Acht Wochen Vaterschaftsurlaub: Warum Auslands-Firmen in der Schweiz vorpreschen

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Acht Wochen VaterschaftsurlaubWarum Auslands-Firmen in der Schweiz vorpreschen

Johnson & Johnson gewährt auch Schweizer Angestellten 8 Wochen Vaterschaftsurlaub. Politiker sind erfreut, fordern aber weiterhin eine nationale Lösung.

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P. Michel/I. Strassheim
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Die Initianten des Volksbegehrens «Vaterschaftsurlaub jetzt» sind erfreut über die Ankündigung des US-Konzerns Johnson & Johnson, auch für seine Schweizer Mitarbeiter einen achtwöchigen Vaterschaftsurlaub einzuführen.

Die Initianten des Volksbegehrens «Vaterschaftsurlaub jetzt» sind erfreut über die Ankündigung des US-Konzerns Johnson & Johnson, auch für seine Schweizer Mitarbeiter einen achtwöchigen Vaterschaftsurlaub einzuführen.

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Der Konzern beschäftigt hierzulande 7000 Angestellte. Damit ist Johnson & Johnson neben McDonald's der grösste amerikanische Arbeitgeber in der Schweiz.

Der Konzern beschäftigt hierzulande 7000 Angestellte. Damit ist Johnson & Johnson neben McDonald's der grösste amerikanische Arbeitgeber in der Schweiz.

Keystone/Gaetan Bally
Mit der im Juli eingereichten Volksinitiative kämpft Adrian Wüthrich für die gesetzliche Verankerung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs. «Johnson & Johnson zeigt, dass unsere Forderung gar nicht überzogen, sondern ein guter Schweizer Kompromiss ist.»

Mit der im Juli eingereichten Volksinitiative kämpft Adrian Wüthrich für die gesetzliche Verankerung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs. «Johnson & Johnson zeigt, dass unsere Forderung gar nicht überzogen, sondern ein guter Schweizer Kompromiss ist.»

Keystone/Marcel Bieri

Mitarbeiter des US-Konzerns Johnson & Johnson erhalten künftig acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Der Pharma- und Konsumgüterproduzent mit Sitz in Zug beschäftigt in der Schweiz rund 7000 Angestellte und ist damit neben McDonald's der grösste amerikanische Arbeitgeber der Schweiz.

Adrian Wüthrich, Präsident der Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt», gratuliert Johnson & Johnson zum «vorbildlichen» Entscheid: «Das zeigt, dass unsere Forderung von vier Wochen Vaterschaftsurlaub überhaupt nicht überzogen, sondern ein guter Schweizer Kompromiss ist.» Auch Jonas Fricker, Nationalrat der Grünen, ist erfreut: «Dass Firmen das Thema Vaterschaftsurlaub von selbst aktiv angehen, ist lobenswert und beweist, dass auch die Wirtschaft beginnt, umzudenken.»

Schub für nationale Initiative

Wüthrich hofft, dass der Entscheid seiner Initiative, die einen Vaterschaftsurlaub von vier Wochen, bezahlt aus der Erwerbsersatzkasse fordert, Schub verleiht. Johnson & Johnson zeige, dass es möglich sei, Vätern ihre Zeit für die Kinder einzuräumen und ihre Abwesenheit am Arbeitsplatz zu organisieren und zu finanzieren. Wann über die Initiative abgestimmt wird, ist noch nicht bekannt.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hält nichts von der Initiative. Er begrüsst aber das freiwillige Angebot von Johnson & Johnson. «Das zeigt, dass es sinnvoll ist, den Unternehmen die Entscheidung über Einführung und Dauer eines Vaterschaftsurlaubs zu überlassen», so Sprecher Fredy Greuter. Grossunternehmen seien tendenziell flexibler als KMU, um Absenzen überbrücken zu können. Gerade internationale Konzerne sind demnach im Vorteil.

Flexibilisierung des Mutterschaftsurlaubs

Wüthrich sieht noch einen anderen Grund, warum gerade internationale Konzerne vorwärtsmachen: «Internationale Firmen stehen in globaler Konkurrenz, sie stehen daher eher unter Druck, attraktive Bedingungen zu bieten.» Genau dies spricht auch für eine gesetzliche Regelung für alle Unternehmen: «Es kann nicht sein, dass Wildwuchs herrscht und nur Angestellte von Konzernen Anspruch auf einen anständigen Vaterschaftsurlaub haben.»

Anderer Meinung ist FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Er sieht im Entscheid von Johnson & Johnson den Beweis dafür, dass ein staatlich vorgeschriebener Vaterschaftsurlaub nicht nötig ist, da die Firmen von selbst aktiv werden. Diese Freiheit mache auch Sinn, so Wasserfallen: «Die Firmen können sich somit auf dem Arbeitsmarkt von Konkurrenten abheben.»

Wasserfallen erklärt, er sei nicht gegen die Idee eines Vaterschaftsurlaubs. Statt aber allen Firmen Vorschriften zu machen, brauche es zuerst eine Flexibilisierung des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs: «Mütter sollen diese Zeit aufteilen können, damit auch der Vater eine Zeit lang zu Hause bleiben kann.»

Was andere Firmen bieten

Mit Ikea führt auch ein anderer internationaler Konzern in der Schweiz einen längeren Vaterschaftsurlaub ein: Ab September gewährt das Möbelhaus bis zu 2 Monate bezahlten Sonderurlaub, allerdings werden zwei Wochen Ferien daran angerechnet. Migros, mit über 100'000 Angestellten die grösste private Arbeitgeberin der Schweiz, gewährt drei Wochen bezahlten und zwei Wochen unbezahlten Urlaub. Momentan planen wir keine Veränderung, sagt Sprecherin Martina Bosshard zu 20 Minuten. Bei Coop gibt es fünf Tage Vaterschaftsurlaub sowie zwei Wochen unbezahlt. Der Umfang des Vaterschaftsurlaubs wird regelmässig geprüft, so Sprecher Ramon Gander. (ish)

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