konsequenz eines Fehlers nicht ganz so gravierend wie im Strassenverkehr. Aber wir wollen trotzdem nicht im Stress aus Versehen eine E-Mail an unseren Chef schicken, die für die Kollegin bestimmt gewesen wäre, oder?

Ein kompletter Digital Detox ist ziemlich viel verlangt. Vielleicht helfen dir aber folgende Tipps, dich in Zukunft zumindest wieder auf einen Screen zu konzentrieren?

  • Schalte automatische Benachrichtigungen aus. Damit übernimmst du selbst die Verantwortung, wann du Apps wie deine Mails oder Instagram checken willst.

  • Lege dein Smartphone weg, wenn du einen Film schaust. Somit bist du nicht versucht, ständig irgendwelche Fakten zu googlen oder auf Tiktok zu hängen.

  • Lerne, auch einmal nicht erreichbar zu sein. Findest du den Gedanken komisch? Dann informiere deine engsten Personen, dass du dich für die nächsten zwei Stunden völlig auf deine Prüfungsvorbereitung fokussieren willst und Whatsapp deshalb nicht anschauen wirst.

Ein grosser erster Schritt zu mehr Klarheit, Zufriedenheit und Fokus ist es, das eigene Verhalten überhaupt wahrzunehmen. Wir leben in einer digitalen Zeit, das lässt sich nicht ändern und hat viele Vorteile. Wer seine Gewohnheiten ändern will, braucht daher eine innere Motivation. Überlege dir, wieso du in Zukunft vielleicht öfters mal das Handy weglegen willst. «Ich will gute und erfolgreiche Texte schreiben», «Ich möchte bei einem Film voll entspannen können», «Ich will meinen Freunden im Ausland beim Facetimen besser zuhören». Für diese Dinge musst du dich vertiefen – das ist mit ständigem Handychecken nicht möglich.

Magst du es, ständig Notifications zu bekommen? Oder verzichtest du lieber darauf? Verrate uns deinen Offline-Trick im Kommentarfeld. 

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