Aktualisiert 03.11.2009 16:17

Missverständnis mit ZidaneWarum ausgerechnet Zidane nie für OM spielte

Zinedine Zidane ist ein Kind Marseilles. Er lernte in den Strassen der Stadt Fussball spielen – war aber nie Mitglied bei OM. Obwohl er lange davon träumte und der damals mächtige Präsident Bernard Tapie ihn haben wollte. Wieso?

von
Reto Fehr, Marseille

Zidane ist einer der besten Fussballer, die die Welt je gesehen hat. Der Franzose lenkte über Jahre die Spiele der Equipe Tricolor, von Bordeaux, Juventus und Real Madrid. Doch ausgerechnet für seinen Heimatverein Olympique de Marseille lief er nie auf.

Der Traum von OM

Dabei passt Zidane zum Klub wie die Faust aufs Auge. Als Sohn algerischer Einwanderer lernte er in den Strassen von La Castellane, einem heruntergekommenen Viertel Marseilles, zu Dribbeln. Wie viele andere Afrikaner hofften Zidanes Eltern in Marseille, Frankreichs Tor zu Afrika, auf ein besseres Leben. In der Nachbarschaft kickte er bald für US Saint-Henri, bevor er mit elf Jahren zu Sport Olympiques Septembes-les-Vallons am nördlichen Stadtrand wechselte. Zidanes Traum war aber schon damals klar: Er wollte für das grosse Olympique Marseille spielen. Denn dort stand später unter anderem sein Idol aus der Kindheit unter Vertrag. Der Uruguayer Enzo Francescoli hatte es dem späteren Superstar angetan. So sollte er auch seinen ersten Sohn nach dem Fussballer benennen.

Das Angebot aus Marseille

Zidanes Karriere verlief aber anders. Als Jean Varraud ihn mit 14 Jahren entdeckte, holte ihn dieser ins Jugendinternat von AS Cannes. «Ich wollte für ein Probetraining acht Tage nach Cannes fahren und blieb sechs Jahre», schreibt Zidane auf seiner Homepage. Im Alter von 16 Jahren setzte Jean Fernandez ihn erstmals in der höchsten Spielklasse Frankreichs ein. Der junge Zidane erkämpfte sich einen Stammplatz und entwickelte sich immer weiter. Als Cannes im Sommer 1992 aus der Ligue 1 abstieg, schien der Weg zurück zu seinen Wurzeln und zu Marseille frei. Umso mehr, als der damals allmächtige Präsident Bernard Tapie den Mittelfeldspieler in seiner Star-Truppe haben wollte.

Marseille war damals auf dem Höhepunkt der jüngeren Geschichte, welche mit dem Champions-League-Titel 1993 enden sollte. Doch der Wechsel kam nicht zustande. Denn bei OM war man sich in der Vereinsspitze noch nicht über das Talent Zidanes einig und machte nur ein halbherziges Angebot mit einem Spielertausch. «Bernard Tapie wollte mich, doch einige im Verein sagten ihm, er solle mich dort lassen wo ich war», schildert Zidane. Der damals 20-Jährige wechselte zu Bordeaux und schwor sich, dass er nie für Marseille spielen wolle.

Lange Liste von Stars ohne Zidane

Das brauchte Zidane aber auch nicht. Denn in Bordeaux erhielt er seinen Spitznamen Zizou, entwickelte sich immer weiter, wechselte von dort zu Juventus Turin und schliesslich zu Real Madrid. Es war eine Weltkarriere mit unzähligen Erfolgen, wie sie nicht viele Spieler erleben können.

Marseille dagegen hatte in seiner langen Geschichte wohl Stars wie Rudi Völler, Jean-Pierre Papin, Michel Platini, Franck Ribéry, Eric Cantona oder Didier Drogba unter Vertrag. Aber ausgerechnet Zidane, das Kind der Stadt, lief nie für den Verein auf. Wetten, dass sich die Entscheidungsträger von damals noch heute über ihre Unschlüssigkeit ärgern?

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