Geisterfahrer: Warum ausgerechnet die Taubenlochschlucht?
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GeisterfahrerWarum ausgerechnet die Taubenlochschlucht?

Jeder sechste Geisterfahrer in der Schweiz ist auf der Autobahn zwischen Biel und La Heutte unterwegs. Die Behörden stehen vor einem Rätsel.

von
Thomas Pressmann

Ein beschaulicher Ort sieht anders aus. Die Taubenlochschlucht ist tatsächlich ein Loch: Tief hat sich der Fluss in die Jurafelsen gefressen, es ist schattig und einsam hier. Durch die Schlucht windet sich neben der Bahnlinie die Transjurane - die A 16, die von Biel in den Jura führt: kurvig, steil und mit unzähligen Tunnels.

Nirgends wird häufiger Geisterfahrer-Alarm geschlagen als hier. Eine genaue Statistik existiert zwar nicht, aber Heinz Pfeuti von der Kantonspolizei Bern hat zusammengerechnet, dass im laufenden Jahr schon fast zwanzig entsprechende Meldungen eingegangen sind. Damit ist jeder dritte Geisterfahrer im Kanton in der Taubenlochschlucht unterwegs. Auf die Schweiz hochgerechnet heisst das: Jeder sechste Geisterfahrer wird auf der A 16 registriert, wie das Bundesamt für Strassen (Astra) bestätigt.

Geister verwirrt über Velos

Die Autobahn durch die Schlucht ist schon länger als Strasse der Geisterfahrer bekannt. Warum so viele Autofahrer auf der falschen Spur unterwegs sind - darüber wird aber nach wie vor gerätselt. Schon 2005 wurde im Auftrag des Kantons eine «analyse des accidents» erstellt und einzelne bauliche Massnahmen getroffen.

Jetzt hat SP-Grossrätin Chantal Bornoz Flück aus La Heutte einen neuen Vorstoss gemacht. Sie wollte vom Berner Regierungsrat wissen, warum noch immer auffallend häufig Falschfahrer gerade auf diesem Abschnitt der Transjurane unterwegs sind. Die Kantonsregierung hält in ihrer Antwort fest, dass es «keine gesicherten Angaben» gäbe. Zwei Gründe könnten aber zumindest mitverantwortlich sein: Einerseits sei die Streckenführung je Talseite getrennt, andererseits könne die Autobahn als Nationalstrasse dritter Klasse auch vom «Langsamverkehr», also auch von Velos, befahren werden.

Falschfahrer sind Ortskundige

Interessant ist: bei den kontrollierten Falschfahrern handelt es sich nicht etwa um ortsunkundige Lenker. Vielmehr sind es tendenziell eher ältere Autofahrer aus der Region, die schon lange ihren Führerschein haben und laut dem Bericht «eigentlich erfahren sind».

Die befragten Falschfahrer können sich ihre gefährliche Fahrpraxis oft gar nicht erklären. Die Hälfte aller Falschfahrer in der Schweiz erwischen zudem nicht etwa - wie oft vermutet - die falsche Einfahrt. Vielmehr wenden sie auf der Autobahn und fahren wieder zurück. «Häufig sind die Autofahrer alkoholisiert oder leiden unter Demenz», sagt Frédéric Revaz vom Astra.

Verantwortlich für die Sicherheit der Autobahnstrecke zwischen Biel und La Heutte ist der Bund. Dort prüft man nun weitere bauliche Massnahmen auf dem berüchtigten Abschnitt im Berner Jura.

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